Oper

Axel Kober dirigiert Wagners „Ring“ an der Wiener Staatsoper

Axel Kober im Opernhaus Düsseldorf.

Axel Kober im Opernhaus Düsseldorf.

Foto: Fabian Strauch

Düsseldorf.   Wagner ist eine Säule seiner Arbeit. Axel Kober, musikalischer Chef der Rheinoper, dirigiert jetzt den „Ring des Nibelungen“ an Wiens Staatsoper.

Seit zehn Jahren bestimmt Axel Kober als Generalmusikdirektor die musikalischen Geschicke der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg. Die Werke Wagners sind eine Säule in der Karriere des Dirigenten. Für den kompletten „Ring des Nibelungen“ steht an der Rheinoper am Pult, ab 8. Januar allerdings auch in einem der bedeutendsten Opernhäuser der Welt: Wiens Staatsoper. Pedro Obiera sprach mit Axel Kober über die Herausforderung „Ring“, über Wien und Bayreuth.

Für Wagner in Wien haben Sie sich nicht zuletzt durch Bayreuth empfohlen, wo sie bereits 2013 mit dem „Tannhäuser“ debütierten. Was bedeutet Bayreuth für Sie?

Axel Kober: Etwas ganz Besonderes. Ich bin ja in Kronach geboren und hatte als echter Oberfranke diese Festspiele immer vor Augen. Natürlich bieten sie einzigartige Bedingungen. Etwa den typischen Werkstatt-Charakter, dass also Sänger und Orchester mehrere Wochen an einem Ort zusammen arbeiten. Und akustisch ist es fantastisch mit dem Riesenvorteil, dass das verdeckte Orchester eine ideale Klangbalance zwischen Orchester und Sänger ermöglicht.

Ihr „Ring des Nibelungen“ an der Wiener Staatsoper steht nun bevor, quasi probenfrei. Wie begegnen Sie diesem Problem?

Kober: Ich kann dort schon mit den Sängern proben, auch Klavierproben und szenische Proben sind angesetzt, halt nur keine Orchesterproben. Aber das ist typisch in dem Geschäft und das bin ich von vielen Häusern gewohnt.

Axel Kober hat mit „Hänsel und Gretel“ in Wien debütiert, nun kommt Wagners „Ring“

Wie ist es zu dieser so besonders ehrenvollen Aufgabe gekommen?

Kober: In Wien habe ich 2016 mit „Hänsel und Gretel“ debütiert und hatte zu den Wiener Philharmonikern gleich einen guten Draht. Und der „Hänsel“ ist ja nicht so weit entfernt von Wagner. Somit traute man mir auch den „Ring“ zu.

Welche persönliche Einstellung haben Sie zu Richard Wagner?

Kober: Seine Musik wirkt schon wie eine Droge, keine Frage. Aber ich bin unheimlich froh, dass ich nicht nur auf dieses Repertoire fixiert bin. Gerade an der Rheinoper habe ich die Möglichkeit, das gesamte Repertoire zu dirigieren. Und nach der „Götterdämmerung“ eine „Zauberflöte“ dirigieren zu können, das ist Balsam für meine Seele.

Warum polarisiert Wagner als Komponist so extrem?

Kober: Gerade, weil er die Extreme bedient. Seine Musik ist extrem emotional, die Werke haben extreme Ausdehnungen und bedeuten eine extreme Anstrengung für alle Beteiligten. Damit entwickeln sie Kräfte, denen man sich nur schwer entziehen kann.

An der Rheinoper liebt Kober die Abwechslung: Heute „Götterdämmerung“, morgen „Zauberflöte“

Gibt es für dieses durchweg Extreme nicht eventuell auch ideologische Gründe?

Kober: Das ist ein schwieriges Thema, gerade in Bayreuth. Es ist vieles ganz schrecklich, was in einigen Jahrzehnten der Festspiele geschrieben und ausgelebt wurde. Aber für mich wichtiger ist die Tatsache, dass es Wagner, ungeachtet seiner antisemitischen Tendenzen, immer um die Kunst ging.

An Werkkenntnis und Praxis fehlt es Ihnen in Sachen „Ring“ nicht. Gibt es dennoch Stellen, die Ihnen Bauchschmerzen bereiten?

Kober: Immer wieder. Immer wieder andere, immer wieder neue. Es ist eine Partitur mit unendlichen Geheimnissen und Möglichkeiten, und ich hoffe, dass ich nie aufhören werde, mehr und noch mehr Interessantes zu entdecken. Ich sehe mich da auf einem langen Weg.

Welche Sänger-Rolle im „Ring“ wäre Ihnen die liebste?

Kober: Schwierige Frage: Beim „Ring“ wahrscheinlich die Erda. Der Wotan würde mich emotional zerreißen, und die Gipfelpartie des Siegfried zu singen, würde ich mir nie zutrauen. Erda ist eine wundervolle Partie. Sie liegt immer in der Sahne-Lage und ihr gehört die Bühne, sobald sie auftritt.

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