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„Anne Will“: Wie könnte ein neuer Lockdown aussehen?

Lesedauer: 6 Minuten
Wer ist Anne Will?

Sie ist die erste Frau, die je die Sportschau moderierte. Hier erfahren Sie alles über den Werdegang der deutschen Fernsehjournalistin.

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Berlin  Beim Talk von Anne Will ging es um die Verschärfung des Corona-Lockdowns. Ausgangssperren wurden besonders leidenschaftlich diskutiert.

Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden, Deutschland befindet sich weiterhin im Lockdown, der wahrscheinlich noch einmal verschärft werden wird. Genau darum ging es Sonntagabend auch bei Anne Will: Wo stehen die Christdemokraten nach der Wahl von Armin Laschet zum Parteichef? Und wie angemessen wären schärfere Maßnahmen, die beim Corona-Gipfel am Dienstag beschlossen werden könnten?

Als Gast zugeschaltet ist ein Politiker, der bei beiden Themenkomplexen immer wieder im Mittelpunkt steht: Markus Söder, seines Zeichens CSU-Chef, bayerischer Ministerpräsident und Corona-Manager – in letzterer Rolle präsentiert er sich zumindest gern.

Während der CSU-Vorsitzende bis vor kurzem auf Fragen nach seinen Kanzler-Ambitionen immer fast wortgleich betont hat, dass sein Platz in Bayern sei, hatte sich sein Tonfall zuletzt doch deutlich geändert. Als Anne Will ihn diesbezüglich ausfragt, sagt er, dass die CDU natürlich als größere Schwester-Partei das Vorschlagrecht für den Kanzlerkandidaten habe, „aber wir sind die kleinere, charmante Schwester“.

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Das waren die Gäste bei Anne Will

  • Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen
  • Markus Söder (CSU), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern
  • Saskia Esken (SPD), Parteivorsitzende
  • Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzender
  • Christian Lindner (FDP), Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Bundestag

„Anne Will“: Söder ist auch wegen Corona Umfrageliebling

Natürlich will sich auch Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen, bei der Kanzlerfrage nicht festlegen. Aber seine Aussagen klingen mehr nach einem Votum für Laschet und nicht nach dem Umfrageliebling Söder. „Jede Partei schaut nach Umfragen. Aber das kann kein Ersatz für eine Strategie sein. Am besten fahren wir, wenn unsere Spitzen sich verständigen.“

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Söders bundesweiter Popularitätsschub hat vor allem mit dem Eindruck zu tun, dass er in der Corona-Krise durchgreift. Und so trumpft er auch beim Corona-Teil der Sendung auf.

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Auch wenn die Zahlen in Söders Bundesland nicht ganz so gut sind, wie man angesichts seines überzeugten Auftretens denken würde, findet er: „Die Maßnahmen zeigen schon Wirkung“, und Bayern müsse im Vergleich zum Rest von Deutschland nicht mehr an Schrauben drehen. Bundesweit will er mit Steuererleichterungen „soviel wie möglich“ Homeoffice erreichen, außerdem sehnt er sich nach Einigkeit in der Umsetzung von Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenzen.

Talk bei Anne Will: Söder liebäugelt mit Grenzschließungen

Relativ unverhohlen liebäugelt Söder auch mit Grenzschließungen. „Wir stecken uns immer ein bisschen gegenseitig an in Europa.“ Die Grenzschließung während des ersten Lockdowns habe geholfen. „Auch wenn das vielleicht nicht im Sinne des europäischen Gedankens war.“

Der CSU-Chef prescht gern voraus. Gerade hat er die Pflicht zu relativ teuren FFP2-Masken in Bayern im Nahverkehr und Einzelhandel eingeführt. Auch bundesweit ist sie nun im Gespräch.

Das ist das Stichwort für den Grünen-Parteivorsitzenden Robert Habeck. Er fordert erst einmal „kostenlose und kostenreduzierte“ Masken als Voraussetzung, bevor sie verpflichtend werden. Und dann teilt er aus: „Herr Söder, wenn man Ihnen zuhört, hat man das Gefühl, sie haben alles richtig gemacht. Es schleicht sich der Sound ein: Wir haben es es im Griff, Schuld ist die böse Bevölkerung.“ Im ersten Lockdown habe die Politik „eine Art Demut“ gehabt, nun sei das nicht mehr so.

„Anne Will“: Politik sorgt sich vor allem um Corona-Mutation

Demut ist tatsächlich auch bei Volker Bouffier nicht besonders ausgeprägt. Anne Will unterstellt ihm zu viel „Gelassenheit“ angesichts der hohen Todeszahlen: „Im Moment sterben in Deutschland rund 1000 Menschen am Tag.“ Auch wenn Bouffier die Gelassenheit von sich weist, sagt er auch. „Weihnachten und Neujahr scheint nicht so die große Welle geworden zu sein.“

Das Problem sei ein anderes: „Was wir gar nicht richtig einschätzen können, ist das britische Virus.“ Die britische Mutation mache der Politik Sorgen. Wirklich einschätzen könne man die Verbreitung aber nicht, da viel zu wenig sequenziert wird, wie Anne Will festhält: „Es ist doch Wahnsinn nach einer solch unsicheren Datenlage zu entscheiden“, insistiert sie.

FDP-Chef Lindner über Ausgangssperre: „gewissermaßen Hausarrest“

Entschieden werden soll unter anderem, ob eine bundesweite, nächtliche Ausgangssperre in Kraft treten soll. Bei diesem Gesprächsthema erwacht dann auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken zum Leben. Es dürfe nicht einfach nur noch weitere Einschränkungen des Privatlebens geben, „was die Menschen nicht mehr nachvollziehen können, die auch ein bisschen mürbe sind“.

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Bei Regierungsschelte ist auch FDP-Chef Lindner natürlich immer gern zur Stelle. Er empfindet eventuelle Ausgangssperren als „ganz drastische Freiheitseinschränkungen“, „unverhältnismäßig“ und als „gewissermaßen Hausarrest“. Stattdessen solle man lieber „mal eine Woche durchimpfen“. Wenn der Industriestandort Deutschland das nicht in den Griff bekomme, „wer denn sonst?“ Ein Konzept zaubert er allerdings auch nicht hervor.

„Anne Will“: Sendung testet Talkgäste nicht auf Corona

Alle Zuschauer, die sich gefragt haben, ob es neben dem Hygienekonzept auch ein umfassendes Testkonzept bei Anne Wills Talkshow gibt, kennen übrigens nun die Antwort: Es gibt keins.

Als FDP-Chef Christian Lindner für mehr generell mehr Tests plädiert und sagt, dass er auch gern vor der Sendung „dieses Schreckliche da oben“ in Kauf genommen hätte – er meint das Einführen eines Wattestäbchen tief in der Nasenhöhle –, scheint Anne Will sich sofort in Erklärungsnot zu fühlen: „Ich bin getestet“, sagt sie schnell und ihre Mitarbeiter seien es auch.

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Am Ende der Sendung setzt Anne Will dann noch während des Abspanns demonstrativ und schnell und brav ihre Schutzmaske auf. Erst neulich hatte sie einen Shitstorm kassiert, als sich ihre Gäste während des Abspanns ohne Maske zu nahe kamen. Mangelt es schon am Testkonzept, muss zumindest das Hygienekonzept stimmen.

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