Wald

Wie geht es dem Wald?

Förster Christoph Beemelmans in einem Waldstück bei Xanten.

Förster Christoph Beemelmans in einem Waldstück bei Xanten.

Foto: Fabian Strauch

Heute ist Tag des Waldes. Wenn der Wald reden könnte, würde er von gestressten Fichten erzählen und über Borkenkäfer schimpfen.

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Heute ist der internationale Tag des Waldes. Zeit also, sich einmal draußen umzuschauen. Wie geht es dem Wald eigentlich? Wir haben Förster Christoph Beemelmans besucht und nachgefragt.

Der Weg in den Wald bei Xanten ist extrem matschig. Die Gummistiefel des Revierleiters schmatzen bei jedem Schritt im Schlamm. Aber die feuchte Erde auf den Pfaden täuscht: Der Waldboden ist zu trocken. Immer noch. Vier heiße, regenarme Monate im vergangen Sommer haben Spuren hinterlassen. „Ich bin seit 24 Jahren Revierleiter, wir kennen hier Stürme, Brände, Borkenkäfer, aber so eine Trockenheitswelle wie 2018 habe ich noch nicht erlebt“, staunt der Förster.

Der Wassermangel stresst den Wald, besonders die Fichten. Denn die Fichte ist ein Flachwurzler: Ihre Wurzeln breiten sich nur in der schnell ausgedörrten, oberen Bodenschicht aus.

Geschwächt und müde

„Wenn der Wald hier reden könnte, würde er sagen, mir geht es gar nicht gut. Ich bin geschwächt und müde“, sagt Christoph Beemelmans. Das sieht man den Fichten an. Ihre Baumkronen sind ausgedünnt. An den meisten Ästen hängen nur braune Nadeln oder gar keine mehr. Dafür gibt es viele kleine Löcher in der Rinde. Hier haben Borkenkäfer ihre Eier hineingelegt. Borkenkäfer ist übrigens ein Familienname. Zu dieser Insektenfamilie zählen der Buchdrucker und der Kupferstecher. Beide werden von Duftstoffen angelockt, wenn es einer Fichte schlecht geht. Man kann sie auch Leichenbestatter nennen, sagt der Förster.

Solange in einem Wald nur wenige Bäume von Borkenkäfern betroffen sind, ist diese Einrichtung der Natur kein Problem. Die Fichte ist aber ein prima Bauholzlieferant und wird in ganz Deutschland auf breiter Fläche angebaut. Und wo viele Fichten geschwächt sind, feiern Kupferstecher und Buchdrucker ein Fest. Sie vermehren sich blitzschnell und greifen immer mehr Bäume an. In diesem Jahr wird bundesweit eine regelrechte Plage befürchtet.

Die Fichten bei Xanten sind jedenfalls nicht mehr zu retten, sagt Christoph Beemelmans. Deshalb wird nachgepflanzt. Nicht nur Fichten, sondern auch Douglasie, Küstentanne, Buche und Eiche. Damit ein Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen entsteht, der extremes Wetter wie Trockenheit und Stürme besser verkraftet. Klimastabil heißt das in der Sprache der Förster. Am Nadelbaum Douglasie beißen sich zum Beispiel Borkenkäfer die Zähne aus.

Verantwortungsvoller sein

So verändert sich die Waldlandschaft. Das hat sie schon immer getan. Vor 1000 Jahren war an dieser Stelle bei Xanten Urwald, bis Äcker bestellt und Siedlungen gebaut wurden. Vor 200 Jahren wurde damit begonnen, dem Wald nicht nur Bäume zu entnehmen, sondern auch aufzuforsten. Dabei wurde früher viel Wert auf schnell wachsendes Holz gelegt. Dass nun immer mehr auf eine naturnahe Entwicklung geachtet wird, findet der Revierleiter gut. „Wenn der Wald könnte, würde er uns zurufen ‚Geht verantwortungsvoller mit unserem Lebensraum um‘“, sagt Christoph Beemelmans, „Wir müssen doch das Beste für den Wald tun und das Wissen, das wir heute haben, einsetzen, um die Gefahren durch das Klima zu mindern.“

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