Hatte Cappenberg die religiösen Aufführungen schon 1242? Heinz G. Höltmann forscht in alten Archiven

Mit Leidenschaft Passionsspielen auf der Spur

Foto: WR

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Es ist mehr als 750 Jahre her. Nein, anders: Es könnte mehr als 750 Jahre her sein. Schon 1242 hat es in Cappenberg vielleicht Passionsspiele gegeben.

Sollte das stimmen, wären sie deutlich älter als die berühmten Passionsspiele von Oberammergau. Heimatforscher Heinz G. Höltmann hat die Fährte aufgenommen - eine historische Detektivarbeit.

„Das ist ein Nebenprodukt einer anderen Aufgabe, mit der ich mich beschäftige”, sagt der 84-Jährige. Bei seinen Recherchen für eine Geschichte der Kirchenmusik in der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Cappenberg fiel ihm ein Brief von 1949 in die Hände. In diesem Schreiben zur 800-Jahr-Feier der Stiftskirche erwähnt der damalige Prior die englische Zeitschrift „Catholic Digest”; darin stehe ein Artikel über ein Passionsspiel in Amerika, das früher „von den Mönchen in Cappenberg” inszeniert worden sei. Höltmanns Neugier ist geweckt. Er fährt zur Diözesanbibliothek Köln, findet die Digest-Ausgabe vom April 1949. Der Autor des Artikels, ein gewisser Edward A. Harrigan, schildert seinen Besuch bei einem Passionsspiel in Spearfish im US-Bundesstaat Süd-Dakota. Initiator und Hauptdarsteller: Der Lüner Auswanderer Josef Meier. Dieser, schreibt Harrigan, habe ihm erzählt, dass dieses Passionsspiel Jahrhunderte lang in Lünen aufgeführt worden sei - und zwar seit 1242, womit es sich um das älteste in Europa handele. Meier habe überdies erwähnt, dass seine Familie seit Generationen bei diesem Spiel mitgewirkt habe. „Ich habe die Zahl 1242 mit Vorsicht genommen”, betont Höltmann. „Aber es hat mich gereizt, nachzuforschen.” Seine bisherigen Ergebnisse hat er im aktuellen Pfarrbrief der Gemeinde veröffentlicht. Fest steht demnach, dass Meier, ein Verwandter der Familie, die das Sanitärgeschäft Wilhelm Meier in Lünen führt, in den 1920er Jahren in die USA auswanderte. 1932 inszenierte er erstmals ein Passionsspiel, das rasch zu einer festen Einrichtung wurde. 1938 bezog er mit seinem Ensemble ein natürliches Amphitheater in besagtem Spearfish, wo das Spiel mit mehreren Aufführungen pro Woche lief. Meier gab den Christus etwa 60 Jahre lang in tausenden Vorstellungen. 1999 starb er im Alter von 94 Jahren. Die Spiele in Spearfish gibt es heute noch: Mit drei Vorstellungen wöchentlich während des Sommers, Tourneen durch die Vereinigten Staaten in den Wintermonaten und großem Publikumserfolg. „Die Amerikaner begeistern sich für diese religiösen Vorstellungen”, weiß Höltmann. „Das ist ein echter Anziehungspunkt.” Unklar ist aber, wie Meier auf die Zahl 1242 kam, mit der er auch auf Plakaten warb. „The original Luenen Passion Play” ist auf den Bildquellen zu lesen, die Höltmann aufgetrieben hat: „First played in Luenen in the year 1242”. Ein Werbegag? „Das ist die Frage”, sagt Höltmann. „Ich suche nach Unterlagen, die einen Nachweis für die Passionsspiele enthalten.” In den Archiven der Pfarrgemeinde Cappenberg und der Abtei Hamborn fand er nichts. Zu weiteren Archiven hat er Kontakt aufgenommen.

Seine Vorgehensweise ist detektivisch. In scheinbaren Nebensächlichkeiten könnte der entscheidende Hinweis stecken. „Insbesondere suche ich nach Rechnungen: Kauften die Prämonstratenser-Mönche vom Kloster Cappenberg Holz für die Bühne oder Stoff für Kostüme - oder bezahlten sie Komparsen?” Bis ein Ergebnis feststeht, kann es dauern. „Aber jetzt bin ich drin”, sagt Höltmann. Und er bleibt dran.

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