Philharmonie

Essener Publikum feiert Händels „Orlando“ mit Starbesetzung

Max Emanuel Cencic war „Orlando“ in Essen.

Max Emanuel Cencic war „Orlando“ in Essen.

Foto: Anna Hoffmann

Essen.  Georg Friedrich Händels Zauberoper „Orlando“ begeisterte das Publikum in der Essener Philharmonie. Der Abend geriet zu einem wahren Barockfest.

Wütende Ritter, Magier, verliebte Schäferinnen, stolze Königinnen: Händels „Orlando“ ist barocke Zauberoper pur. Was fast 300 Jahre nach der Uraufführung fasziniert, ist nicht die fantastische Geschichte um den zwischen Ruhm und Liebe hin- und hergerissenen Titelhelden, sondern die raffinierte Musik des Sachsen, der in England einst seine größten Triumphe feierte.

Mit Max Emanuel Cencic hatte in der Essener Philharmonie ein mindestens ebenso bekannter Star unter den Countertenören für den ursprünglich angekündigten Franco Fagioli übernommen. Aber der erwies sich eher als Gleicher unter mindestens Ebenbürtigen. Mit seiner dunkel getönten androgynen Stimme berührte er vor allem mit der weichen, lang gehaltenen Legato, einer Linie, die von innen heraus zu leuchten schien.

Ein elegantes und farbenreiches Feuerwerk

In barocker Bravour stahlen Kathryn Lewek als Königin Angelica aber auch Nuria Rial als Dorinda mit ihren glänzend fokussierten „Instrumenten“, prägnanten Läufen und Sprüngen, Orlando dem wütenden Ritter, fast die Schau. Leweks üppiger Sopran zeigte sich selbst in den Spitzentönen noch biegsam und warm, waghalsige Sprünge meisterte die Amerikanerin mit zirzensischer Leichtigkeit, um gleich darauf wieder beseeltes Piano zu verströmen.

Kenntnisreich ging das Spezialensemble „Il Pomo d’Oro“ unter Francesco Corti (am Cembalo) an Händels Partitur. Die 20 Musikerinnen und Musiker, hörbar Solisten ihres Faches, zündeten ein elegantes wie farbenreiches Feuerwerk. Holzbläser oder Bratschen erweisen sich als Feinzeichner der Gefühle im „Zwiegespräch“ mit den Solisten. Die Theorben brachten satte Schattierungen in den Continuo-Apparat. Mit Delphine Galou in der Hosenrolle als Medoro und dem Bariton John Chest als agiler Zauberer Zoroastro rundete sich dieser Abend in der Alte-Musik-Reihe des Hauses zu einem bejubelten Ensembleereignis.

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