BALLETT-DREITEILER

„b.39“: Die nächste Generation macht Dampf an der Rheinoper

Tanzabend „b.39“ in Düsseldorf: Martin Schläpfers „44 Duos“.

Tanzabend „b.39“ in Düsseldorf: Martin Schläpfers „44 Duos“.

Foto: Gert Weigelt

Düsseldorf.   Bei „b.39“ in Düsseldorfs Rheinoper mit „Atmosphères“, „44 Duos“ und „Dances with Piano“ sind die Schüler den Altmeistern auf den Fersen.

Die nächste Generation macht Dampf. Den Altmeistern und solchen, die bald dazu gehören, sind ihre einstigen Schülern auf den Fersen. Zu beobachten in der Tanz-Szene, unter Choreographen, genauer: beim neuen Ballett-Dreiteiler ‚b.39’ in Düsseldorfs Rheinoper.

Der einst wie eine Kultfigur verehrte Martin Schläpfer wurde in der Publikumsgunst überrundet von einem seiner ehemaligen Tänzer: Martin Chaix (38), bis 2015 beim Rhein-Ballett, hat in Europas und Japans Tanzszenen bereits einen klangvollen Namen. Seine neue Kreation „Atmosphères“ – darin ziehen pralles Leben, Abschied, Tod und Neubeginn in geisterhaften Tableaus vorüber – wurde nach der Premiere so bejubelt wie Schläpfer in seinen besten Zeiten. Flau indes fiel der Applaus für den Meister aus: mit 44 Miniaturen zu Bartóks „44 Duos“ (für zwei Violinen) überspannte Schläpfer den Bogen der Aufmerksamkeit.

Häppchen lassen kaum einen roten Faden erkennen

44 Miniszenen, jeweils von einer, maximal zwei Minute(n), lässt Schläpfer pausenlos in 60 Minuten vorüberziehen. Zu den teilweise folkloristischen Kompositionen, die Bartók als Übungsstücke anlegte – zu reinen Fingerübungen (romantisch gespielt von den Geigern Dragos Manza und Catherine Ribes), die auf einem Konzertpodium kaum vorstellbar sind. So kommen auch die von dem brillant trainierten Ballettensemble getanzten Häppchen über die Rampe, die kaum einen roten Faden erkennen lassen und durch die große Zahl ermüden.

Eine Art Leitmotiv bieten nur die originellen Kostüme von Hélène Vergnes: eine bizarre Mischung aus Haute Couture und Trachten, Alpen-Janker und Lederhosen, Ballkleider und schicke Anzüge in Rot inklusive. Darin tummelt sich eine schrille Society, die sich wiegt, biegt, flirtet und manchmal, nachdem eine Ballerina den Spitzenschuh in den Boden gerammt hat, davoneilt. Lediglich ein Trio (Marlucia do Amaral, So-Yeon Kim und Sonny Locsin) übt sich in unregelmäßigen Abständen in heiteren, überspitzten Pas-de-trois-Formationen. Man möchte wissen, was sich aus zahlreichen Begegnungen ergibt. Doch die zersplitterte Choreographie verweigert das, bietet eine optische Praliné nach der anderen. Nach kurzer Zeit schon hat man sich daran aber sattgesehen.

Tanz im Schein der Neonröhre

Athletisch kraftvoll indes beginnt Martin Chaix die erste „Atmosphère“: Paare und Einzelfiguren irren durch eine (Unter-)Welt, in der nur eine Neonröhre Licht spendet. Zu Pendereckis ‚Intermezzo‘ verkeilen und verkanten sich die Gestalten in Hebefiguren. Eine rothaarige Frau in Weiß und ein düsterer Mann schälen sich heraus: Sie taumelt, krümmt sich, sucht bei ihm Halt. Zu Beethovens ‚Pathétique‘-Adagio schwinden langsam ihre Kräfte. Und so wird ihre Leidens-Geschichte bis zur finalen Grablegung erzählt – vor dem Foto „Fallen Angel“ (Bühne: Martin Chaix), das seine schwebende Choreographie in ein Geheimnis hüllt.

Der Dreiteiler wird, wie häufig bei Schläpfer-Abenden, von einem Opus des Altmeisters Hans van Manen (86) eingeleitet. Seine „Dances with Piano“ (zu Bach, Villa-Lobos und Mompou) führen mit leichtem Schmunzeln drei Paare und ihre emotionalen Achterbahnfahrten vor. Es sind Gleitflüge von hingetupften Variationen, die besonders virtuos und geschmeidig durch das junge Paar Orazio Di Bella und Sonia Dvorák präsentiert werden.

Weitere Termine: 16., 22., 26., 30. April; 2., 5., 10. Mai. Karten: 0211/ 8925 211

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