Dr. Reinhard Weyer

Mit Herz und Verstand

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Lüdenscheid. Dr. Reinhard Weyer, seit 23 Jahren Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie am Sportkrankenhaus Hellersen, wird heute von Klinik-Vorstand und Kollegen verabschiedet. Er tritt in die passive Phase seiner Altersteilzeit.

Doch von „passiv“ kann keine Rede sein – sportlich geht es weiter: Der 59-Jährige trainiert ab – wie ein Leistungssportler, der seine Karriere beendet hat und den Körper von der jahrelangen Höchstbelastung allmählich entwöhnen muss. Reinhard Weyer hat das „Institut für medizinische Begutachtung” gegründet. Seine künftige Arbeit beinhaltet „alles, was nicht direkt mit einer Behandlung zu tun hat”, beschreibt der 59-Jährige die freiberufliche Tätigkeit.

In der Pulskurve ganz oben

Würde man sein Leben als Pulskurve nachzeichnen, befänden sich die Messpunkte immer kurz vor der Maximalbelastung: Mit 25 Jahren Staatsexamen. Promotion. Frühe Heirat. Geburt der beiden Kinder. „Die Welt habe ich nicht kennen gelernt”, bedauert der gebürtige Hagener einerseits. Andererseits blickt er mit Stolz auf seine Karriere zurück. Der Arzt wird ab sofort in Räumlicheiten unmittelbar neben seiner bisherigen Wirkungsstätte arbeiten und dort beispielsweise Patienten über Behandlungsmöglichkeiten aufklären.

Für seinen ehemaligen Arbeitgeber stelle er keine Konkurrenz dar. Im Gegenteil: „Wir kooperieren.” Wesentlicher Unterschied zur bisherigen Zusammenarbeit: „Ich kann meine Zeit jetzt selbst einteilen”, sagt Reinhard Weyer, leidenschaftlicher Segler und Skitourenläufer. Unter 70 Stunden Wochenarbeitszeit sei in den vergangenen Jahren nichts gelaufen. Privates habe zurückstehen müssen, die eigenen sportlichen Aktivitäten seien stark eingegrenzt gewesen.

Seine Begeisterung für den Sport hat Reinhard Weyer offensichtlich geerbt. Sein Vater Willi Weyer, ehemaliger Innenminister NRWs, war unter anderem Präsident des Deutschen Sportbundes (1974 bis 1986) und des Landessportbundes NRW (1957 bis 1987) sowie Mitglied des Organisationskomitees für die Olympischen Sommerspiele in München 1972. Nachteile habe er durch den berühmten Vater nicht gehabt. „Wenn man große Schuhe präsentiert bekommt, dann muss man sie sich eben anziehen”, sagt Reinhard Weyer. Und das hat er getan.

1975 kommt Reinhard Weyer zum ersten Mal nach Lüdenscheid. „Hier fand ich genau das, was ich wollte”, erinnert sich der Mediziner. Eine tolle Stimmung unter den ebenfalls sportbegeisterten Kollegen, motivierte Patienten und eine technische Ausstattung mit viel Potenzial – „hier wollte ich hin.” Nach kurzen Gastspielen im Rahmen der orthopädische Weiterbildung kommt er als Oberarzt zurück nach Lüdenscheid – und bleibt.

Immer Zeit für die Patienten

Reinhard Weyers Erfolgsrezept: „Trotz Zeitdrucks habe ich mir Zeit für meine Patienten genommen.” Offen äußert der verdiente Mediziner in diesem Zusammenhang Kritik am Gesundheitssystem: „Ärzte und Patienten entfremden sich, es bleibt kaum Raum für eine individuelle Beratung.” Seine klare Forderung: „Wir müssen aufpassen, dass Krankenhäuser keine Gesundheitsfabriken werden, und dass die Medizin nicht herzlos wird.”

Mit Herz und Verstand entschied sich Reinhard Weyer vor vier Jahren für die Altersteilzeit. „Ich bin froh, die Verantwortung nun in andere Hände geben zu können”, erklärt der Medizinier, „ich möchte mein Leben in Ruhe planen.” Und einen Plan gibt es bereits: Er möchte nach Schweden segeln – ohne Zeitdruck und Arbeit im Hinterkopf.

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