Doppel-Album

„Christmas Present“: Robbie Williams im Geiste der Weihnacht

Bestimmt kein Onkel Scrooge: Robbie Williams geizt auf „Christmas Present“ keineswegs mit Songs.

Bestimmt kein Onkel Scrooge: Robbie Williams geizt auf „Christmas Present“ keineswegs mit Songs.

Foto: 2019 Robert Williams / Farrell Music Limited / Handout

Essen.  Das erste Album zum Fest aus dem Hause Robbie Williams: Routinierte Swing-Standards treffen sensationellen Weihnachtspop - und Helene Fischer.

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Robbie Williams steht ja bei vielen besonders ungezogenen Christkindern weiblichen Geschlechts noch immer weit oben auf dem Wunschzettel – am liebsten mit einem Schleifchen verziert direkt unterm Christbaum räkelnd. Aber heutzutage ist ja nicht mal mehr Weihnachten ein Wunschkonzert. Und so müssen sie vorliebnehmen mit einer ganz anderen Art von Weihnachtsgeschenk, nämlich mit Robbies „Christmas Present“, einem CD-Doppelpaket. Einer der Silberlinge ist allerdings ein heißer Kandidat für den nachfeiertäglichen Umtauschmarathon.

Die Idee ist ja bestechend einfach: Eine der Scheiben heißt „Christmas Past“ und liefert die guten, althergebrachten Songs. Die andere „Christmas Future“ – was dann im Dreiklang „Present, Past & Future“ eine hübsche Anspielung auf Dickens Geister der „vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht“ ist… Raffiniert erdacht, wie es sich für einen internationalen Entertainmentprofi gehört.

„Christmas Past“ mit betulichem Weihnachts-Bigband-Swing

Aber wie so oft: Das beste Konzept scheitert, wenn man es allen recht machen möchte. Wer die „Christmas Past“ einlegt, fühlt sich sehr schnell von betulichem Weihnachts-Bigband-Swing eingelullt, bei dem weder Robbies gesangliche Qualitäten festlichen Glanz entfalten noch die Arrangements hervorstechen.

„Winter Wonderland“ oder „Let It Snow!“ rieseln so harmlos vorbei, dass wohl selbst der selige Frank Sinatra auf seiner Wolke im Himmel dazu gähnen würde. Am frischesten erscheint noch die Coverversion von Slades „Merry XMas Everybody“, was dem talentierten Duett-Partner Jamie Cullum zu verdanken ist.

Der unterkühlte Rauschgoldengel

Der unterkühlte Rauschgold­engel des deutschsprachigen Festtagsschlagers, Helene Fischer, darf ihre Vorstellung von Sinnlichkeit zu Gehör bringen: „Santa Baby“, das man schon hinreißend von Eartha Kitt, Kylie Minogue und Ariana Grande gehört hat, kommt technisch perfekt, aber blutleer daher. Da macht Santa noch im Schornstein schnurstracks wieder kehrt.

Nun die frohe Botschaft: „Christmas Future“ ist ein vollwertiges Robbie-Williams-Album – nur mit festlichem Anstrich. Und während man sich erst noch fragte, wo Robbie eigentlich seinen Mut, seinen Pepp und seine Lausbubenader gelassen hat, weiß man schlagartig: Hier ist alles wieder da! Rock („Christmas (Baby Please Come Home)“ mit Bryan Adams), ein bisschen Folk („Fairytales“ mit Rod Stewart), großer Streicher-Pop („Darkest Night“) und Boygroup-Schmalzigkeit („Home“).

Bei „Idlewild“ klingt Robbie Williams wieder wie er selbst

Der mitreißendste Song heißt „Idlewild“ und man hätte ihn auch Ed Sheeran oder den Oasis-Brüdern unterschieben können. Das Beste: Hier klingt Robbie wieder wie er selbst. Bei manch anderem Song gar zu sehr, in „New Years Day“ vernimmt man den Widerhall von „Advertising Space“.

Für einen besinnlichen Weihnachtsabend im Kreise der Familie eignen sich die meisten der Songs nicht, „Happy Birthday Jesus Christ“ wäre eher etwas für die glühweinverschleierte Schlittschuhdisco – oder für eine ausufernde Büroweihnachtsfeier, bei der der Farbkopierer heiß läuft. Aber was hätte man anderes von Robbie Williams erwartet?

Besser wäre das Doppelalbum nur geworden, wenn man die erste CD gleich an Bedürftige gespendet hätte. Denn weniger ist manchmal mehr. Gerade zu Weihnachten.

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