Heute Kümmerer in Holzwickede

Ingo Peter und der einsame Job als Profi-Trainer

Foto: WR/Franz Luthe

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dortmund/Holzwickede. Begonnen hat alles in den 50/60er-Jahren auf dem Arndtplatz, jenem Aschenplatz an der Arndtstraße, auf dem Kinder heute noch pöhlen. Ingo Peter durfte damals mit zwölf Jahren schon immer mit den 18-Jährigen spielen.

So kam eine Karriere in Gang, die ihn 1970 zum BVB-Profi machte – und 1980 zum ersten BVB-Spieler, der in der US-Soccer-Liga sein Geld verdiente.

Manchmal reicht ein Blick auf ein Bild. 1981: Kapitän Ingo Peter bekommt nach dem Sieg von Chicago Sting im Endspiel gegen Cosmos New York von dem Mann den Pokal als Nordamerika-Meister überreicht, dessen Fußballbildchen er als Kind gesammelt hat – von Pele.

Probleme mit Trainer Burdenski

Es war der Höhepunkt seiner Karriere, die in einer mauen Zeit des BVB begann. Sportlicher Niedergang, es gab Probleme mit Trainer Burdenski. „Als junger Spieler kannst du da nichts machen. Du kannst nichts dominieren, du schwimmst nur mit.” Peter zog einen Schlussstrich. Nach einem Streit mit Burdenski, „bin ich vom Training in die Geschäftsstelle gefahren und hab' gekündigt.” Ein Novum, das war 1972 – und 1972 stieg der BVB auch ab.

Peter gründete sich neu. Er musste sich die Enttäuschung 'rausspielen, dass der Dortmunder und der Borusse in ihm nicht zusammengefunden hatten. Er spielte in der zweiten Liga bei DJK Gütersloh, ließ sich reamateurisieren – und wurde erneut auf eine harte Probe gestellt. Zwei Fußbrüche, Meniskus- und Bandscheiben-OP schlossen sich an, und es war Hoppy Kurrat, „der mich quasi aus dem Krankenhaus zum SV Holzwickede brachte”. 1976 wurde die Mannschaft Deutscher Amateurmeister, und Peter knüpfte an die erfolgreiche Zeit seiner Jugend an.

Wechsel nach Chicago

Beckenbauer und Pele spielten seit 1977 in den USA, um die Soccer-Liga mit ihrer Prominenz zu beatmen. Wie Gerd Müller, Alan Ball, Giorgio Chinaglia und viele andere internationale Größen auch. Peter wechselte 1980 zu Chicago Sting. „Das war nicht die Operettenliga, über die man in Deutschland spottete”, erinnerte sich der heute 58-Jährige. Der SSC Neapel, Vierter der italienischen Liga, wurde mit 3:1 abgefertigt. „Chicago hätte gut auf einen Mittelplatz in der Bundesliga gepasst.”

Viereinhalb Jahre blieb er. „Einerseits war es knallhart. Die Leute wurden schnell geholt und schnell entlassen. USA eben. Andererseits warst du 200 Tage im Jahr mit Holländern, Haitianern, Argentiniern unterwegs. Im Sommer die Freiluftsaison, im Winter Halle, 40 Spiele in vier Monaten, du hast innerhalb einer Woche in Montreal und in New York gespielt, in der nächsten dann in Los Angeles. Wir waren jung, es gab nichts Besseres.” Hätte es 1984 nicht nahegelegen, als Trainer in den USA zu bleiben? „Doch, das war auch ein Thema”, sagt Peter, „aber ich hätte allenfalls College-Trainer werden können.” Er wollte die DFB-Ausbildung. Es folgten erfolgreiche Jahre etwa beim VfR Sölde, den Sportfreunden Siegen, Peter trainierte Vereine der 2. Bundesliga wie Jahn Regensburg und LR Ahlen.

Schluss nach 21 Jahren

Nach 21 Jahren als Trainer war Schluss. „Es ist ein einsamer Job”, sagt er, „und wenn du Glück hast, hast du noch einen loyalen Co-Trainer. Du bist der dümmste Mann im Stadion, weil alle Ahnung haben.” Sponsorensuche, Journalisten, Spielerberater, Intrigen und Eitelkeiten –„ich wollte das alles nicht mehr.”

Inzwischen ist Peter dem Fußball wieder auf der Ebene verbunden, auf der alles angefangen hat. Er ist „Kümmerer” beim SV Holzwickede, beobachtet Spiele, besorgt Arbeitsplätze für junge Spieler – alles ehrenamtlich. Als Profi war es nicht einfach. „Ich hätte gerne eine erfolgreiche Zeit beim BVB gehabt.” Aber er war Amateurmeister, Nordamerika-Champion – und er hatte Pele im Arm.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben