Porträt

Im Gepäck ein Stückchen Deutschland

Foto: WR

Unna. Noch ein paar Wochen, dann ist es soweit: Gad Osafo wird sich auf den Weg machen, auf den Weg nach Afrika. Für den Deutsch-Afrika ist es eine Reise zwischen alter und neuer Heimat, Gegenwart und Vergangenheit.

Voraus schickt er einen Container voller Gebrauchsgegenstände, gedacht für die in Ghana entstehende Lehrpraxis für Heilpflanzenkunde. Stühle und Tische aus Unna werden sich dann in Accra wiederfinden, um vor Ort den jungen Menschen einen Ausbildungsabschluss zu ermöglichen, den sie sonst so nicht bekommen würden.

Wenn Gad Osafo von seinem Projekt erzählt, fangen seine Augen an zu strahlen. „Was wir dort machen, ist elementar. Das ist Zukunft und Bewahrung alter Traditionen zugleich.” Da Osafo selbst aus Ghana stammt, weiß er, wovon er spricht. Über die Hälfte der ghanaischen Bevölkerung lebt auf dem Land und ist dort auf traditionelle Heiler angewiesen. Doch die afrikanischen Heiler sterben aus und mit ihnen verschwindet das große Wissen um die lokalen Heilpflanzen und -methoden. „Immer weniger junge Menschen wollen diesen Beruf ergreifen, denn er gilt als veraltet, da man seine Methoden nur direkt von einem der Alten lernen kann”, erklärt Osafo das Problem.

Aus diesem Grund hat sich der Unnaer Verein Geko entschlossen, vor Ort eine Lehrpraxis zu gründen. Noch ist das Innere des Hauses eine Bruchbude. Doch schon bald sollen erste Schüler das Haus bevölkern. „Allein die Tatsache, dass das Projekt von Deutschland aus gefördert wird, hat einen unglaublichen Effekt. Deutschland steht in Ghana für Qualität, und das macht die Schule attraktiv”, erklärt Osafo. Der Deutsch-Afrikaner ist die Idealbesetzung für diesen Posten, denn er ist selbst Heilpraktiker.

Doch das ist nicht das einzige, wofür er in der Stadt bekannt ist. Viele Unnaer kennen ihn vor allem deswegen, weil Osafo sich schon seit Jahren bemüht, die afrikanische Kultur den Menschen hier näher zu bringen.

Neben Trommelkursen an der Volkshochschule bietet er immer wieder Informationsveranstaltungen über afrikanische Medizin an. „Die Leute hier haben oftmals eine sehr verschrobene Vorstellung, was traditionelle afrikanische Medizin wirklich bedeutet. Ich möchte den Menschen erklären, wie die Wirklichkeit aussieht.”

Das Bedürfnis, der einen Kultur die andere näher zu bringen, hat für Osafo eine lange Tradition. Als er 1972 als junger Mann nach Deutschland kam, wusste er nichts über dieses Land. Wie ein Schwamm saugte er in diesenn Jahren Wissen in sich auf, machte eine Ausbildung zum Heilpraktiker und studierte Agrarwissenschaften. 1979 ging er zurück, arbeitete erst einige Jahre im Agrarministerium, dann als Dozent an der Universität von Swasiland.

So hätte es weitergehen können, wäre da nicht diese Frau gewesen, diese Deutsche, die ihn erst in seinen Bann, und letztendlich wieder zurück nach Deutschland zog. „Schneller als ich denken konnte, saß ich auf einmal hier in Unna”, erinnert Osafo sich und lacht. Die Liebe zu seiner Heimat und das Bedürfnis, sich einerseits für die Weiterentwicklung von Ghana und andererseits für die Bewahrung alter Traditionen und Wissen einzusetzen, ist geblieben. In drei Wochen geht es nun wieder zurück, mit einem Container voller Sachen, im Gepäck ein Stückchen Zukunft aus Deutschland.

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