Regional-Krimis

Erfmeyer, Juretzka, Minck – Krimis aus Ruhrgebiet und NRW

NRW ist Krimi-Land: die besten Regio-Krimis.

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NRW ist Krimi-Land: die besten Regio-Krimis. Foto: Archiv/dpa

NRW.  Der Urlaub naht und damit die Frage: Welche Bücher dürfen mit? Vielleicht ein Krimi aus der Region? Die besten Tipps für NRW-Krimis.

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NRW ist ein Krimi-Land. Das könnte man meinen, wenn man sich im Bücherladen mal genauer umschaut. Von blutigen Thrillern aus Dortmund über Historien-Krimis aus Oberhausen bis "Krimödien" aus Bochum ist alles dabei.

Der Regio-Krimi boomt. Wir haben die besten Bücher mit viel Lokalkolorit aus Sauerland, Ruhrgebiet, Niederrhein und Rheinland zusammengesucht. Haben wir einen Thriller-Autoren oder eine Autorin vergessen? Welche Bücher lassen den Leser im "kriminellen Moloch" der Region versinken? Lassen Sie es uns wissen und schicken Sie ihren Krimi-Tipp mit dem Betreff Krimis und einer kurzen Beschreibung an: k.figge@waz.de.

Krimis aus Bochum, Dortmund, Düsseldorf und Essen: 
Bochum:

Lotte Minck heißt eigentlich Brenda Stumpf und ist in Recklinghausen geboren. Ihre Ermittlerin Loretta Luchs ist ein wenig ungewöhnlich: Die Schnodder-Schnute aus dem Ruhrpott arbeitet bei einer Sex-Hotline – stolpert aber immer wieder über Leichen und räumt in Bochum knallhart auf.

Li Burgard lebt und schreibt in Bochum. Im wahren Leben heißt die Autorin Renate Litschko-Burgard. Ihr Pseudonym Li Burgard nutzt sie für Krimis – unter dem Namen Franziska Abendroth schreibt sie Liebes- und Historienromane. Die Bücher erscheinen im Selbstverlag als Kindle-Version.

Lucie Flebbe hat mit dem Ruhrgebiet eigentlich nichts am Hut. Sie lebt im niedersächsischen Bad Pyrmont – und dennoch: Ihre bislang sechs Krimis spielen in Bochum. Als ihre Heldin Lila Ziegler auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Vater spontan in Bochum aus dem Zug stieg (so beginnt der Debüt-Roman), nahm die Geschichte ihren Lauf. Denn genauso kam ihr die Idee, die Bücher hier spielen zu lassen: Beim Pendeln per Zug nach Aachen fuhr sie oft durch Bochum. "Bochum ist mir als typische Ruhrgebietsstadt im Auge geblieben. Und als ich ausgestiegen bin, passte es einfach", sagte sie in einem Interview.

Reinhard Bottländer aus Bochum hat zwar auch viele Kinder- und Jugendbücher geschrieben – aber andere seiner Romane sind für kleine Leser eher ungeeignet: Es sind Krimis. Im Gegensatz zu anderen seiner Zunft lässt Bottländer die Spielorte aber nicht offen, sondern benennt klar Städte und markante Punkte, vor allem in Bochum.

Dortmund:

Klaus Erfmeyer schreibt nicht nur Romane, sondern auch Fachliteratur: Der Dortmunder ist promovierter Jurist und arbeitet als Rechtsanwalt in Dortmund. Kein Wunder also, dass sein Protagonist aus der Branche kommt: In seinen bislang acht Krimis ermittelt der Dortmunder Rechtsanwalt Stephan Knobel.

Gabriella Wollenhaupt ist nicht nur WDR-Redakteurin – sie ist auch Vielschreiberin. 2014 ist schon die 24. Folge ihrer Grappa-Romane erschienen. Die Dortmunderin lässt Polizeireporterin Maria Grappa in Bierstadt ermitteln. Dortmund also. Was sonst? Die Anspielungen an Menschen und Stadt sind unverkennbar.

Christina Füssmann war Gerichtsreporterin bei der Westfälischen Rundschau. Nebenbei schrieb die Journalistin auch drei Krimis, die alle drei in Dortmund spielen. In "Mörderspur" geht es sogar um einen Fall, der Dortmund den 80ern tatsächlich gab. Die Autorin starb 2013.

Thomas Schweres ist eigentlich freier Journalist für RTL. In seinen bisher zwei Krimis "Die Abtaucher" und "Die Abräumer" ermittelt – wer sonst? – der Boulevard-Reporter Tom Balzack in Dortmund. Eine weitere Parallele zum Autoren ist der zuständige Kripobeamte Georg Schüppe: Er arbeitet als S04-Fan in der "verbotenen Stadt".

Norbert Horst arbeitet eigentlich als Polizist in Bielefeld. Aber für zwei seiner Krimis ("Splitter im Auge" und „Mädchenware“) begibt er sich nach Dortmund und lässt dort Kripobeamten Thomas Adam ermitteln. Seine anderen Krimis haben keinen bestimmten Tegionalbezug.

