Künstler Josef Baron wird 90 Jahre alt

Zeigen, was den Menschen nahe ist

Foto: WR

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Unna. Ein Soldat, der gerade, tödlich getroffen nach hinten fällt. Eine Frau, die knieend die Hände zur bettelnden Geste hoch hält – es sind ganz aktuelle politische Themen, die die neuen Skulpturen von Josef Baron ausmachen. Der Bildhauer bezieht auch im hohen Alter eindeutig Stellung.

Heute feiert er seinen 90 Geburtstag.

Der Krieg in Afghanistan, das Erdbeben und der Hunger auf Haiti hatte Josef Baron im Hinterkopf, als der Wachs zwischen seinen Fingern eben jene Figuren des Soldaten und der Hungernden formte. „Was den Menschen nahe ist, versuche ich darzustellen”, sagt der Künstler, dessen christliche Motive Kirchen in der ganzen Welt schmücken. Sakrale Kunst war in vielen Lebensphasen überwiegend sein Broterwerb – „ich hatte schließlich eine Frau und vier Söhne und wollte davon leben, was ich am besten konnte”.

Als Student Portale

im Kölner Dom gestaltet

Mittlerweile, übrigens als Großvater von drei Enkeln, „kann ich das Tagesgeschehen künstlerisch verarbeiten”. Und er fügt augenzwinkernd hinzu, während er eine weibliche Skulptur auf dem Tisch zurechtrückt: „Und zur Erholung gibt's dann schöne Frauen.” Die weibliche Schöne darf auf keinen Fall fehlen im Baronschen Werk. Zahllose mehr oder weniger bekleidete Frauenkörper zieren die Regale im Haus des Ehepaars Baron.

Josef Baron wurde 1920 in Obberschlesien geboren. Als junger Mann wurde er unter den Nationalsozialisten in den Krieg geschickt, überlebte die sieben Jahre, in denen er in Russland und Frankreich kämpfen musste. Nach 1947 studierte er in Flensburg und Düsseldorf, gestaltete schon als Student mit seinem Lehrer Ewald Matare´ die Portale des Kölner Doms, und gelangte Anfang der 50er Jahre nach Unna. Von hier aus bestückte er den Dom zu Hildesheim mit Skulpturen, die komplette Gestaltung der Wallfahrtsbasilika in Werl geht auf sein kreatives Konto, und auch in den katholischen Kirchen in Unna – St. Peter und Paul in Hemmerde, St. Martin im Bornekamp und Katharina in der Innenstadt – hat er seine Handschrift hinterlassen. Barons profane Werke in Unna erfreuen vor allem die Kinder: der Eselsbrunnen auf dem Alten Markt lädt zum Klettern ein und der Ikarus im Schulgarten des Ernst-Barlach-Gymnasiums zum Pausieren.

Heute, zum Geburtstag, wird's wie immer voll im Wohnzimmer der Barons. Familie, Freunde und Bekannte, einige Pfarrer, und natürlich auch ein „Offizieller” der Stadt werden kommen und Josef Baron die Hand schütteln. Um seine Person wird's im April schon wieder laut. Dann steht die Local Heroes Woche im Rahmen von Ruhr2010 an. Als lokale Helden, „die vier großen Künstler”, wie es im Programm heißt, werden neben Josef Baron, Ernst Oldenburg, Carlernst Kürten und Wilhelm Buschschulte geehrt. „Große Künstler – ich mag das nicht hören. Ich ein Dorfbildhauer”, sagt er eine Spur grimmig.

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