Günter Jucho: "Musik hat mich immer begleitet"

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Schwerte. Seine Familiengeschichte mit ihren Unternehmerpersönlichkeiten ist eng mit der Geschichte des Stahlbaus verbunden. Als Unternehmensberater hat Günter Jucho längst selbst berühmte Kunden. Der prominenteste ist Ronald S. Lauder. In seiner Freizeit

Von Ilka Heiner Man schrieb das Jahr 1877, als Caspar Heinrich Jucho die Firma C.H. Jucho gründete. Das Brücken- und Hochbauunternehmen sollte später zusammen mit der Union-Brückenbau und der Firma August Klönne Dortmund zur Hochburg des deutschen Stahlbaus machen. Eigentlich waren die Juchos ein altes, westfälisches Bauerngeschlecht und mit führenden Dortmunder Unternehmerfamilien wie den Wenkers oder den Hoeschs verwandt. Dann aber startete Caspar Heinrich Jucho (1843 - 1906) als junger Ingenieur seine Kariere beim Eisenwerk "Rothe Erde". Nachdem er als Chefkonstrukteur Erfahrungen im Brückenbau gesammelt hatte, übernahm er 1877 das Unternehmen Backhaus. Das war die Geburtsstunde der Firma C.H. Jucho. Bei seinem Tod im Jahre 1906 übernahm Sohn Heinrich (1878-1932) die Geschäftsführung des boomenden Unternehmens. In seine Ära fällt der Bau der Hochbrücke über den Nord-Ostseekanal, bis heute die längste Eisenbahnbrücke Europas.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm auch die Firma Jucho Anteil am deutschen Wirtschaftswunder. Das Unternehmen baute Brücken wieder auf und war am Bau der Westfalenhalle und des Dortmunder Fernsehturms beteiligt. In den 70er Jahren aber blieb auch Jucho von der Stahl- und Ölkrise nicht verschont. Nach dem plötzlichen Unfalltod von Heinrichs Sohn Günter am 4. April 1974, der das Unternehmen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs leitete, wurde der Dortmunder Teil der Firma von Thyssen aufgekauft. Damals studierte Enkel Günter junior im dritten Semester Betriebswirtschaft in Münster, wo er 1977 erfolgreich sein Examen baute. Später ging Jucho zu Hipp nach Pfaffenhofen, wo er zuständig war für internationales Marketing und den Vertrieb.

1991 gründete Günter Jucho in Berlin mit Prof. Dr. Friedrich-Leopold von Stechow seine Unternehmensberatung und trat damit in die Fußstapfen des Großvaters, der schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Firma Jucho "Unter den Linden" etabliert hatte. Damals baute Jucho unter anderem den Bahnhof Alexanderplatz in Berlin.

Sein wohl prominentester Kunde ist heute der amerikanische Unternehmer Ronald S. Lauder, Sohn der legendären Kosmetik-Konzerngründerin Este?e Lauder, Präsident des New Yorker Museums of Modern Art, der im Vorjahr mit der "Goldenen Adele" von Gustav Klimt das zweitteuerste Gemälde der Welt erworben hat. "Der stand plötzlich in meinem Büro und sagte: 'Gunter, I have a dream!'", blickt der Unternehmensberater lachend zurück. Der Dollar-Milliardär wollte den Flughafen Tempelhof aufkaufen und zu einem Gesundheitszentrum umbauen. Der Senat lehnte die Pläne ab, jetzt ist ein Volksbegehren in Vorbereitung.

Schon früh entdeckte Günter Jucho seine Liebe zur Musik. Mit fünf Jahren kaufte die Mutter ihm ein Klavier, im Internat in Bad Godesberg kam die elektrische Gitarre hinzu, das Studium finanzierte er mit Auftritten seiner Band "The Swinging Safari Show", damals eine der gefragtesten Gruppen Dortmunds. Und als er vor drei Jahren beruflich in den Staaten weilte, da stand beim Kunden eine alte Hammondorgel. Nach einer kleinen Kostprobe wurde Jucho sogleich zur Bandprobe geladen: 16 Musiker machen Soulmusik. Im Sommer 2006 traten sie als Vorgruppe der Beach Boys auf, vor 50 000 Leuten. Lampenfieber? "Das habe ich immer", lacht Günter Jucho und fügt aber noch schnell hinzu: "Musik hat mich immer begleitet."

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