Neue Konzert-CDs

Blues-Highlights aus dem Hamburger Szenelokal „Onkel Pö“

James Booker Konzert im „Onkel Pö“ ist jetzt als Mitschnitt erhältlich.

James Booker Konzert im „Onkel Pö“ ist jetzt als Mitschnitt erhältlich.

Foto: Getty

Essen.   Das Hamburger „Onkel Pö“ war Schauplatz vieler interessanter Konzerte. Nun gibt’s neue Blues-CDs von James Brooker und Louisiana Red.

Das „Onkel Pö“ hat in Deutschland fürwahr Musikgeschichte geschrieben. Udo Lindenberg verewigte das Hamburger Szenelokal sogar in seinem Klassiker „Alles klar auf der Andrea Doria“ mit einem sicherlich augenzwinkernd-provokanten Vers („Bei Onkel Pö spielt ne Rentnerband seit zwanzig Jahren Dixieland...“) Alles andere wäre auch ungerecht gewesen. Denn „Onkel Pös Carnegie Hall“ am Lehmweg war keineswegs ein reiner New-Orleans-Jazz-Treff, sondern gerade Mitte der 1970er-Jahre der Schauplatz aufsehenerregender Konzerte.

Al Jarreau und Helen Schneider machten mit ihren Gastspielen im „Onkel Pö“ in Deutschland erstmals im großen Stil auf sich aufmerksam, Jazz-Großmeister Dizzy Gillespie spielte dort genauso auf wie Pat Metheny.

Zwei One-Man-Shows

Und in Bälde sind die Konzert-Mitschnitte zweier außergewöhnlicher Bluesmusiker zu haben, die im „Onkel Pö“ die Bühne enterten: des berühmt-berüchtigten Outlaw-Pianisten James Booker und des Blues-Archaikers Louisiana Red.

Der Mann aus Alabama bietet bei seiner One-Man-Show Blues eher für Hartgesottene (Louisiana Red At Onkel Pös Carnegie Hall, Jazzline/Vertrieb Good To Go, erscheint am 7. März). Ganz reduziert auf Louisiana Reds raue Stimme, auf sein Mundharmonikaspiel und die stoische Gitarrenbegleitung war dieses Konzert im Jahr 1977. Das hat seine Kanten und kleinen Spielfehlerchen, aber es kommt auch höchst intensiv rüber. Und beweist, dass der Blues für manchen Musiker vor allem die düstere Seite der Medaille zeigen sollte.

James Bookers Konzertmitschnitt hinterlässt einen etwas lebensfroheren Eindruck (James Booker At Onkel Pös Carnegie Hall, Vol.1, Jazzline/Vertrieb: Good To Go, erscheint am 28. Februar). Der Pianist mit der Augenklappe galt ja wegen seiner vielen Drogengeschichten eher als Skandalnudel, als er am 27. Oktober 1976 im „Onkel Pö „vorspielte.

Neues Leben für „My Bonnie“

Doch zumindest der nun erscheinende erste Teil des Gigs präsentiert einen souveränen, hochkonzentrierten und offenkundig gut gelaunten Künstler, der das fröhliche Boogiehandwerk („Roberta“) genauso beherrscht wie swingend Luftiges vom Schlage eines Songs wie „All By Myself“. Und sogar einem schon damals reichlich ausgelutschten Gassenhauer wie „My Bonnie“ versteht er neues Leben einzuhauchen.

Bookers Spiel ist tief verwurzelt im „sumpfigen“ New Orleans-Stil, seine rechte Hand spielt so flirrende wie filigrane Figuren. Und sein Gesang hat sooooo viel Seele. Man lausche nur der Inbrunst, mit der er „Please Send Me Someone To Love“ anstimmt.

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