Klassik

Ein Essener erfand NRWs ältestes Kammermusik-Festival

Florian Meyer-Langenfeld ist seit fast 50 Jahren künstlerischer Leiter des Kammermusik-Festivals Liesborn. Lange war er zugleich Cellist der Essener Philharmoniker.

Florian Meyer-Langenfeld ist seit fast 50 Jahren künstlerischer Leiter des Kammermusik-Festivals Liesborn. Lange war er zugleich Cellist der Essener Philharmoniker.

Foto: Kai Kitschenberg

Essen.  Es begann quasi als „Treppenwitz“, heute ist das Kammermusik-Festival Liesborn eine Institution. Der Essener Florian Meyer-Langenfeld erfand sie.

Auf Nachfragen seiner Gäste, die vorher in Los Angeles musizierten und es bald danach in London tun, ist Florian Meyer-Langenfeld schon gefasst. „Lisboa?“ fragen sie, weil sie „Lissabon“ verstehen. Der freundliche Impresario korrigiert sanft: „No, it’s Liesborn. Liesborn!“

Wie sollen Weltreisende wissen, was selbst wir kaum vom Hörensagen kennen?

Liesborn ist klein, keine 4000 Menschen, einst barocke Abtresidenz, ansonsten von ostwestfälischer Ruhe. Einmal im Jahr aber wird es durch einen umtriebigen und noch begeisterungsfähigeren Essener Philharmoniker a. D. kräftig von der Muse geküsst.

Die Liebe währt bald 50 Jahre. Der reine Zufall – man kann das kaum erfinden – machte den Cellisten zum Festspiel-Chef. Dass die Liesborner Museumskonzerte heuer zum 48. Mal stattfinden, hat ein Bäcker zu verantworten. Florian Meyer-Langenfeld: „Ich spielte damals beim Kammerorchester Tibor Vargas. Nach einem Konzert in Detmold sprach mich ein Herr an, ein Bäcker, und sagte: Bei uns in der Abtei müsst Ihr mal spielen, da is’ ne wunderschöne Treppe!“ Verrückte Ideen brauchen einen Übermütigen, der sie in die Tat umsetzt. Das war Meyer-Langenfeld. Silvester 1970 spielte tatsächlich ein Trio im Treppenhaus. Das Klavier war alt („und dann auch noch geliehen“). Und doch merkten alle: Das hier ist ein guter Ort für Musik. Er blieb es.

Der Essener Florian Meyer-Langenfeld „erfand“ NRWs ältestes Kammermusik-Festival

„Die familiäre Atmosphäre“ nennt Florian Meyer-Langenfeld ein zentrales Kapital seines Kammermusikfestivals, zu dem Menschen heute von weither anreisen. Längst hat man einen eigenen feinen Bösendorfer als Flügel. Es gibt einen Freundeskreis, es gibt Sponsoren. Die Festspiele sind zuverlässig ausverkauft. Der Etat ist knapp, aber auch für die Großen ist es etwas Besonderes, hier zu sein: Also kommen sie – ohne zu feilschen.

Florian Meyer-Langenfeld, angesichts seiner Vitalität kaum glaubliche 81, hat als Philharmoniker alle großen Sinfonien gespielt, ungezählte Opern – und doch: „Kammermusik ist für mich das Größte“. Sein Ehrgeiz, dafür die Besten zu haben, ist Programm: 2019 kommt das Artemis-Quartett, es spielten in Liesborn schon das Borodin- und das Juilliard-String-Quartett, Anatol Ugorski, Frank Peter Zimmermann, Lars Vogt, Nils Mönkemeyer...

Aber die sechs musikgeladenen Wochenenden im Mai und Juni sollen auch ein Sprungbrett sein. Langenfelds guter Draht zu „Jugend musiziert“ bittet jährlich die Besten zum „Liesborner Debüt“. Dass es Nachwuchs im Zeichen Mozarts, Beethovens, Schuberts gibt, freut Meyer-Langenfeld ganz besonders. Er erfand das älteste Kammermusikfestival NRWs – es jung zu halten, ist ihm eine Herzensangelegenheit.

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INFOS ZUM FESTIVAL

Das 48. Kammermusik-Festival findet vom 11. Mai bis 16. Juni im Museum Abtei Liesborn statt. Adresse: Abteiring 8, 59329 Wadersloh-Liesborn.


Zu den Gästen gehören in diesem Jahr die Pianistin Lise de la Salle, das Artemis Quartett und die Geigerin Liv Migdal. Info: www.abteikonzerte.de

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