Der Bilder-Sammler

Auf der Suche nach Privatem

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Essen. "Pirat" Karl Höffkes sammelt Filmmaterial aus der Zeit bis 1946. Sein Archiv im westfälischen Gescher zählt zu den größten der Republik. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Großen der TV-Branche gerne bei ihm bedienen.

„Ein Pirat wie ich müsste eigentlich eine Augenklappe tragen”, sagt Karl Höffkes über seine Kaper-Wut. Der Historiker mit Vorliebe für Flohmärkte sammelt Bilder und Filme, private Aufnahmen aus der Zeit vor 1946. Mit 760 Stunden Privatfilmmaterial und Zehntausenden von Schwarz-Weiß-Bildern zählt sein Archiv zu den größten der Welt.

Das hat die globale Mediengemeinschaft inzwischen auch erkannt: In Deutschland zählen Stefan Aust und Guido Knopp zu seinen Kunden. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin hat Material erworben, aber auch das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles. TV-Redakteure aus der ganzen Welt reisen in das münsterländische Gescher, wohin es den ehemaligen Lehrer des Essener Leipniz-Gymnasiums vor ein paar Jahren verschlagen hat, um Material zu sichten und anzukaufen.

Angefangen hat alles bereits im Hinterzimmer der elterlichen Pferdemetzgerei in Oberhausen-Sterkrade. Dort hat der Vater den jungen Karl mit seinen Geschichten über den Krieg gefesselt.„Ich fand' es spannend. Im Dritten Reich gab es eine Kolonisation der Gehirne.” Im März '45 hatte der Vater in der Nähe des hessischen Bad Wildungen Gala-Uniformen der SS verteidigt. Die seien wichtig für den Endsieg, habe man bei den jungen Soldaten den Einsatz gerechtfertigt. „Und das haben die geglaubt”, berichtet Höffkes.

Viele Facetten der Erzählungen hätten ihn elektrisiert. Irgendwann musste er eigene Erfahrungen sammeln, musste „in Afghanistan gucken, wie sich Krieg anfühlt”.

Dabei hat ihn – genau wie bei seiner Recherche über Filmmaterialien bis '46 – weniger die offizielle Seite interessiert. Er sucht immer und überall nach dem Privaten, danach wie sich Menschen darstellen. Das sei faszinierend. Seine Aufnahmen seien gleichermaßen subjektiv und kollektiv, sie spiegeln eine Realität wider, die Hunderttausende ähnlich erlebt haben.

Autodidakt nennt sich der Historiker. Ins Filmgeschäft musste er hineinwachsen, musste mühsam lernen, wie Rechteverwertung funktioniert, wie man Materialien ohne Orts- und Zeitangabe geschichtlich einordnet. „Die Bilder mussten sich loslösen von meiner Sammelwut”, sagt er. „Erst dann sprechen sie zu mir.”

Wenn er das erreicht hat, setzt er neue Akzente, sucht neue Herausforderungen. Zurzeit arbeitet er an einem eigenen Film „Der Weg nach Stalingrad”. Er hat ältere Herren aufgespürt, die zu einer Einheit gehörten und lässt sie vor laufender Kamera ihre Erinnerungen erzählen. Außerdem hat er dem ZDF Material geliefert für den Beitrag „Sommer 1939”.

Er könne fast alle Themen aus der Zeit des Dritten Reiches bebildern, habe genug Material. Aber irgendwie ist für Höffkes genug nie genug. „Wenn Menschen altes Bildmaterial haben – ich würde mich freuen, wenn sie sich bei mir melden.”

Mehr Infos: www.karlhoeffkes.de, 02542 / 951313

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben