Eklat um Nelly-Sachs-Preis

Der Preis ist beschädigt

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Selbst wenn sie den Literatur-Nobelpreis verdient hätte: Ausgerechnet den Nelly-Sachs-Preis, der an eine von den Nazis verfolgte, vom Holocaust traumatisierte Jüdin erinnert, wird man unmöglich an Kamila Shamsie verleihen können. Preisträger müssen nicht nur preiswürdige, preisenswerte Leistungen vollbracht haben, also in diesem Fall hochliterarische, wahrhaftige, emanzipatorische und problembewusste Romane. Preisträger müssen auch als Person integer sein – und ihre Haltung, ihr politisches Handeln sollte nicht im Widerspruch zum Geist eines Preises stehen.

Man stelle sich nur vor: Eine Preisübergabe am 8. Dezember mit Gegendemonstrationen vor dem Rathaus? Mit Zwischenrufen im Saal? Die Jury zum Nelly-Sachs-Preis sollte sich schnell eines Besseren besinnen, bevor die auserkorene Preisträgerin von sich aus ablehnt. Es ist keine Schande, die Verleihung eines Literaturpreises aus guten Gründen einmal auszusetzen. Selbst beim Nobelpreis hat es das ja schon gegeben.

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