Literatur

Ein Thriller von Volker Klüpfel und Michael Kobr: „Draußen“

Wandeln auf neuen Pfaden: Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Wandeln auf neuen Pfaden: Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Foto: Hans Scherhaufer / Handout

Essen.  Sechs Millionen Exemplare haben Volker Klüpfel und Michael Kobr von ihren Allgäu-Krimis verkauft. Ihr neues Buch aber ist so gar nicht lustig.

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Kempten hat jetzt einen brandneuen Kluftinger-Escape-Room, dies als Trost für alle Fans, und auch die Allgäu-Bustour auf den Spuren des berühmten Ermittlers wird es in diesem Sommer geben. Nur eben nichts Neues vom knurrigsten aller Kommissare, denn seine Schöpfer haben sich nach zehn Bänden mit einer Auflage von sechs Millionen auf ganz neue Pfade begeben (erstmal jedenfalls): Volker Klüpfel (48) und Michael Kobr (46) legen mit „Draußen“ ihren ersten Thriller vor. Mit Britta Heidemann sprachen die beiden über Grenzüberschreitungen, das Überleben in der Wildnis und „Fridays for Future“.

Was hat Sie motiviert, Ihrem Kluftinger den Rücken zu kehren?

Volker Klüpfel: Der Wunsch, etwas Neues auszuprobieren. Wir haben zwischendurch ein Buch geschrieben, das rein auf Humor setzte: „In der ersten Reihe sieht man Meer“ über Urlaub in den 80ern. Jetzt wollten wir mal etwas schreiben, was nur spannend ist und nicht lustig.

Sie sind aber bislang doch gut damit gefahren, lustig zu sein.

Michael Kobr: Einer unserer Facebook-Fans hat es gut auf den Punkt gebracht und geschrieben, „Man kann ja nicht jeden Tag Kässpatzn essen“. Wobei grundsätzlich gegen dieses Gericht nichts zu sagen ist.

Klüpfel: Wir werden sicher weiter Bücher mit Humor schreiben. Der Kluftinger ist unsere Home-Base.

Volker Klüpfel: „Wir machen jetzt da weiter, wo wir beim Kluftinger sonst ausblenden“

Also haben Sie nicht das Ende der Regio-Krimis eingeläutet?

Klüpfel: Wir würden niemals sagen, dass wir Regio-Krimis schreiben. Wir schreiben Krimis, die eben im Allgäu verortet sind.

Ach so? Aber immerhin gibt es da bereits Kluftinger-Touren für die Touristen.

Kobr: Aber die haben wir nicht zu verantworten! Und es gibt ja auch in Ystad Touren zu den Schauplätzen von Henning Mankells Wallander. Trotzdem würde niemand sagen, dass er Regio-Krimis schreibt.

Die Krimis schreiben Sie abwechselnd, haben Sie das beibehalten?

Klüpfel: Ja, wir haben gemeinsam den Plot erstellt, dann die Recherche-Arbeit aufgeteilt. Wir wussten natürlich nicht, ob wir gleich einen gemeinsamen Ton finden. Aber auch das ging ganz flott.

Ihr erster Thriller ist stellenweise so brutal wie traurig. Das kommt schon überraschend.

Klüpfel: Wir machen jetzt da weiter, wo wir beim Kluftinger sonst ausblenden. Wir beschreiben Kämpfe, die auf Leben und Tod gehen. Das gehört zum Genre.

Kobr: Das war ein gewisser Reiz, die Grenze zu überschreiten, die jenseits von FSK 0 liegt.

Apropos FSK: Würden Sie Ihre Kinder dieses Buch lesen lassen?

Kobr: Meine sind zehn und zwölf… naja.

Klüpfel: Wenn es ein Film wäre, wäre er ab 16.

Im Buch geht es ums Überleben jenseits der Zivilisation. Viele Klima-Pessimisten glauben, dass uns dies bald bevorsteht.

Klüpfel: Wir gehören nicht zu den Pessimisten, aber wir sehen, dass immer mehr Menschen mindestens einen Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems für absolut real halten. Und damit einhergehend den Zusammenbruch des politischen Systems.

Kobr: Wenn man schaut, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns zivilisatorisch bewegen, etwa in unserer Abhängigkeit vom Strom, dann muss man schon mal kurz schlucken.

Michael Kobr: „Unter jungen Leuten gibt es einen Diskurs, der Hoffnung macht“

Haben Ihre Recherchen für Sie persönlich etwas verändert?

Klüpfel: Nein, wir sind ja beratungsresistent. Natürlich müssten wir uns jetzt so einen Mindest-Vorrat im Keller anlegen, wie es ja ein ehemaliger Innenminister schon mal vorgeschlagen hat. Bei uns wäre das aber wohl eher Schokolade, um der Kinder willen, anstatt Bohnen und Trockenfrüchte.

Sie haben gerade die Strom-Industrie angesprochen, sowohl die als auch die Politik kommt nicht gut weg bei Ihnen.

Kobr: Da muss man nach Negativ-Beispielen nicht lange suchen.

Sind Sie etwa schon auf der verdrossenen Seite?

Kobr: Nein, gar nicht. Sehr viel ist gerade im Wandel. Vor zehn, fünfzehn Jahren konnte man sich noch gar nicht vorstellen, dass man in so einer liberalen Gesellschaft lebt. Natürlich ist erschreckend, was sich am rechten Rand tut. Da muss man wachsam sein. Aber gerade unter jungen Leuten gibt es einen Diskurs über Ökologie oder Toleranz, der Hoffnung macht.

Was halten Sie von Fridays for Future?

Kobr: Es ist wichtig, dass die Gesellschaft in dieser Beziehung mal wieder wachgeküsst wird. Unsere Generation hat diese Themen sehr aus den Augen verloren.

Volker Klüpfel: „Nach dem Training können wir fünf Stunden alleine im Wald überleben!“

Ist es richtig, dafür die Schule sausen zu lassen?

Kobr: Das ist für mich als Lehrer natürlich schwierig. Aber wenn die Schüler freitagnachmittags demonstriert hätten, hätten wir nicht diese Diskussion, die wir jetzt haben.

Bislang waren Ihre Bühnenshows sehr kurzweilig und lustig – wie sieht das Konzept für eine Thriller-Show aus?

Klüpfel: Wir werden schon auf die Art unterhalten, die die Menschen von uns gewohnt sind, auch wenn es zwischendurch ernst und spannend wird. Wir bauen auf der Bühne eine Überlebens-Station auf – und wir zeigen Filme von unserem Outdoor-Training.

Sie haben selbst ein Training mitgemacht? Dann sind Sie ja doch vorbereitet.

Kobr: Ja, genau. Wir können jetzt Feuer machen.

Klüpfel: Und mindestens fünf Stunden lang allein im Wald überleben!

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