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Ein Bienenleben beginnt

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Eine Jungbiene schlüpft.

Eine Jungbiene schlüpft.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Bienenforscherin Pia Aumeier erklärt, wie aus einer gefräßigen Larve ein fertiges Insekt wird.

Früher fand Pia Aumeier Bienen fies. „Wir haben als Kinder in Knallerbsen-Büschen gespielt und die Bienen haben dort Pollen und Nektar gesammelt. Ich habe jedes Jahr Stiche bekommen, ein furchtbares Gejucke.“ Später hat sie Biologie studiert und die Faszination der Bienenwelt hat sie nicht mehr losgelassen. Inzwischen teilt die bekannte Bienenforscherin ihr Wissen und bildet Imker aus.

Das geht gerade nur online. Beim letzten Live-Seminar haben sich 420 Bienenhalter und solche, die es werden wollen, zugeschaltet. Sobald es die Corona-Regeln zulassen, lernen die Neu-Imker vor Ort weiter. Die Kinderseite durfte bei den Bienen in Bochum schon mal vorbeischauen.

Als Profi verzichtet Pia Aumeier schon seit Jahren auf die traditionelle Imkerbekleidung. Sie weiß: „In der Regel passiert nichts.“ Trotzdem macht sie bei jedem Bienenbesuch erst einmal den Smoker an. Durch den Rauch aus der kleinen Büchse sind die Insekten abgelenkt. Sie denken „Vorsicht, Waldbrand!“ und futtern sich den Honigmagen voll, um fluchtbereit zu sein. Außerdem sagt die Expertin: „Es gehört sich einfach, sich anzumelden, sonst kommen alle raus und gucken, was los ist, und dann zerquetscht man sie, wenn man die Beute wieder zumacht.“

Magazinbeuten nennt man die aufeinander gestapelten Holzkisten, die am Waldrand stehen. Die einzelnen Kisten heißen Zargen, die Holzrahmen darin Waben.

Pia Aumeier zeigt, was hier im Frühjahr los ist: „Ha, alles voller Eier!“ ruft sie, als sie eine Wabe herauszieht. Tatsächlich liegen in den kleinen Zellen weiße Mini-Eier. Wegen ihrer länglichen Form werden sie Stifte genannt. In jeder Beute lebt eine Bienenkönigin, die den ganzen Tag nichts anderes macht, als Eier zu legen.

Nach drei Tagen schlüpft aus dem Ei eine Larve, die versorgt werden will. Die Pflege übernehmen die Ammenbienen. Von ihnen bekommen die Larven Futtersaft. Und zwar rund um die Uhr, sechs Tage lang! „Alle zehn Minuten kommt die nächste Ammenbiene und spukt den Futtersaft in die Zelle, am Ende der sechs Tage ist die Larve dick und fett und füllt die Zelle aus. Dann ziehen die Bienen einen Wachsdeckel darüber“, beschreibt Pia Aumeier. In ihrer Zelle verpuppt sich die Larve mehrfach. Sie streift also ihre Larvenhaut ab. Nochmal zwölf Tage später ist wie bei einem Schmetterling aus einem Ei ein fertiges Insekt geworden.

Bienen lieben es warm

Diese beeindruckende Verwandlung geschieht von nun an Zelle an Zelle, Wabe an Wabe, Zigtausende Mal am Tag. Die Bienen, die jetzt schlüpfen, heißen Sommerbienen. Wenn sie den Wachsdeckel durchbrechen und den Kopf aus ihrer Zelle strecken, sieht das superniedlich aus. „Damit kannst du vom Kindergartenkind bis zum 80-Jährigen jeden begeistern“, sagt die Imkerin und schließt die Beute wieder vorsichtig. Denn draußen herrschen frische elf Grad und die Bienen lieben es muckelig warm.

Nächsten Monat kommt Pia Aumeier wieder. Dann sind so viele Bienen geschlüpft, dass es Zeit wird, die Beuten aufzustocken. Und dann dürfen hoffentlich auch die Neu-Imker dabei sein, um vom Profi zu lernen.

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