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Biograf: „Dschungelcamp ist für Thorsten Legat Therapie“

Das Dschungelcamp als Selbstfindungstrip. Thorsten Legat verarbeitet im Urwald auch seine schwere Kindheit, glaubt sein Biograf.

Das Dschungelcamp als Selbstfindungstrip. Thorsten Legat verarbeitet im Urwald auch seine schwere Kindheit, glaubt sein Biograf.

Foto: RTL

Berlin.  Thorsten Legat mischt mit seinen Sprüchen das Dschungelcamp auf. Sein Biograf glaubt, für den Ex-Kicker geht es um mehr als nur Show.

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Mehr als sechs Millionen Zuschauer schalten ein, wenn sich bei RTL mehr oder weniger prominente Zeitgenossen ekligen Dschungelprüfungen unterziehen. Ein Kandidat bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ ist anders als die anderen: Ex-Fußballprofi Thorsten Legat (47). Einst galt er als härtester Hund der Liga – nie um einen Spruch verlegen. Heute schreckt er selbst vor Krokodilen und Schlangen nicht zurück.

RTL-Dschungelcamp Der Sportjournalist und Fußballtrainer Hubert Meyer aus dem niedersächsischen Landkreis Peine kennt Legat seit 25 Jahren. 2014 veröffentlichten sie gemeinsam die Autobiografie „Wenn das Leben Foul spielt“, in der Legat erstmals über seine schlimme Kindheit berichtet. Im Interview erklärt Hubert Meyer, warum der Kult-Kicker nun gute Chancen hat, Dschungelkönig zu werden.

Lieber Herr Meyer, sind Sie ein Fan des Dschungelcamps?

Meyer: Fan ist zu viel gesagt. Aber ich schaue mir schon jeden Abend an, wie sich Thorsten schlägt.

Wie schlägt er sich denn?

Meyer: Er kommt sehr gut rüber, weil er sich nicht verstellt. Er trägt sein Herz auf der Zunge und sagt was er denkt. Die Zuschauer nehmen ihm auch nicht übel, wenn er Sätze formuliert, die verschachtelt sind und lustig wirken; seine typischen Sprüche halt: „Jetzt gibt’s Kasalla.“

„Er ist ein guter Typ, das mögen die Leute“

Was zeichnet Thorsten Legat neben dieser Offenheit aus?

Meyer: Er ist ein sympathischer, netter Mensch, ein absoluter Teamspieler. Er bringt die Leistung, die von ihm gefordert wird. In der Dschungelprüfung holt er die Sterne für die Mannschaft, damit es etwas zu essen gibt. Er ist einfach ein guter Typ aus dem Kohlenpott, der so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das mögen die Leute.

Gibt es Dinge, die Legat von den anderen Kandidaten unterscheiden?

Meyer: Er ist keiner, der schauspielert, Thorsten verstellt sich nicht. Wenn sich zum Beispiel Ricky dafür feiern lässt, dass er trotz angeblicher Höhenangst auf einer Hängebrücke steht, kommt das bei mir als Zuschauer nicht so gut an. Das war durchsichtige Schauspielerei. Ich weiß nicht, wen er damit beeindrucken wollte.

Ricky ist inzwischen ausgeschieden – also stehen Thorsten Legats Chancen auf die Würde des Dschungelkönigs nicht schlecht …

Meyer: Ich glaube, dass er ins Finale kommt, unter die letzten Drei. Ob er dann König wird, hängt von vielen Dingen ab, gute Chancen hat er jedenfalls. Auch Jenny Elvers hat jetzt in einem Interview gesagt, dass sich die Zuschauer am Ende für Thorsten entscheiden würden.

„Er ist seit der ersten Staffel ein Dschungel-Fan“

Wie wurde Thorsten Legat überhaupt Dschungel-Kandidat?

Meyer: Er ist seit der ersten Staffel glühender Fan dieser Sendung und hat jede Folge gesehen. Seit Jahren hat er sich gefragt: Wie würde ich mich im Dschungel schlagen? Er wollte unbedingt selbst nach Australien. Thorstens Berater von h&p Sportmanagement haben dann RTL kontaktiert und in dieser Staffel hat’s geklappt.

Ex-Dschungelkönig Costa Cordalis behauptet, in der Show sei nichts spontan, die Kandidaten erhielten permanent Regieanweisungen. Glauben Sie Cordalis?

Meyer: Das weiß ich nicht. Im Fall von Thorsten wäre es auch nicht so wichtig: Er kommt so rüber, wie er sonst auch ist. Thorsten hat seine eigene Geschichte, mit dem Buch hat er versucht, sich selbst zu therapieren. Das Dschungelcamp ist ein weiterer Schritt dazu.

„Sein Vater hat ihn geschlagen und missbraucht“

Sie spielen auf Legats unglückliche Kindheit an …

Meyer: Unter Sportjournalisten haben wir früher geflachst: „Der Legat ist bekloppt.“ Er wirkte immer fahrig, immer hektisch – wie ein Rennpferd vor dem Start. Aber es wusste keiner, was dahintersteckt. Dann besuchte ich Thorsten 2014 im Vorfeld eines Fernsehauftritts. Damals erzählte er mir von seinem Plan, ein Buch zu schreiben. Ich dachte zunächst: Wieder so eine typische Fußballer-Biografie mit Anekdoten. Doch dann öffnete er sich und vertraute sich mir an: Sein Vater hatte ihn über Jahre geschlagen und sexuell missbraucht. Deshalb hatte er auch als Spieler immer das Gefühl, sich wehren zu müssen.

Hat Sie diese Offenheit überrascht?

Meyer: Damit hätte ich nie gerechnet. Thorsten hat dieses dunkle Geheimnis 40 Jahre mit sich herumgetragen, das muss eine unglaubliche Belastung gewesen sein. Für mich war es auch nicht so einfach, über seine Erlebnisse zu schreiben. Manchmal kommt diese Hypothek noch an die Oberfläche, aber er hat gelernt, damit umzugehen. Er gibt heute bereitwillig Auskunft über seine traumatischen Erlebnisse, das hilft ihm und kann auch anderen helfen.

„Thorsten Legat ist viel mehr als ein Sprücheklopfer“

Hat ihr gemeinsames Buch die Wahrnehmung Thorsten Legats in der Öffentlichkeit verändert?

Meyer: Auf jeden Fall: Er ist viel mehr als ein eindimensionaler Sprücheklopfer. Vor allem ist Thorsten ein Familienmensch, der sich vor die Schwachen stellt. Das kann man auch im Dschungel sehen, etwa wenn er Menderes helfen will.

Gibt es heute noch solche Spielertypen wie Thorsten Legat?

Meyer: Immer seltener. Heute haben viele Spieler Medienberater, sie schießen deshalb nie über das Ziel hinaus. Dabei sind Sprüche wie die von Thorsten doch immer erfrischend. Der Fußball lebt von solchen Emotionen.

Wie wird es für Legat nach dem Dschungelcamp weitergehen?

Meyer: Er wird weiter den FC Remscheid in der Landesliga trainieren, aber viel stärker im Fokus stehen. Sicher wird es Anfragen für Werbeverträge und weitere Fernsehauftritte geben. Ich traue ihm auch zu, höherklassige Mannschaften zu trainieren. Thorsten hat unglaublich viel Fußballsachverstand.

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