Korsakowa einfach atemberaubend

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Kamen. Werke der Romantik standen auf dem Programm des 2. Sinfoniekonzertes der Spielzeit 2008/2009 der Neuen Philharmonie Westfalen, das am Mittwoch in der Konzertaula aufgeführt wurde.

Unter der Leitung von Chefdirigent Heiko Mathias Förster wurden Arthur Sullivans Suite aus der Bühnenmusik zu Shakespeares "The Tempest" ("Das Gewitter") op. 1, Mendelssohn-Bartholdys Konzert für Violine und Orchester e-moll op. 64 sowie Schumanns "Rheinische" Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 zu Gehör gebracht.

Sullivans Suite war die Examensarbeit des seinerzeit in der Heimat Großbritannien beliebten Komponisten, die er am Konservatorium in Leipzig angefertigt hatte. Anders als die hochdramatische Ouvertüre Tschaikowskijs zum gleichen Sujet ist dieses Werk durchgehend süßlich, mit viktorianischen Schnörkeln versehen und sehr "mendelssohnesk" - obwohl es gut 15 Jahre nach Mendelssohns Tod entstanden ist; der Einfluss ist aber offensichtlich. Die Interpretation gelang sehr ansprechend und brachte die warmen Klangfarben mit ihren Schattierungen gut hervor.

Es folgte nun Mendelssohn selbst oder vielmehr sein Violinkonzert mit mehreren populären, geläufigen Melodien. Solistin an der Violine war Natascha Korsakowa, Nachfahrin des berühmten russischen Komponisten Nikolai Rimskij-Korsakow und selbst eine hochgelobte und ausgezeichnete Künstlerin, die in Kritikerkreisen als "Ausnahme-Talent" gefeiert wird. Ihr bemerkenswerter Vortragsstil lässt sich am besten mit "legato" (gebunden) bezeichnen: Abweichend von den Interpretationen anderer Künstler schien sie ihre Partien in einem durchzuspielen, ohne abzusetzen, ohne Affekte durch "Zerstückelungen" des Materials. Nein, von der ersten Note an klang alles gebunden, aber ohne ein Verwischen der Akkorde - jeder Ton war hörbar, aber in einem Strom, ohne stakkatohafte Betonungen. Dabei spielte sie in einer atemberaubenden Geschwindigkeit - ganz anders als in Interpretationen dieses Konzertes durch andere Künstler - ohne Anstrengung, mit verspielten Blickkontakten zum Dirigenten. Also einzigartig und ungehört, diese Interpretation - und genauso einzig die Interpretin, die schließlich nach verdientem stürmischen Applaus eine Zugabe spielte.

Die "Rheinische" Schumanns dagegen enttäuschte etwas: Ein zu gedämpftes Tempo in den ersten beiden Sätzen stahl viel vom Glanz dieses Werkes, weil bestimmte Akzente zu stark und in anderen Partien zu wenig deutlich hervortraten. Dadurch wirkte manches zu rau und ein wirklich angenehmes Gefühl dabei fehlte, wenn auch die Interpretation technisch gesehen sicherlich gut war.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben