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„Anne Will“ – Intensivmediziner: „Es ist fünf nach Zwölf“

Lesedauer: 6 Minuten

Skandale und Gäste-Rankings- Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Berlin.  Die Zahl der Corona-Ansteckungen und der Todesfälle erreicht alarmierende Höchstwerte. Deshalb gilt ab Mittwoch ein harter Lockdown.

Nun also doch. Angesichts von alarmierenden Höchstwerten bei den Corona-Neuinfektionen mit immer mehr Toten haben Bund und Länder am Sonntag einen harten Lockdown noch vor Weihnachten beschlossen.

Von Mittwoch an bis mindestens zum 10. Januar soll Deutschland nun stillstehen. Es ging wohl nicht anders. Anne Will und ihre Gäste diskutierten daher im Sonntagstalk umgehend die Frage: „Lockdown vor Weihnachten – schafft Deutschland so die Wende?“ Lesen Sie hier:Lockdown ab Mittwoch: Welche Corona-Regeln dann gelten

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Das waren die Gäste bei Anne Will

  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
  • Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)
  • Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie und Staatsminister a. D.
  • Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin im Parlamentsbüro, „Rheinische Post“

Corona-Maßnahmen: Konzepte über den 10. Januar hinaus gefordert

Mit Blick auf die ernste Lage, befand Intensivmediziner Uwe Janssens: „Es ist fünf nach Zwölf. Man hat das jetzt wirklich erkannt und die Reißleine gezogen.“ Für ihn war es von absoluter Wichtigkeit, dass dieser Lockdown durchdringend sein muss, um runterzukommen von den extrem hohen Zahlen mit extrem vielen Toten.

Auch, weil die Intensivstationen seit Wochen am Rande ihrer Belastungsgrenze stünden, so Janssens: „Was dort geleistet wird, ist übermenschlich. Aber ich habe die große Sorge, dass bald viele nicht mehr können.“ Er wäre daher sehr froh, wenn man jetzt Konzepte entwickelt, die über den 10. Januar hinausgehen.

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Corona-Lockdown: „Mittwoch war der schnellste Termin“

Anne Will wollte wissen, warum man sich nicht zu einem sofortigen Lockdown durchgerungen hat und ob es tatsächlich reicht, das Land erst am Mittwoch runterzufahren? Gleich zwei Landeschefs waren zugeschaltet und antworteten in seltener Einmütigkeit.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet erklärte, noch am letzten Dienstag hätten die Wissenschaftler von der Leopoldina einen Lockdown nach Weihnachten befürwortet. Doch die Zahlen der Neuinfektionen seien dann plötzlich angestiegen. „Die Politik musste jetzt schnell entscheiden. Und Mittwoch war der schnellste Termine. Es ist ein kraftvolles Signal, das die Ministerpräsidenten abgegeben haben.“

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Corona-Shutdown: Auch in Bundesländern mit niedrigeren Zahlen

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hingegen wusste, warum der so dringend benötigte harte Lockdown nicht prompt, sondern erst am Mittwoch beginnt: „Ein Lockdown muss ordentlich vorbereitet werden und ich halte die Debatte in den Parlamenten für wichtig. Ich bin froh, dass wir uns heute so entschieden haben.“

In Mecklenburg-Vorpommern seien die Zahlen zwar nicht so hoch wie in anderen Bundesländern, man werde dort dennoch den Shutdown komplett mitmachen, erklärte die Landeschefin.

Pandemie: Weihnachtsshopping als Superspreader-Ereignis?

Anne Will hakte hartnäckig nach, ob es nicht doch ein Risiko sei, zu warten. So kurz vor Weihnachten könnte es schließlich noch einen Run auf Geschäfte und Fußgängerzonen geben. Vielleicht mit Superspreader-Ereignissen.

Armin Laschet gab zu, dass das eine berechtigte Sorge sei. Wägte aber ab, dass man in den Tagen bis Mittwoch besonders darauf achten würde, dass die Regeln dort eingehalten würden. Und er appellierte an die Menschen: „Es müssen auch alle mitmachen. Wenn jeder ein Schlupfloch sucht, geht das nicht gut.“

Covid-19: Journalistin hatte Schwester angesteckt

Kristina Dunz sah indes vor allem in den Weihnachtstagen mit den vielen Feiern ein unkalkulierbares Risiko. Aus eigener Erfahrung wusste die Journalistin, dass der Umgang mit einer Corona-Infektion nicht leicht ist. Dunz hatte Anfang Oktober nach einem Besuch bei ihrer Familie erfahren, dass sie an Covid-19 erkrankt war.

Der Schrecken war groß – ebenso die Angst, unwissentlich jemanden angesteckt zu haben. Für die Journalistin brach eine schwere Zeit an. Erst als sie wusste, dass sich nur ihre Schwester infiziert hatte, sei eine Last von ihr genommen worden. Obwohl sie sich heute noch verantwortlich fühle für die Corona-Erkrankung ihrer Schwester.

Weihnachten in der Pandemie: Sehnsucht der Menschen verständlich

Mit einem bewegenden Plädoyer sorgte Dunz danach für den emotionalsten Moment bei „Anne Will“. Sie könne jetzt vor Weihnachten die große Sehnsucht vieler Menschen verstehen, die ihre Familie besuchen wollten. Nach vielen Monaten, in denen sie sich an die Maßnahmen gehalten und die Eltern oder Großeltern nicht besucht haben.

„Wenn man jetzt aber für drei Tage locker lässt, muss man am Ende damit leben, Mutter oder Oma infiziert zu haben, was vielleicht einen schweren Verlauf nimmt. Das verwindet man im Leben nicht mehr. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es diese Gefahr gibt“, so Dunz. Lesen Sie hier:Sind Reisen an Weihnachten in anderen Bundesländern erlaubt?

Der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin pflichtete ihr bei und nannte als Beispiel die Folgen eines Feiertags in den USA: „Thanksgiving hat sich auch negativ bemerkbar gemacht. Angesichts der Statistik sind die Mehrgenerationen-Zusammenkünfte nicht zu empfehlen. Auch, wenn das zu Weihnachten eine tief verwurzelte, traditionelle Praxis ist.“ Er forderte eine klare Botschaft der Politik.

Corona und die Feiertage: Auf das Notwendigste beschränken

Dem kam Armin Laschet umgehend nach. Er betonte mit Blick auf die Corona-Lage, an der sich auch an den Feiertagen so schnell nichts ändern dürfte: „Es ist ernst, es geht nicht anders. Es wird ein anderes Weihnachten sein müssen als in den letzten Jahrzehnten.“

Mediziner Uwe Janssens erinnerte daran, dass Weihnachten das Fest der Liebe sei. Da müsse man auch an den Schutz der anderen denken. Sein eindringlicher Appell: „Beschränkt Euch auf das Notwendigste. Auch damit könnt Ihr Liebe ausdrücken.“

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