Mythen und Sagen

Endzeitschlacht in Hemmerde

Foto: Manuela Schwerte/press

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Historisch, hysterisch, mythisch, wahnsinnig? Seit Jahrhunderten geistert in Westfalen die so genannte Weltenschlacht am Birkenbaum durch Geschichte und Geschichten.

Und der Baum steht der Legende nach zwischen Werl und Unna. Werl hat sogar einen touristischen Radrundweg nach dieser Schlacht benannt. Die Gemarkung liegt direkt auf der Stadtgrenze zu Hemmerde. Jüngst war sie Ziel einer Radtour im Rahmen von „Mord am Hellweg”.

Nach dieser, von verschiedenen Sehern und Propheten vorausgesagten, „allentscheidenden Schlacht”, soll Weltfriede herrschen. Die legendäre Endzeitschlacht zwischen Ost und West hat auch immer wieder Rechtsextreme fasziniert. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, hat sich nachweislich mit der Sage beschäftigt. Wissenschaftler sind sich einig, dass sich Himmler und Teile der SS mit okkulten Wissenschaften und Mystik beschäftigten.

Die Wewelsburg bei Paderborn, die von Himmler 1934 zu einem symbolischen Preis von einer Reichsmark angepachtet und dann zur SS-Ordensburg umgebaut wurde, gewann ihre Bedeutung für die SS auch durch die räumliche Nähe zum Birkenbaum bei Unna. Heinrich Himmler und seine verblendeten Gefährten sahen mit der Schlacht und der damit verbundenen Prophezeiung die Endzeitsage der nordischen Sagenwelt bestätigt. Doch was ist dran an dieser Weissagung, der alten westfälischen Sage? Anfangs wird berichtet, dass Karl der Große eine bedeutende Schlacht gegen die Sachsen an einem Birkenbaum geschlagen hat. Und es gibt die verschiedensten Dokumente und Prophezeiungen, die sich auf dieses Ereignis beziehen. Doch dann kommen Weissagungen, wie die „Prophetia de terribili luctu Austri et Aquilonis”, den „schrecklichen Kampf des Südens und des Nordens und die grausige Schlacht bei Budberg in Westfalen” aus dem Jahre 1701 aus Köln. In dieser von Jesuiten veröffentlichten Prophezeiung wird eine drei Tage andauernde Schlacht am Birkenbaum vorhergesagt. Und es gibt, merkwürdigerweise, sogar einen Zeitungsbericht. Über den Abend des 22. Januar 1854 berichtet ein Lehrer aus Westfalen, der bei einem Familienbesuch in Büderich weilt, in der Kölnische Zeitung. Am Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang rotteten sich Menschen vor dem Hause der Familie in der Nähe der Chaussee zusammen und blickten in Richtung auf das Dorf Schlückingen.

Der Lehrer kam hinzu und sah, wie sich von der Anhöhe Schlückingens herab ein riesiges Heer in Richtung Schafhauser Holz bewegte. Noch merkwürdiger fand der Lehrer, dass aus dem Heereszug deutlich ein Haus heraustrat, dass in dieser Gegend nicht vorhanden war. Als der Heerzug in die Nähe des Holzes kam, bildete sich plötzlich eine große Lücke im Wald. Der Lehrer befragte die Zuschauer und die sagten aus, dass sie zuerst den Brand eines Hauses in Schlückingen gesehen hatten. Aus den Flammen habe sich plötzlich ein Riss gebildet, aus dem sich der Heerzug entwickelt habe. Mit der untergehenden Sonne verschwand zugleich das „imposante Schauspiel”. Offensichtlich eine Luftspiegelung.

Es gibt Sagen, Gedichte, Balladen. Ferdinand Freiligrath hat sich lyrisch ebenso mit dem merkwürdigen Ereignis beschäftigt, wie der Anarchist Erich Mühsam. Und dazwischen jede Menge Okkultisten und Spinner.

Übrigens: Sollte die mysteriöse Schlacht in den nächsten Jahren tatsächlich einmal stattfinden, biete ich unserer Sekretärin und ihrer Familie, die in Hemmerde wohnt, für ein paar Tage Asyl in Dortmund an.

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