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Der neue „Thor 3“ pendelt zwischen Selbstironie und Sitcom

Vom Coiffeur gestutzt, vom Schicksal gefordert: Chris Hemsworth als Thor.

Foto: Walt Disney

Vom Coiffeur gestutzt, vom Schicksal gefordert: Chris Hemsworth als Thor. Foto: Walt Disney

ESSEN.   Es bröselt der göttliche Hammer: Für Taika Waititis neuen Film „Thor: Tag des Vergessens“ war der Marvel-Comic-Held nicht nur beim Frisör.

Es gab eine Zeit, da trug unser mythischer Marvel-Comic-Held Thor auf der Leinwand noch einen prächtigen langen Haarschopf. Eine Zeit auch, in der sich der Sohn des Odin aus dem Götterreich Asgard bedenkenlos auf seinen magischen Hammer Mjölnir verlassen konnte, sollte die Lage mal wirklich ernst werden.

All das kann man nun angesichts des dritten Films „Thor: Tag der Entscheidung“ getrost vergessen. Zum einen, weil Thor (Chris Hemsworth) sich offenbar zum Friseur begeben hat. Zum anderen, weil seine bisher verborgen gebliebene Schwester, die Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) ihm als Zeichen ihrer Macht den Hammer mal eben im Vorbeigehen zerbröselt hat. Und wirklich ernst wird es hier eigentlich auch nie, weil das Drehbuch eher in Richtung Sitcom tendiert denn in Richtung Spannung.

Thor übt sich in Smalltalk

Dem neuseeländischen Regisseur Taika Waititi („5 Zimmer, Küche, Sarg“) kann das nur recht sein, denn der entstammt der Comedy-Szene seines Landes, hat selbst auf der Bühne gestanden und war auch schon als Schauspieler aktiv. Wohin die Reise bei ihm geht, zeigt bereits das erste Bild. Da hockt ein in dicke Ketten gelegter Thor gut gelaunt dem Feuerdämon Surtur gegenüber, übt sich in Smalltalk, bis er seinem heißen Gesprächspartner kurzerhand und wie auch immer die Hörner entwendet.

Angeblich, so hat unser Held geträumt, könne dadurch der drohende Untergang Asgards verhindert werden. Wie das geschehen soll, wird ihm schon bald klar, als er ersten Kontakt mit seiner zerstörungswütigen Schwester hat, die von Odin über Jahrtausende gefangen gehalten wurde. Mit dem Hirschgeweih auf dem Kopf und schwarz gekleidet wirkt Cate Blanchett in dieser Rolle zwar wie eine Mischung aus Jägermeister und Domina, darf als Hela jedoch enorme Kräfte aufweisen.

Viele Schauplätze einer eher kruden Geschichte

Waititis Film will unterhalten um jeden Preis, sucht ständig neue Schauplätze und vergisst dabei ein wenig das Erzählen einer stringenten Geschichte. Dabei gibt es zweifellos schöne Elemente, wie beispielsweise den Besuch Thors bei seinem Vater Odin, den der umtriebige Bruder Loki (Tom Hiddleston) in ein New Yorker Altenheim abgeschoben hat und der sich dort offenbar sehr wohlfühlt.

Oder Thors ungeplanter Abstecher auf den farbenfrohen Müllplaneten Sakaar, der von einem Narziss namens Grandmaster (Jeff Goldblum) regiert wird, der das Volk weniger mit Brot denn mit Spielen satt macht. Dort soll Thor in der Arena kämpfen, wo ihm als Gegner ausgerechnet der monströse Hulk (Mark Ruffalo) vorgesetzt wird. Die Manie bei Marvel-Produktionen, immer auch andere Figuren aus diesem „Cinematic Universe“ zu präsentieren, mag hier noch Berechtigung haben, der Kurzbesuch bei Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) jedoch entbehrt jeder Notwendigkeit.

Tragik kaum noch zu fassen

Inzwischen ist man als Zuschauer derart massiv mit selbstironischer Flachserei zugekleistert worden, dass Tragik kaum noch fußfassen will. Dabei geht es gerade zum Ende hin dramatisch zu, wird schließlich ein ganzes Volk vertrieben, was den Zuschauer jedoch emotional kaum noch erreicht.

Und selbst mit der Figur der unbarmherzigen Hela, immerhin die erste weibliche Antagonistin in einem Marvel-Film, hätte man sorgfältiger umgehen können. In einer zweifachen Oscar-Gewinnerin sollte mehr Potenzial vorhanden sein, als sie hier zeigen darf. So bleibt am Ende eine Gaudi, die nicht wirklich satt machen kann.

Filmstart bereits am Montag!

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