Gedenksteine

Vergessen verboten: Stolpersteine mahnen

Foto: WR

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„Unbekannt verzogen”. Zwei nüchterne Worte hinter denen sich nicht nur eine tragische Familiengeschichte, sondern auch ein trauriges Kapitel deutscher Vergangenheit verbirgt. Künstler Günter Demnig verlegte gestern in der Schäferstraße acht, in der Gerhart-Hauptmann Straße drei Stolpersteine.

Demnig werkelt, die Menge schweigt. Aus Respekt, aus Anteilnahme oder einfach, weil die passenden Worte fehlen. In der Hand halten die Zuschauer Zettel. Schwarz auf weiß können sie nachlesen, welche Schicksale sich hinter den Namen der Opfer verbirgt, derer mit einem Stolperstein gedacht wird. Sie lesen von den Brüdern Otto und Bernhard Selig, die im ersten Weltkrieg für Deutschland kämpften, wenige Jahre später in das KZ Zamosc/Polen deportiert wurden. Lesen von Else, Henriette, Hedwig und Elfriede Selig, die ebenfalls in das polnische KZ verschleppt und im Einwohnermeldeamt der Stadt Unna lediglich als „unbekannt verzogen” eingetragen wurden. Lesen von Leid, Angst und Trauer. Die Stolptersteine sind Mahnmale der Gegenwart, die an die Vergangenheit erinnern sollen.

Initiert wird die Zusammenarbeit mit Künstler Günter Demnig von den Mitglieder des Arbeitskreises Spurensuche und den Kulturbetrieben. Während die Spurensucher versuchen, den Lebensweg der vertriebenen, ermordeten oder entwurzelten Opfer nachzuzeichnen, sucht Claudia Keuchel, Mitglied der Kulturbetriebe, Paten für die Stolpersteine. Mit Erfolg.

Ermordet in Ausschwitz

Auch in der Gerhart-Hauptmann-Straße 8 konnten drei Stolpersteine verlegt werden. Sie erinnern an Margarete Weisner und ihre Töchter Ellen und Ruth, die 1944 in Ausschwitz ermordet wurden. Bereits in der Progromnacht 1938 entgingen sie nur knapp dem Tod. NS Leute schlugen Türen und Fenster des Hauses ein, schlugen die Bewohner. Damals schaute die Polizei unbeteiligt zu. Gestern sah dieses Bild anders aus: Zwei Uniformierte mischten sich unter die Zuschauer, reihten sich schweigend in die Gedenk-Zeremonie ein.

Ein Stolperstein symbolisiert ein unvergessenes Menschenleben, ein Schicksal. Weiter folgen, so Keuchel.

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