Zucht von Birgit Güntner

Waldschafe naschen gerne Bio-Erbsen

Foto: DETTLAFF,Ursula

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Oberbrügge. Einen Hektar Wiese zu pflegen oder zumindest regelmäßig kurz zu halten - nur zum Verständnis - das sind 10 000 Quadratmeter - erfordert einigen Aufwand.

So kam Birgit Güntner aus Dahlhausen auf die Idee, Schafe zu züchten. Heute erledigen Waldschafe die Arbeit. Für Birgit Güntner bedeuten die Tiere weit mehr.

„Zunächst habe ich mich darüber informiert, welche Rasse zu unserem Klima passt", erzählte sie. Auch das Aussehen spielte eine Rolle. Birgit Güntner entdeckte die Waldschafe, eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse.

Die Tiere stammen vermutlich vom bayerischen Zaupelschaf, einem typischen Landschaf, ab. Gesundheit, gute Muttereigenschaften und Robustheit spielen in der modernen Landwirtschaft keine, oder zumindest eine nachrangige Rolle.

Alte Haustierrassen können mit den Leistungen der Tiere, die unter modernen agroindrustriellen Bedingungen gehalten werden, nicht mithalten. Der Verein Nutztierarche kümmert sich um den Erhalt alten Genmaterials und ist dabei auf privates Engagement angewiesen.

Birgit Güntner machte sich weiter schlau, las etliche Bücher und knüpfte Kontakt zu einer Züchterin. Von ihr bekam sie die drei Auen, mit denen sie ihre Zucht aufbaut. Hanne, das schwarze Schaf, behielt den Namen der Vorbesitzerin. Ein anderes Tier heißt „Die Schöne" – „weil sie ein schönes Gesicht hat."

Bei der Auswahl der Tiere kam es ihr darauf an, dass sie bereits einmal abgelammt hatten. Einen Stall mit Spaltboden und Anbindehaltung kennen die Tiere nicht. Im Sommer gab es dreimal Zwillinge.

„Zwei Böckchen und vier Mädchen", erzählte die Besitzerin. Die Tiere erhalten kein Hochleistungskraftfutter. Das ist neben den Haltungsbedingungen ein weiteres wesentliches Kriterium zur Anerkennung als Nutztierarche. Statt Futtermitteln aus der Dritten Welt und Tierkadavermehlen lassen sich die vierbeinigen Rasenmäher aus Dahlhausen Getreide und Futtererbsen vom benachbarten Biohof Wolf schmecken.

Als Leckerchen gibt`s Knäckebrot. Betritt Birgit Güntner damit die Weide, ist sie sofort umringt von ihren Tieren. Zu einer verantwortungsvollen Zucht gehört die Vermeidung von Inzucht. Ein Zaun trennt deshalb die Böcke von der Herde. Zwei Böcke müssen diesen Winter geschlachtet werden. Der Schlachter kommt auf den Hof: „Dann sind die Tiere nicht so nervös", sagte Güntner.

Bürokratischer Aufwand hoch

Ein Biosiegel tragen ihre Tiere indes nicht. „Es wäre ziemlich teuer, wenn ich mich von Demeter oder Bioland zertifizieren ließe", sagt sie. Ohnehin ist der bürokratische Aufwand, den Kleinhalter nicht zuletzt wegen der BSE-Problematik betreiben müssen, hoch. Neben dem Tragen von Ohrmarken zählt dazu zum Beispiel die Auflistung von Medikamentengaben „von der Geburt bis zur Schlachtung." Aber daran möchte Birgit Güntner nicht denken. Auf 20 Tiere soll die Herde anwachsen. Die Dahlhausenerin arbeitet sich immer weiter in ihre Rolle als „Schäferin" ein.

Die Betreuung der Herde ist für sie Ausgleich zum stressigen Job.

Sie ist Projektleiterin für EDV-Systeme. „Das Wirtschaftsleben ist ausgerichtet auf Wachstum und Profit. Das hier ist für mich ein Ausgleich zur kalten Welt", erklärte sie.

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