Anne-Kathrin Koppetsch stammt aus dem Sauerland und lebt seit einigen Jahren in Dortmund, wo sie als Pfarrerin arbeitet. Ihre 60er-Jahre-Trilogie "Kohlenstaub", "Linienstraße" und "Tod im Stahlwerk" behandelt unter anderem den Septemberstreik bei Hoesch im Jahr 1969. Daneben hat sich auch andere Bücher geschrieben.

Phillip Kordes stammt aus Winterberg-Züschen und lebt nach einem Zwischen in Dortmund in Iserlohn. Neben seinem Job als Lehrer hat der Hobby-Schriftsteller auch zig Kurzgeschichten und einige Kriminalromane geschrieben. "Maske de Schweigens" und "Zeit der Sühne" spielen in Dortmund – "Mord in acht Tagen" und "Windvögel" führen den Ermittler quer durchs Sauerland.

Düsseldorf:

Sabine Klewe ist Vielschreiberin. Sie ist in mehreren Genres unterwegs: In Düsseldorf lässt sie in fünf Romanen die junge Fotografin Katrin Sandmann ermitteln. Auch andere Protagonisten kommen zum Zug, und ein historischer Thriller aus Düsseldorf ist auch dabei. Unter dem Pseudonym "Sabine Martin" schreiben Sabine Klewe und Martin Konrad gemeinsam Historienromane, die aber nicht in Düsseldorf spielen. Der größte Erfolg gelang allerdings unter dem Namen Karen Sander: Bisher ermitteln Kommissar Georg Stadler und Psychologin Liz Montario in zwei Fällen irgendwo im Rheinland.

Horst Eckert gehört zu den Vertretern von Krimis "härteter Gangart". Unter anderem schickt er Kripobeamten Vincent Veih in Düsseldorf auf Ermittlungstour. Bisher sind in dieser Reihe "Schwarzlicht" und "Schattenboxer" erschienen. Aber auch andere seiner vielen Krimis spielen in der Landeshauptstadt.

Essen:

Daniel Raifura aus Essen-Borbeck ist nicht nur Sozialarbeiter – er mordet auch für sein Leben gern. Zumindest auf dem Papier. In seinem dritten Thriller "Seelenstille" (2012) ließ er sein Mordopfer auf dem Dach der NRZ-Redaktion an der Friedrichstraße sterben. Direkt über dem Büro des Chefredakteurs. In seinen vier Essen-Romanen schreibt Raifura die Geschichte einiger Figuren weiter, die im Debütroman "...und nachts kommen die Schatten" (eine starke Geschichte über sexuellen Missbrauch von Kindern) schon im Mittelpunkt standen. Wer auch in "Blutsee" und "Seelenstille" nicht starb, durfte sich im vierten Band "Trauriger Engel" weiterentwickeln. Oder spätestens dann sterben. Danach erschien noch ein Thriller, der in Venedig spielt.

Krimis aus Gelsenkirchen, Herne, Mülheim und Oberhausen: 
Gelsenkirchen:

Margit Kruse packt jede Menge Gelsenkirchener Lokalkolorit in ihre Bücher. Mit „Hochzeitsglocken“ veröffentlichte die Hobbyautorin Mitte 2014 ihren dritten Ruhrgebiets-Krimi und lässt Freizeit-Detektivin Margareta Sommerfeld im Heiratsschwindler-Mileu ermitteln. Im Juli 2015 erscheint mit "Wer mordet schon im Hochsauerland?" ein krimineller Reiseführer mit Ausflugstipps, verpackt in Kurz-Krimis.

Alexander Pentek hat schon sieben Ruhrgebietskrimis geschrieben. Die meisten davon spielen in Gelsenkirchen – mit sehr viel Lokalbezug. Und mit Kriminalität kennt sich der junge Gelsenkirchener aus: Er hat an der Ruhr-Uni Bochum Jura studiert.

Hattingen / Herne:

Jan Zweyer stammt eigentlich aus Frankfurt, lebt aber schon lange im Ruhrgebiet. Dortmund, Gelsenkirchen, Olpe, Essen – er hat schon viele Wohnorte durch. Inzwischen ist er in Herne sesshaft geworden. Neben seiner Goldstein-Trilogie über einen Polizisten im Ruhrgebiet (20er bis 50er Jahre) hat er diverse Krimis geschrieben. Nicht alle davon spielen im Revier, einige auch auf der Nordseeinsel Juist. Das neueste Projekt ist eine Mittelalter-Trilogie: "Das Haus der grauen Mönche“ hat seinen Ausgangspunkt in Hattingen.

