Krimi

Autor Friedrich Ani beschreibt die „Ermordung des Glücks“

Erfolgsautor: Friedrich Ani (58), hier bei einer Lesung in Köln.

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Erfolgsautor: Friedrich Ani (58), hier bei einer Lesung in Köln. Foto: dpa

Essen.   Ein neuer Krimi von Friedrich Ani: Im zweiten Fall des Ermittlers Jakob Franck erlebt der Leser einen Schiffbruch im Meer der Trostlosigkeit.

Mit fast dreißig Romanen, die meist im heimatlichen München spielen, hat sich Friedrich Ani den Ruf als führender deutscher Krimi-Autor erschrieben.

In einem guten Dutzend davon geht Tabor Süden, „Kommissar für die, die weg sind“, unterschiedlichen „Vermissungen“ nach. Dass es also nicht, oder nur ganz selten, um einen Mordfall geht, war der geniale Dreh, der Anis frühe Krimis unverwechselbar machte. Südens Ermittlung richtet sich ganz auf die vermisste Person und ihr Umfeld, und stößt bei der Suche nach den Gründen ihres Verschwindens auf vielfältige Formen individueller Not und zwischenmenschlichen Versagens. Öfters kann er die Fälle klären, hin und wieder sogar Trost spenden.

Neue Serien mit eigenwilligen Ermittlern

Doch vielleicht wurde Ani seines Kommissars schneller überdrüssig als seine Leser. Jedenfalls hat er mehrfach versucht, neue Serien mit eigenwilligen Ermittlern zu installieren, was aber bisher nicht richtig gelungen ist. Mag sein, dass sich dies jetzt ändert.

Jakob Franck ist Kriminalkommissar im Ruhestand. Das erlaubt ihm allerhand Eigenwilligkeiten, die bei den aktiven Kollegen gleich zur Abmahnung führen würden. Dass er so wie früher noch Todesnachrichten überbringt – denn hier geht es nun doch um ungeklärte Mordfälle – akzeptieren wir mal als dichterische Freiheit.

Flut von Trostlosigkeit und Wahnbildern

Der elfjährige Lennard, das ganze Glück seiner Eltern und ein Fußballnarr obendrein, wird an einem stürmischen Abend vermisst, erst nach einem Monat findet man seine Leiche. Nun bricht die Welt der Eltern Stück für Stück zusammen, die Mutter ertrinkt in einer Flut von Trostlosigkeit und Wahnbildern, bei ihrem Bruder bricht lang verdrängte Schuld auf, Lennards Vater lässt sich zur „Rache“ an einem – unschuldig – Verdächtigten hinreißen. Ein Strudel von Verzweiflung, Aggression und Gewalt droht alle zu verschlingen.

Auch Franck selbst ist fast schon verzweifelt, hält aber verbissen an seiner Ermittlung fest. Ein übersehenes Indiz verhilft ihm ganz zum Schluss noch zur Aufklärung. Aber die öffnet wiederum nur den Blick auf die Willkür des Zufalls und auf neues Elend der Betroffenen. Selten war ein Buch von Ani so düster und hoffnungslos. Das rechtfertigt dann auf seltsame Art sogar den Titel, der zunächst pathetisch oder kitschig klingt.

Ein Meer des Leidens

In seinem vorigen Roman – „Nackter Mann, der brennt“ – hatte Ani die aufgestaute Wut eines lebenslangen Opfers in Gewaltszenen umgesetzt, die schwer zu ertragen waren. Jetzt navigiert er durch ein Meer des Leidens und der Untröstlichkeit. Leichte Lektüre ist auch das nicht.

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks. Ein Fall für Jakob Franck. Suhrkamp Verlag, 317 S., 20 €

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