Bretagne-Krimi

Bannalec bringt bei Kommissar Dupin jetzt Maigret ins Spiel

Bretonisches Vermächtnis

Bretonisches Vermächtnis

Foto: Handout

Essen.  Jean-Luc Bannalec schickt Kommissar Dupin in den Fall Nr. 8: „Bretonisches Vermächtnis“ bringt den alten „Maigret und der gelbe Hund“ ins Spiel.

In seinem achten Fall für seinen Commissaire Dupin kann sich Jean-Luc Bannalec noch einmal steigern und einen doppelten Boden einziehen: Der Fall erinnert fatal an den 6. Band von Georges Simenons „Maigret“-Reihe, in der sein Serienheld im Fall von diversen Gewaltverbrechen an einer Honoratiorenrunde im Cafe „L’Amiral“ in der bretonischen Kleinstadt Concarneau ermittelt. Dupin ist bekanntlich aus Paris hierher strafversetzt worden und hat an der Bretagne und ihren Einwohnern von Fall zu Fall immer mehr Gefallen gefunden, während Maigret regelmäßig von seiner Abneigung gegen die Provinz und die kriminellen Neigungen ihrer Honoratioren zu fortgesetzter Bereicherung geschüttelt wird.

Weinhändler, Arzt, Apotheker...

Ansonsten aber geht es hier wie dort Weinhändlern, Ärzten und Apothekern an den Kragen. Wobei Dupin es gleich mit einem Toten zu tun bekommt, der aus der Dachgeschosswohnung über dem „L’Amiral“ aufs Pflaster stürzte. Oder gestürzt wurde?

Im Laufe der Ermittlungen wird sich herausstellen, dass besagter steinreicher Docteur Chaboseau seine Finger in diversen Wirtschaftsbranchen hatte, die Gewinne versprechen. Das aber erhöht die ohnehin schon ansehnliche Zahl von Verdächtigen in diesem Fall, dessen Lösung etwas weniger absehbar daherkommt als in den Vorgängern. Bannalec treibt indes einmal mehr das Spiel mit Unwahrscheinlichkeiten – „es gab alles“, lautet die Rechtfertigung des Romans, „man konnte, eine der Lieblingsweisheiten seiner Frau Claire, Flöhe und Läuse haben“.

Dupin wird sich mehr denn je als ein Nachfahre von Mai­gret herausstellen, weil auch bei ihm die Versuchung da ist, für Gerechtigkeit auch jenseits der juristischen Rechtsordnung zu sorgen – zur Not auch bis an den Rand der Rechtsbeugung und der Sympathie für Täter. Zugleich verlegt er sich einmal mehr mit Wonne auf komische Szenen und skurrile Episoden, die schon dadurch gesichert sind, dass sich zu den blauen Wundern dieses Pfingstwochenendes auch noch Dupins Schwiegereltern gesellen, die sich zu einem Besuch angesagt haben. Noch ausführlicher sind diesmal die Schwärmereien über das Licht und die Farben, das Essen und die Landschaft der Bretagne ausgemalt. Ohnehin hat es spätestens seit dem zweiten Dupin-Band schon eine gewisse Tradition, dass die wiederholte Verbeugung vor den Eigenheiten der Region nicht etwa schmückendes Beiwerk ist, sondern Kernbestandteil der Dupin-Krimis, ohne den sie nicht halb so erfolgreich wären.

Regionale Verdienstorden

Die Loblieder auf Land und Leute haben dem pseudonymen Autor bereits den Titel eines „Mécène de Bretagne“ eingebracht, und man wird gespannt sein dürfen, ob den mittlerweile diversen regionalen Verdienstorden für Jörg Bong auch noch weitere, womöglich literarische Auszeichnungen folgen werden. Schließlich wird sich der ehemalige Leiter der Fischer-Verlagsgruppe nicht Ende Mai nur von seinem Chefposten zurückgezogen haben, um zu lesen...

Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Vermächtnis. Kommissar Dupins achter Fall. Kiepenheuer & Witsch, 311 S.,16 €.

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