Tiere

Benjamin, Sophie und Miriam retten Hühner

Sophie, Benjamin und Miriam kümmern sich um acht Hühner.

Sophie, Benjamin und Miriam kümmern sich um acht Hühner.

Foto: Olaf Fuhrmann

Der Verein „Rettet das Huhn“ vermittelt Hennen aus Massentierhaltung. In einem Mülheimer Garten finden einige Tiere ein schönes Zuhause.

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Hühner futtern gerne gesund. Als die fünfjährige Miriam einen Salatkopf zum weißrotblauen Hühnerhaus bringt, kommen sie aus allen Ecken des Gartens geflitzt: Acht Hennen zupfen mit spitzem Schnabel immer wieder Blättchen ab. Besonders Brauni ist ein kleiner Nimmersatt. Kein Wunder: Als sie im September in dem Mülheimer Garten ankam, war sie halb verhungert. Die Familie von Miriam und ihren Geschwistern Benjamin und Sophie nimmt Tiere auf, die der Verein „Rettet das Huhn“ vermittelt. Es sind Legehennen aus Massentierhaltungen.

Jeden Tag ein bisschen Ostern

Angefangen hat es mit Zottel und Zausel. Das sind lustige Namen für einen traurigen Anblick: „Zottel und Zausel waren ganz gerupft und hatten dreckige Füße, als sie hier ankamen“, erinnert sich Sophie.

Hennen aus Massentierhaltung leben oft auf sehr engem Raum. Sie haben keinen Platz, herumzulaufen und zu scharren, wie es ihrer Natur entspricht. Die erzwungene Nähe stresst die Tiere, sie streiten ums Futter und rupfen sich gegenseitig die Federn aus. Nach anderthalb Jahren legen sie immer weniger Eier. Dann werden sie geschlachtet.

Bei Zottel und Zausel war das anders. „Als die beiden das erste Mal Gras unter den Füßen hatten, haben sie es neugierig ausprobiert und gemerkt, dass es schmeckt“, beschreibt Sophie. Inzwischen wissen die Kinder: „Die essen Gras, Kräuter, Insekten, und Früchte, am liebsten Weintrauben“, zählt Benjamin auf.

Fühlen sich die Hühner erst einmal Zuhause, sind sie zutraulich, aufmerksam und dankbar. Manche haben es schnell raus, abends mit der Dämmerung in den Stall zu gehen. Andere sind von der neuen Freiheit so begeistert, dass die anfangs auch mal auf Bäumen schlafen. Gepflegt werden die Tiere von Sophie, Benjamin und Miriam. Auch für das Einsammeln der Eier sind sie verantwortlich. Die finden sie allerdings nicht nur im Legenest. Die Hennen legen ihre Eier auch schon mal im Gebüsch oder im Lichtschacht ab. Das ist dann jeden Tag ein bisschen wie Ostern.

Ausreichend Auslauf

Zottel und Zausel gibt es nicht mehr. Hühner aus Massentierhaltung sind geschwächt und werden nur etwa zweieinhalb Jahre alt. Die Tiere nach so kurzer Zeit wieder zu verlieren sei traurig, sagen Benjamin und Sophie. Weil sie aber sehen, wie gut es Brauni, Idefix, Trixie, Wally, Romy, Mara, Ida und Diana bei ihnen geht, wird weitergerettet.

Der Verein „Rettet das Huhn“ übernimmt Legehennen aus Massentierhaltungen, bevor sie zum Schlachthof kommen. „Sie sind dann ja noch jung“, sagt Nicole Urbantat, die in Mülheim die Tiere vermittelt.

Der Verein arbeitet deutschlandweit und übernimmt Hennen aus Bio-, Freiland- und Bodenhaltungsbetrieben.

Ein Beispiel: In einem Bodenhaltungsbetrieb leben die Tiere in einem geschlossenen Stall. Neun Tiere teilen sich einen Quadratmeter Fläche. In Deutschland kommen 60 Prozent der Eier aus Bodenhaltung.

„Rettet das Huhn“ vermittelt die Legehennen an Menschen, die ihnen ein gutes Zuhause geben wollen. Dafür gibt es Bedingungen. „Es müssen ein ausreichender großer Stall und Auslauffläche vorhanden sein“, sagt Nicole Urbantat.

Wer sich dafür interessiert, erhält Infos über Ansprechpartner unter www.rettet-das-huhn.de

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