Bergkamener Paar fand neue Aufgaben

Pfarrersfrau lässt Baumaschinen rollen

Foto: ddp

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Bergkamen. Wenn die Seelsorge in der 1300 Köpfe zählenden Gemeinde jetzt langfristig gewährleistet und auch die Arbeit mit schweren Maschinen auf vielen Baustellen sicherer geworden ist, dann finden sich die Ursachen im Pfarrhaus des sächsischen Dorfes Tautenhain und bei Ehepaar Petry.

Im November hat sich dort das Ehepaar Frauke (34) und Sven Petry (33) mit ihren drei Kindern eingerichtet. Der Name Petry hat für viele Bergkamener einen guten Klang. Rund 19 Jahre wirkte Svens Vater Helmut Petry bis zu seinem Tod 1999 als Pfarrer in der ev. Kirchengemeinde Oberaden. Seine Frau Magdalena ist Pastorin. Sie verzichtete auf eine eigene Pfarrstelle und ist als Religionslehrerin am Kamener Gymnasium tätig.

Wie ihr Ehemann Sven setzt auch Frauke Petry beruflich eine Familientradition fort. 1992 kam die gebürtige Dresdenerin mit ihren Eltern nach Bergkamen. Mutter Renate Marquardt ist Chemikerin. Sie fand nach dem Wechsel von Ost nach West eine Stelle in einer kleinen Firma in Dortmund. Auch die Tochter hat sich der Chemie verschrieben, wollte aber nie als Angestellte arbeiten. Ihren ursprünglichen Traum von einer Universitätskarriere hat sie gegen die Selbstständigkeit eingetauscht.

Seit zwei Jahren leitet Frauke Petry die kleine Firma „PURinvent GmbH”, die unter anderem umweltfreundliche Spezialfüllungen für die großen Reifen von Baumaschinen auf Kunststoffbasis herstellt. So ausgerüstet sind Reifenpannen auf dem Bau praktisch ausgeschlossen. Hilfreich war, dass die Grundidee für diese Technik Mutter Renate in den 1990er Jahren entwickelt hatte. Sie besitzt auch das entsprechende Patent. Renate Marquardt ist inzwischen nach Leipzig, dem Sitz der kleinen Firma umgezogen. „Wir entwickeln jetzt gemeinsam das Rezept für die Reifenfüllung weiter", erklärt Frauke Petry. Schließlich sei ein Vorzug ihrer Firma, auf die speziellen Kundenwünsche eingehen zu können.

Die Chemikerin, die 1995 mit Bravour ihr Abitur am Bergkamener Gymnasium erhielt, befindet sich offensichtlich auf der Erfolgsspur. Kein Wunder, dass sie ebenfalls im November in Hamburg mit einem Existenzgründerinnen-Preis ausgezeichnet wurde. Neben der Ehre gab es auch einen Scheck über 75.000 Euro. Dieses Geld helfe sehr beim weiteren Aufbau ihres Unternehmens.

Kennengelernt haben sich Frauke und Sven Petry auf dem Bergkamener Gymnasium. „Beim Abitur waren wir bereits ein Paar”, berichtet Frauke Petry. Danach kam die große Prüfung: Sie wollte unbedingt Chemie in England studieren und er Theologie in Deutschland. Ergebnis war: Beide haben sich über drei Jahre während des Semesters lediglich sporadisch gesehen. Als dies überstanden war, sie studierten dann gemeinsam in Göttingen, stand der Entschluss zu heiraten felsenfest.

Natürlich entsprechen die Petrys nicht dem tradierten Bild eines Pfarrerehepaars. Doch beide kennen es schließlich nicht anders von ihren Eltern. Sowohl die Väter als auch die Mütter waren bzw. sind berufstätig.

„Beruf und Familie müssen sich gleichrangig miteinander vereinbaren lassen", lautet die Devise des Ehepaars. Gerne würde Frauke Petry als Organistin aushelfen, wenn Bedarf ist. Das hat sie in ihrer Bergkamener Zeit bereits in Kirchen in Kamen und Südkamen getan. Immerhin gehören zu Sven Petrys Pfarrgemeinde, es ist übrigens seine erste Pfarrstelle, die Gläubigen in vier Gemeinden, die über stolze sechs Kirchen verfügen. Doch bei drei Kindern fehle ihr im Augenblick einfach die Zeit zu üben. Das Jüngste wurde vor sechs Monaten geboren.

Seltener geworden sind die Besuche in Bergkamen bei Mutter und Schwiegermutter Magdalena. Der Grund ist aber nicht die Arbeitsbelastung. Seitdem Familie Petry sich im Pfarrhaus in Tautenhain häuslich eingerichtet hat, hat sich der Fahrtweg in die „Heimat” verdoppelt.

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