Ladys Night mit strippender Queen

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Halver. Eine zaubernde Moderatorin, eine rockende und strippende Queen "auf BSE" und eine herrische Diva, die Journalisten die Rezension in den Block diktiert, mit entrückender Soul-Stimme.

Von R. Kahlke Schräg, schrill, witzig, sinnlos. Aber Unterhaltung auf höchstem Niveau. Astrid Gloria Irmer, die seit 1993 unter ihrem Künstlernamen Hertha Schwätzig auftrat ("Das Leben ist hart, ich bin Hertha") hatte nicht zuviel versprochen. Die Zuschauer in der proppevollen AFG-Aula bekamen mit der Comedy Ladies Night drei Programme zum Preis von einem.

Die schrille Hertha mit selbst gehäkeltem Topflappen-Bustier führte moderierend und zaubernd durch ein gut zweistündiges Programm. Sie zeigte mit Tarot-Karten, dass das Leben gute und schlechte Seiten hat, es letztlich aber auf die Sichtweise, auf die Einstellung ankommt.

Einführung in "Hollywood-Diät"

Fragen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpfte, ver- und entwirrte sie mit Seil und Knoten zum entscheiden Hier und Jetzt. Nebenbei erläuterte sie Lebensfragen. "Hollywood-Diät". Das heißt: "Alles essen, was Du auch erbrechen kannst."

Künstlerisch und körperlich präsent auf der Bühne mokierte sie sich über Mager-Models und Brustvergrößerungen, riet dem mehrheitlich weiblichen Publikum: "Wenn du ein paar Rundungen haben willst, nimm Schokolade." Denn: Eine Brust-OP koste bis zu 6000 Euro. Was gibt es da an Schokolade für#1#20? Außerdem: Schokolade verhärtet im Körper nicht - ist gefühlsecht.

Um Gefühl geht es auch bei Krissie Illing. Die Britin hat ein Blind Date, wartet auf den Lover, putzt sich hinter der Handtasche noch schnell die Zähne, entsorgt den Schaum in der Tasche. Britischer Humar, der in Halver zündet. Die trottelig-verschroben wirkende Akteurin beherrscht die hohe Kunst der Pantomine, zupft Blütenblätter ab, um herauszufinden, ob er er sie nun liebt - und weil das Ergebnis wenig erbaulich ist, zählt sie an der langen Perlenkette weiter. Die ist endlos und führt dann auch - irgendwann - zum gewünschten Ergebnis.

Krissie Illing kann auch anders. Gibt majestätisch die Queen, setzt sich wie ein Zirkuselefant beim ersten Takt in Bewegung, wenn die Hymne erklingt und verheddert sich, weil die Platte einen Sprung hat, geht jeden Takt mit, rockt, tanzt Can-Can, steppt, strippt - weil es die Musik so will.

Ein Wirbelwind auf der Bühne, eine Queen "auf BSE".

Soul-Stimme zum Herzerweichen

Nessi Tausendschön nimmt das Heft in die Hand, fragt das Publikum ab, staucht es zusammen. "Wenn du mich einmal nicht mehr liebst#1#20", kündigt sie ein Gedicht mit 80 Strophen an. Einige muss da Publikum ergänzen - und scheitert: Null Punkte.

Sie macht "depressive Texte mit lebensfreudiger Musik". Den Mikrofonständer stellt sie zur Seite: "Ich hab den Eindruck, der verdeckt mich."

Als Personal-Coach Gabi Pawelka will sie dem Publikum Selbstbewusstsein vermitteln, sucht aber selbst nur einen Mann. Der muss nur eine Bedingung erfüllen: Seine Mutter sollte schon tot sein.

Die Stimme ein bisschen wie Ex-Familienministerin Rita Süßmuth, ein bisschen wie Inge Meisel, auf jeden Fall unglaublich wandlungsfähig - und eine Soul-Stimme zum Herzerweichen.

Das war das einzige Manko, dass Nessi Tausendschön nicht noch mehr gesungen hat. - Vielleicht beim nächsten Mal, nach ihrem Engagement in Las Vegas#1#20 - Denn: Spaß schien der Auftritt in Halver auch dem Damen-Trio aus Köln gemacht zu haben.

Sie verabschiedeten sich mit Marilyn Monroes: "I wanna be loved by you." Das Publikum liebte sie, keine Frage. Gut 300 Besucher gingen in dem Bewusstsein heim, dass das Leben zwar hart manchmal auch härter sein kann - an Abenden wie am Freitag aber auch äußerst leicht, witzig, unterhaltsam, total bezaubernd eben.

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