„Tatort“-Kino

Eine ganz besonders lange Schimanski-Filmnacht in Duisburg

In der Schimanski-Folge „Blutsbrüder“ spielt auch der junge Christoph Waltz (r.) an der Seite von Götz George mit. Waltz ist inzwischen ein gefragter Hollywood-Star.  

In der Schimanski-Folge „Blutsbrüder“ spielt auch der junge Christoph Waltz (r.) an der Seite von Götz George mit. Waltz ist inzwischen ein gefragter Hollywood-Star.  

Foto: Filmforum

Duisburg.   Wegen Problemen bei der Anreise traf „Schimanski“-Erfinder Hajo Gies mit Verspätung in Duisburg an. Spannende Story für Filmnacht-Besucher.

Dass die dritte Auflage der „Langen Schimanski-Nacht“ im Filmforum am Dellplatz viel länger als geplant dauerte, lag an der Deutschen Bahn. Eigentlich sollte Tatort-Regisseur und Schimmi-Erfinder Hajo Gies vor dem Start des Erstlingswerks „Duisburg-Ruhrort“ (danach lief noch die Folge „Blutsbrüder“ aus dem Jahr 1997) mit Filmforum- Chef Kai Gottlob über die erfolgreiche Tatort-Serie plaudern. Das Gespräch musste allerdings nach hinten verschoben werden.

Zwei Stunden Zwangspause im Zug

„Hajo Gies ist fix und fertig“, entschuldigte Gottlob den Grimme- Preisträger. Gies hatte bei seiner Anreise aus Hamburg am Samstag ein Horror-Bahnerlebnis. Das begann damit, dass sein reservierter Platz nicht zur Verfügung stand. Der Filmemacher, der noch an den Folgen eines Bandscheibenvorfalls leidet, musste sich somit von Hamburg bis Dortmund mit einem Stehplatz begnügen. Es kam noch dicker: Der Zug blieb aufgrund eines Unfalls zwei Stunden auf der Strecke stehen. Klar, dass der renommierte Regisseur total geschafft in Duisburg ankam. So hieß es ohne das geplante Vorgespräch erstmal „Film ab“.

Auch nach vielen Jahren ist die von Götz George verkörperte Filmfigur „Schimanski“ immer noch Kult. „Die Karten waren innerhalb kurzer Zeit vergriffen“, verriet Gottlob, der ergänzte: „Zu den Filmnächten reisen Schimmi-Fans aus dem ganzen Bundesgebiet an, darunter sind auch viele jüngere.“

Für die Filmnacht extra aus Aachen angereist

Auch der Aachener Harald Sondermann (48) hatte die Startfolge „Duisburg-Ruhrort“ erst später als Wiederholung gesehen: „Götz George hat den Schimanski authentisch gespielt, das war ein echter Ruhrgebiets-Typ.“ Das sah auch Sascha Samp (40) so, der wie sein Aachener Freund im „Schimmi-Outfit“ erschienen war: „Die Rolle interpretierte George unglaublich stark, das passte einfach in die Zeit.“

Mit „Duisburg-Ruhrort“ wurde die erste Folge gezeigt, in der Götz George als Horst Schimanski und Eberhard Feik als Christian Thanner gemeinsam ermittelten. „Wir wollten zu Beginn der 80er Jahre einen ganz neuen Kommissar-Typ entwickeln“, beschrieb Hajo Gies die damaligen Überlegungen, denn „bis dahin waren die Kommissar-Rollen im Fernsehen eher bieder angelegt“. Gies wollte einen Typ in der TV-Krimilandschaft etablieren, der ähnlich wie Jean-Paul Belmondo agierte. „Mit der Figur Schimanski stellten wir den Ermittler ganz bewusst in den Vordergrund und nicht den Täter, wie es bis dahin üblich war“, erklärte Gies.

Feik als Thanner war der ruhige Kontrapunkt

Dass man mit der neuen Tatort-Reihe polarisieren würde, war den Machern schon klar: „Die konservative Presse ging auf die Barrikaden, etliche Lokalpolitiker lehnten uns total ab.“ Aber das war wohl zu erwarten, wenn auch nicht mit dieser Heftigkeit, wie Gies feststellte: „Aber wir haben den Tatort ja nicht für die Bild-Zeitung gemacht.“

Für Werner Kopka, der mit 16 seinen ersten Tatort gesehen hat, sind die Schimanski- „Tatorte“ auch Zeitdokumente: „Die zeigen das Leben in Ruhrort, wie es damals war.“ Katharina Bernicke gefiel, dass Götz George die „Schimmi“- Figur „einfach frech und unangepasst“ spielte: „Und Feik als Thanner war als ruhiger Kontrapunkt genauso ideal.“

>>>HAJO GIES IST DER SCHIMANSKI-ERFINDER

Hajo Gies studierte zusammen mit Wim Wenders ab 1968 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. In den
70er Jahren machte er sich als Regisseur von Fernsehfilmen, darunter auch zahlreiche Tatort-Folgen, einen Namen.

Gies gilt als Erfinder der Kult-Figur Horst Schimanski, für die er Götz George gewinnen konnte. Für die Folge „Moltke“ erhielt Hajo Gies im Jahr 1989 den Adolf-Grimme-Preis.

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