Jubiläum für den Gasometer

Die nächste Gasometer-Schau in Oberhausen kommt gewiss

Jeanette Schmitz, Chefin des Gasometer in Oberhausen.

Jeanette Schmitz, Chefin des Gasometer in Oberhausen.

Foto: STEFAN AREND

Oberhausen.  Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz über die dickste Tonne des Reviers, die seit 25 Jahren eine Ausstellungshalle ist. Ab Herbst wird sie saniert.

Erst im Mai konnte der Oberhausener Gasometer seinen 90. Geburtstag als Industrie-Bauwerk feiern, am kommenden Montag wird Europas höchste Ausstellungshalle 25 Jahre alt: Am 22. Juli 1994 wurde mit der legendären Ruhrgebiets-Ausstellung „Feuer und Flamme“ der Grundstein zu einer ungeahnten Erfolgsgeschichte gelegt. Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz sprach mit Jens Dirksen über den Bau, der auch Europas schwierigste Kunsthalle sein dürfte.

Als der Gasometer 1994 zum Ausstellungsort wurde, gab es die Bedingung, dass er die Stadt Oberhausen nichts kosten dürfe. War das nicht eine schwere Bremse?

Jeanette Schmitz: Im Gegenteil, ich bin froh, dass wir nicht vom städtischen Haushalt abhängig sind!

Aber dafür müssen Sie die Finanzierung jedesmal neu auf die Beine stellen. Nicht einfach.

Echt schwierig war das bei der Ausstellung „Der Ball ist rund“ im Jahr 2000, die sollte fünf Millionen D-Mark kosten. Da saßen wir aber irgendwann mit Michael Meier, dem Manager von Borussia Dortmund, und mit Rudi Assauer von Schalke zusammen, wir suchten Sponsoren. „Mädchen“, hat Rudi Assauer in seiner typischen Art zu mir gesagt, „das musst du ganz anders machen: Ein Benefizturnier mit den großen Vereinen von Duisburg bis Dortmund!“ Ende Januar 2000 ging das über die Bühne, und wir hatten unser Geld! Assauer hat uns gerettet…

Suchen sie jedes Mal Sponsoren?

Wir suchen uns Kooperationspartner, und inzwischen ist es so, dass wir mit den Einnahmen der laufenden Ausstellung die nächste finanzieren. Deshalb brauchen wir auch die großen Ausstellungen mit den großen Zuschauerzahlen. Sie sind das, was den Gasometer einzigartig macht, sein Alleinstellungsmerkmal. Konzerte, Lesungen und andere kleinere Veranstaltungen können für uns nur ein Rahmenprogramm sein.

Ich erinnere mich an eine verhallte „Danton“-Variation des einstigen Theaterchefs Johannes Lepper.

Ja, er hat aber auch einen „Peer Gynt“ mit schreienden Männern aus Finnland inszeniert, sehr beeindruckend. Genau wie Becketts „Endspiel“ von Klaus Weise, mit den Schauspielern im gläsernen Aufzug.

Der Hall ist ja nicht das einzige Handicap des riesigen Raums – selbst im Winter hat man das Gefühl, dass es drinnen kälter ist als draußen.

Das hängt mit den Stahlwänden zusammen und der Dunkelheit. Deshalb haben wir uns ja bis 2001 auch nicht getraut, im Winter zu öffnen. Aber jetzt wissen die Besucher, wie kalt es hier im Winter ist. Und die Dimensionen sind in der Tat gigantisch. Auch wir mussten uns im Laufe der Jahre an den Raum erst einmal herantasten.

Was war die verrückteste Ausstellung?

Die jetzige, mit dem kopfüber hängenden Matterhorn, das war die schrägste Idee überhaupt bislang. Und eine extreme Herausforderung, der Berg wurde ja komplett im Gasometer angefertigt. Wir hatten zwei Wochen für den Aufbau eingeplant – und nach sechs Wochen musste ich alle Beteiligten daran erinnern, dass die Ausstellung 2018 öffnen sollte und nicht ein Jahr später.

Und Christo?

Ja, das „Big Air Package“, der Ballon mit seinem weißen Raum, das war eine geradezu überirdische Erfahrung.

Aber die smartiebunten Ölfässer kamen 1999 gegen das große Fass drumherum nicht an, schien mir damals. Macht Christo denn noch eine dritte Ausstellung im Gasometer?

Das halte ich für so gut wie ausgeschlossen, er ist im fortgeschrittenen Alter und hat noch andere Projekte. Es war schon ein Glücksfall, dass er zwei Mal bei uns war.

Jetzt muss der Gasometer ab dem Herbst saniert werden. Aber 2002 hat der Gasometer doch schon einmal einen neuen Anstrich erhalten, oder?

Ja, damals wurde er wassergestrahlt, das ging recht zügig. Aber jetzt hat die Stahlwand, die eigentlich 5 Millimeter dick ist, an einigen Stellen nur noch 2,5 Millimeter. Wir müssen es also mit einem anderen Verfahren als mit Wasserstrahl versuchen – oder einen anderen Schichtaufbau hinbekommen, der allerdings auch denkmalgerecht zu sein hat.

Wie lange soll der neue Anstrich dann halten?

Wir denken an die nächsten 25 Jahre.

Und wie lange wird die Restaurierung dauern?

Mindestens ein Jahr, sagen die Experten.

Wann sehen wir denn dann die nächste Ausstellung im Gasometer?

Wir planen derzeit mit Ostern 2021.

Und? Gibt es schon ein Thema?

Kein Kommentar.

Komisches Thema.

(lacht) Nein, es gibt eines. Es war eine Idee des im Januar verstorbenen Peter Pachnicke, dessen Kreativität und Tatendrang wir sehr viel zu verdanken haben. Es ist sozusagen sein Vermächtnis.

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