Mülheim:

Jörg Juretzka hat nicht umsonst schon mehrfach den Deutschen Krimipreis gewonnen: Seine Ruhrgebiets-Krimis aus Mülheim sind einfach großartig. Sein Held ist, naja, ein bisschen durchgeknallt: Privatdetektiv Kristof Kryszinski hat seine ganz eigenen Methoden (in Sachen Ermittlungen und Leben im Allgemeinen). Im elften Band macht er seine Detektei sogar dicht und übernimmt eine Bar im schäbigen Mülheim-Eppinghofen.

Oberhausen:

Peter Kersken taucht in seinen Krimis tief ins Ruhrgebiet ab. Seine bisher vier Romane sind allesamt historisch – sie spielen 1766, 1866, 1912 und 1966 in Oberhausen. Besonders reizvoll: Wer alle vier Bücher liest bekommt ein besseres Gefühl für die Geschichte der Region als er sie je haben könnte. Und das auf sehr unterhaltsame Art.

Markus Bötefür stammt aus Oberhausen – und da spielen auch seine bisher drei Krimis. Seine Kommissarin Thi Fischer ist im Friedensdorf aufgewachsen und stammt eigentlich aus Vietnam. Im Gegensatz zu ihren meist männlichen Ermittler-Kollegen kommt sie erfrischend leicht und selbstironisch rüber. Bötefürs neuer Ermittler nach Kommissarin Fischer ist Waldemar Wickelbrett. Sein unappetitlicher erster Fall: Menschenfleisch in Currywurst.

Krimis aus den Regionen Hellweg, Sauerland, Niederrhein und Eifel: 
Hellweg:

Das Krimi-Festival "Mord am Hellweg" ist ein Klassiker – und die größte Krimi-Veranstaltung in ganz Europa. Jedes Jahr im Herbst gibt es in der gesamtem Hellweg-Region (Schwerpunkt in Unna) Lesungen von großen Namen und unbekannten Krimiautoren, Workshops, Kurzkrimi-Wettbewerbe und viel Blut und Totschlag. Jedes Jahr erscheint auch ein Sammelband zum Festival. In der Anthologie schreiben renommierte Autoren wie Jussi Adler-Olsen genauso wie der unbekannte Nachwuchs. Wer im Urlaub besonders viele Krimis schaffen will, dem seien diese Kurzgeschichten wärmstens empfohlen. Allerdings haben nicht alle davon Regionalbezug.

Sauerland:

Kathrin Heinrichs aus Menden hat sich schon vor Jahren als Kabarettistin und Heimatautorin etabliert. Ihre Krimis spielen zwar explizit im Sauerland – aber an unbestimmtem Ort. Ortskundige erkennen die Bezüge an ihre Mendener Heimat (vor allem im ersten Buch) allerdings sofort. Und selbst wenn nicht: Der Menschenschlag ist einmalig. Außerdem: Wo soll der Ex-Kölner Lehrer Vincent Jakob sonst ermitteln, wenn ein Buch "Sau tot" oder "Der König geht tot" heißt? Das kann doch nur bei Jägern und Schützen sein.

Michael Gantenberg und Oliver Welter haben bisher schon drei Fälle für Kommissarin Inka Luhmann zu Papier gebracht: "Tief steht die Sonne", "Kalt geht der Wind" und "Lang sind die Schatten" spielen mitten im Sauerland. Und natürlich wird Nachwuchs-Ermittlerin Luhmann dabei von Schützen und Jägern kritisch beäugt.

Phillip Kordes stammt aus Winterberg-Züschen und lebt nach einem Zwischen in Dortmund in Iserlohn. Neben seinem Job als Lehrer hat der Hobby-Schriftsteller auch zig Kurzgeschichten und einige Kriminalromane geschrieben. "Maske de Schweigens" und "Zeit der Sühne" spielen in Dortmund – "Mord in acht Tagen" und "Windvögel" führen den Ermittler quer durchs Sauerland.

Niederrhein:

Niemand kennt den Niederrhein besser als Erwin Kohl: Er wurde im kleinen Örtchen Alpen geboren. Dort spielt auch der erste Roman. Kohl lässt gleich eine ganze Familie ermitteln: Kommissar Grimm von der Kripo Wesel steht kurz vor der Pensionierung – und seine Mutter Gertrud Grimm übernimmt. Deshalb laufen zwei Bände auch gleich unter "Mutter Grimm".

Eifel:

Die bekanntesten Vertreter leichter NRW-Literatur sind die Eifelkrimis. Die haben's sogar bis ins Fernsehen geschafft! Die Eifel liegt zwar nur zur knappen Hälfte in NRW, aber wir sind mal nicht so. Erfolgreichster Eifel-Autor ist der Journalist Michael Preute alias Jacques Berndorf. Der gebürtige Duisburger lebt heute in der Eifel und prägt das Genre "Provinz-Krimi" seit 1989. Er lässt Reporter Siggi Baumeister ermitteln. Inzwischen gibt es schon 30 Berndorf-Bücher. Übrigens: Sein Pseudonym ist zugleich der Ort, in dem er lebt. Berndorf liegt in Rheinland-Pfalz – zwei Kilometer von der Grenze zu NRW entfernt.

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