Interview

Der coole Magier aus Hagen

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Hagen. Farid ist ein Zauberkünstler. Oder ein Mentalist, wie man ihn bei „The next Uri Geller“ nannte. In der Esoterik-Show wurde Farid letztes Jahr Zweiter. Am Dienstag, 22.15 Uhr, bekommt der gebürtige Hagener seine eigene Show bei ProSieben. Jan Philipp Bensmann hat mit ihm gesprochen.

Selbst Harry Potter musste das Zaubern erst lernen. Sind Sie auch zu einer Zaubererschule gegangen?

Farid: Zu einer Schule nicht. Bei mir war es mein Großvater, der hat mir mit sechs Jahren gezeigt, wie eine Münze verschwindet und noch ein Kunststück mit einem Tuch. Das hab ich mir so eingeprägt, dass ich mit zehn Jahren, als ich verschiedene Zauberer im Fernsehen gesehen hatte, auch angefangen habe, mich damit zu beschäftigen. Mit 14 hab ich dann herausgefunden, dass mein Großvater gar nicht der Riesenmagier war, für den ich ihn als Sechsjähriger gehalten habe. Er beherrschte nur diese beiden Kartenspielerkunststücke. Aber da war’s für mich schon zu spät.

Sie haben sich also alles selbst beigebracht?

Farid: Ja, das meiste schon. Von Videoaufzeichnungen, zum Beispiel, die ich damals immer wieder vor- und zurückgespult habe, oder aus Zauberkästen, die ich mir besorgt habe, und immer weiter… Von der traditionellen Zauberkunst ging es dann zur Psychologie. Diese Kombination aus Psychologie, traditioneller Zauberkunst, Fingerfertigkeit und Rhetorik ergibt das, was heute zu sehen ist.

Haben Sie ein Vorbild unter anderen berühmten Zauberern?

Farid: Für mich gibt es kein direktes Vorbild, also keine einzelne Person, die ich speziell hervorheben könnte. Es gibt viele gute Künstler, die ich respektiere, weil sie bestimmte Dinge sehr gut können. Ich nehme von jedem ein Teil, ein bestimmtes Talent.

Was ist das zum Beispiel bei David Copperfield?

Farid: David Copperfield kann Kunststücke präsentieren wie kein Anderer. Wenn er auf die Bühne kommt und erzählt die Geschichte, den Aufbau, dann ist man wirklich gespannt und hört ihm zu. Das ist auch das, was ihn wirklich bekannt gemacht hat, denn viele Effekte auf der Bühne funktionieren so oder so, weil nun mal 40 Leute hinter der Bühne sind bei so einem Großillusionisten oder weil es bestimmte technische Raffinessen gibt. Da kommt es dann nicht wirklich auf Fingerfertigkeit an, sondern nur auf die Art und Weise, wie man es verkauft und das kann David Copperfield wie kein Anderer.

Sie bekommen jetzt eine eigene Show bei ProSieben, „Street Magic mit Farid“. Erklären Sie kurz das Konzept.

Farid: Das Konzept der Sendung ist: Magie im Alltag. Also: Weg von der großen Showbühne, stattdessen die Straße als Bühne nutzen. Das Interessante daran ist natürlich, dass es jeden treffen kann und dass es Magie direkt vor den Augen der Zuschauer ist, in ihren Händen.

Das sieht ja dann so aus: Erst wird der Trick gezeigt, dann das überraschte Gesicht des Passanten. Dieses Schema wiederholt sich. Wird das nicht langweilig auf die Dauer?

Farid: Auf keinen Fall. Zum einen ist es ja nicht immer das selbe Kunststück, zum anderen hat man immer wieder verschiedene Menschen und verschiedene Reaktionen, die sich ergeben und wenn man die Kunststückpalette so weit fächert, dass wirklich für jeden was dabei ist, dann kommen die unglaublichsten Momente zustande. Es gibt Leute, die die Kunststücke hinterfragen, die sehr skeptisch sind, aber trotzdem beeindruckt, oder Leute, die für einen Moment ihre Alltagsprobleme vergessen und noch mal zum Kind werden, alles fallen lassen und auf die andere Straßenseite rennen.

Aber Sie müssen sich schon immer neue Tricks ausdenken?

Farid: Ja, das natürlich. Es sollte schon immer eine bunte Mischung sein und ein Extrem toppen. Mein künstlerischer Anspruch ist es, immer wieder den nächsten Supereffekt zu schaffen.

Ist das schwer, sich einen neuen Trick auszudenken?

Farid: Schon. Es gibt natürlich eine bestehende Basis an klassischen Kunststücken. Wenn man an auf diese Basis zurückgreift, sollte man aber kreativ genug sein und alles so durchdacht haben, dass man sich am Ende etwas Neues daraus schafft. Also, man nimmt eine grundlegende Technik, einen Effekt (überlegt) Zum Beispiel die schwebende Jungfrau, ein klassischer Effekt, seit Jahrhunderten auf der Bühne zu sehen... Aber auf der Bühne, sind die Zuschauer 20 Meter weit entfernt und wissen gar nicht so genau: was ist da jetzt wirklich – sind da Seile? sind da Spiegel? Wenn man das Ganze auf die Straße bringt, einen Passanten nimmt, ihn zum Schweben bringt und ihn am Ende in der Luft verschwinden lässt, dann hat man ein klassisches Kunststück genommen, aber auf eine ganz andere Ebene gebracht. Und genau das ist mein Anspruch.

In den Straßen welcher Stadt wurde eigentlich gedreht?

Farid: Zum größten Teil haben wir in Berlin gedreht. Es gibt da noch eine kleine Überraschung, aber zum größten Teil drehen wir in Berlin.

Ihre Show läuft dienstagabends nach „The next Uri Geller“. Die Quoten der zweiten „Uri Geller“-Staffel sind ziemlich schlecht. Macht Ihnen das Sorgen?

Farid: Ich hätte ihm bessere Quoten gegönnt, das hätte er verdient. Und wenn die Einschaltquoten vor mir niedrig sind, habe ich auch weniger Leute, die zu mir reinschauen. Auf der anderen Seite ist die Messlatte aber auch gesunken. Generell bin ich aber sehr gespannt, wie die Einschaltquote am nächsten Dienstag sein wird.

Sie haben ja Jura studiert. Könnten Sie sich vorstellen, wenn der Erfolg als Zauberer irgendwann ausbleibt, dass Sie dann als Anwalt arbeiten?

Farid: (lacht) Na ja, zumindest wäre ich ein sehr guter Anwalt mit meinen magischen Talenten.

Würden die wirklich helfen?

Farid: Es wäre zumindest spannend. Auf jeden Fall bin ich froh, Jura studiert zu haben. Es ist ein krasser Gegensatz vom kreativen, künstlerischen zu einem etwas trockeneren Studium. Aber warum nicht? Ich könnte mir vorstellen, mich später auch ganz zurückzuziehen und wieder in diesem Bereich tätig zu sein. Aber das wird lange, lange Zeit dauern, bei all dem, was ich noch so vorhabe.

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