"Stolpersteine" für Selmer Familien

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Selm. (ht) Den Namen eines Menschen zurück in die Gemeinde zu bringen, in der er gelebt hat, bevor er grausam vom Nazi-Regime ermordet wurde, ist Ziel der Aktion "Stolpersteine". Diese Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig findet sich jetzt auch in Se

Vier Jahrzehnte lebte Moritz Heumann in Selm, ein ehrenwerter, erfolgreicher Handwerksmeister, Metzger, Viehhändler und Familienvater. Weil er Jude war, wurde er am 11. Oktober 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet. Er glaubte nicht an den Wahnsinn Holocaust. Denn obwohl er mit seiner Tochter, deren Mann und seiner Enkelin hätte nach Amerika fliehen können, verweilte er versteckt in den Niederlanden, wurde verraten und schließlich ermordet. Um an ihn zu erinnern, wird bald der erste Stolperstein in Selm verlegt.

"Im März 2006 zeigten wir im Rahmen der politischen Bildung durch die Volkshochschule einen Diavortrag zur Aktion Stolpersteine. Danach gab es ganz viele Reaktionen der Teilnehmer, die sagten, so etwas müssen wir hier in Selm auch schaffen, weil es hier seit dem Holocaust keine jüdische Gemeinde mehr gibt", berichtet Manon Pirags, stellvertretende Leiterin der VHS, zur Entstehungsgeschichte. Anschließend beschäftigten sich die Erich-Kästner-Hauptschüler intensiv während einer Projektwoche mit dem Thema, sammelten Daten der ermordeten jüdischen Familien. Manon Pirags: "Daraufhin stellten die Schüler einen Bürgerantrag an den Rat der Stadt, dass die Stolpersteine in Selm verlegt werden dürften. Der Rat beschloss einstimmig im Juni 2006 die Genehmigung zu erteilen." Positiv hervorzuheben seien auch die überschaubaren Kosten, so Pirags. Vier private Spender, die evangelische Kirchengemeinde, die Gemeinde St. Stephanus Bork, die Erich-Kästner-Schule und die Otto-Hahn-Realschule finanzieren die Aktion.

"Ich habe bei Johanna Lore Gartenhaus, der Enkelin von Moritz Heumann nachgefragt, was sie von der Verlegung des Steines hält. Sie hat begeistert und äußerst gerührt reagiert und wollte unbedingt an der Verlegung teilnehmen. Sie wird mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen aus Lafayette in den USA anreisen", berichtet Pirags weiter. Am 11. September tragen sich Heumanns Nachfahren in der Alten Synagoge ins Goldene Buch der Stadt ein.

Der Stein für Moritz Heumann soll nicht der einzige bleiben. So werden ein weiterer Stein für Rebecca Wollenberger, vier Steine für Familie Levin und vier für Familie Weinberg ins Selm-Borker Pflaster eingelassen.

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