Schneemangel am Ebbehang - Ende einer Ära

Liftbetrieb wird eingestellt

Foto: WR

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Wehmütig blickt Karl-Heinz Grüber den Steilhang zur Nordhelle hinauf. Dort, wo er seit über 30 Jahren Winter für Winter mit seinen drei Liften Tausenden aus nah und fern alpines Skivergnügen ermöglicht hat, wird in dieser Saison kein Skifahrer mehr zu sehen sein.

Die Lifte sind abgebaut und bleiben in diesem Winter in der Scheune, wo auch die Pistenraupe und die Imbissbude stehen. Das riesige Arbeitspensum des Skibetriebs könne er gemeinsam mit seiner Frau aus Altersgründen nicht mehr leisten, sagt der 69-Jährige. Und deshalb sei jetzt Schluss.

Zumal in den zurückliegenden Jahren die Resonanz auch zurückgegangen sei. „Da ist zum Saisonende finanziell eigentlich nichts mehr übrig geblieben.” Die Konkurrenz der Skihallen sei spürbar gewesen. Und natürlich der professionelle und moderne Skibetrieb im Hochsauerland rund um Winterberg habe sich erheblich ausgewirkt. „Viele Leute wollen auch neben dem Skifahren etwas erleben und geben sich nicht mehr mit einer Bratwurst und einer Cola zufrieden.” Apre´s-Ski könne er nicht bieten.

Der Skihang war schwarz vor Menschen

Die unsichere Schneelage der letzten Winter habe ihr Übriges dazu beigetragen. Ohne Schneekanonen sei Kontinuität nicht mehr möglich. Und selbst mit Kunstschnee könne je nach Temperatur keine Schneesicherheit mehr garantiert werden.

Das war in den 1970er und 1980er Jahren anders. Schnee gab es am Ebbenordhang reichlich. Und die Skifahrer kamen mit Bussen und Sonderzügen aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland. 40 Busse an den Wochenenden seien normal gewesen, manchmal sogar 60. „Dann sind wir aber in Grenzbereiche gekommen”, erinnert sich Grüber. „Der Skihang war schwarz vor Menschen. Und die ganz Kleinen tummelten sich auf dem Rodelhang.”

Seine ganze Familie und Verwandte seien mit Herzblut im Einsatz gewesen, um den Ansturm zu bewältigen: Die Betreuung der Lifte, den Betrieb der Imbissbude oder die Toiletten in Ordnung halten. Grüber: „Morgens um vier Uhr hatte ich meine erste Schicht.” Und ab 10 Uhr liefen die Lifte. Die Wiesen unterhalb seines Hofes dienten als Parkplätze. Um das Verkehrschaos zu meistern, habe ihn die Gemeinde Herscheid immer vorbildlich unterstützt.

Im Jahr 1988 hat sich Grüber eine gebrauchte Pistenraupe angeschafft, um den Hang zu präparieren. Das sei im oberen Bereich bei einem Neigungswinkel von 38 Grad abenteuerlich gewesen.

800 Stunden habe das Fahrzeug damals „auf dem Buckel gehabt”. 240 Stunden seien seitdem hinzu gekommen. „Nicht so viele”, wie Grüber meint. Denn der Winter 1988 sei eigentlich der letzte richtig gute gewesen, so der 69-Jährige. Damals hätte er im Allgäu fast auch noch einen modernen Doppel-Schlepplift gekauft. „Zum Glück habe ich das aber nicht gemacht.”

Dass er im kommenden Winter vielleicht doch noch im unteren Bereich des Skihanges einen Lift aufbaut, will sich Karl-Heinz Grüber offen halten. Den Rodelhang könne er verlegen, dass er im Auslauf nicht mehr 800 Autoreifen als Schutz auslegen muss. „Das wäre weniger Arbeit, die vielleicht noch zu leisten ist.” So ganz Abschied genommen hat er noch nicht und blickt wieder hinauf auf seinen Skihang.

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