Über 100 Jahre Kriminalgeschichte

Die spektakulärsten Verbrechen

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Lustmord, Totschlag aus Habgier, Familiendrama, Geiselnahme: Die Liste aufsehenerregender Verbrechen in der Bergstadt ist lang. Mit Hilfe des früheren Stadtarchivars Dieter Saal tauchte die Westfälische Rundschau tief in die Welt der Gräueltaten ein und fand sie – die spektakulärsten Verbrechen

Die Leiche im Wald

Nichtsahnend sucht eine Lüdenscheiderin am 14. Juli 1899 im Hellenbusch bei Leifringhausen mit ihren Kindern Waldbeeren, da macht sie eine grausige Entdeckung: Vor ihr liegt eine entkleidete Frauenleiche. Der völlig entstellte Kopf ist vom Rumpf abgetrennt, die Arme des bereits stark verwesten Leichnams sind zusammengebunden. Die etwa 50-jährige Tote wurde mit einem langen Schnitt in den Bauch umgebracht; offenbar fiel sie einem Sexualmord zum Opfer, der von mehreren Tätern begangen wurde. Zwischenzeitlich geraten mehrere Männer unter Tatverdacht, der sich jedoch nicht erhärtet. Der Mord bleibt rätselhaft.

Der Fall Sylke

Die Bundesrepublik ist noch schockiert von den vier Kindermorden des Jürgen Bartsch, da verschwindet am 7. Oktober 1967 in Lüdenscheid die viereinhalbjährige Sylke Wippenbeck. Spielkameraden hatten gesehen, wie sie am Spielplatz Breitenfeld von einem Mann auf den Arm genommen und gegen ihren Willen weggetragen wurde. Einen Tag nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens wird der 20-jährige Klaus Peter Schmidt, der ebenfalls in der Siedlung Am Wehberg wohnt, festgenommen. Obwohl sich rund 100 Polizeibeamte auf die Suche nach Sylke machen, sorgt erst der Fund eines neunjährigen Jungen für die Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen: Er entdeckt die unbekleidete Leiche des Kindes in einem Kartoffelsack. Die Lüdenscheider sind entsetzt: Frauen weinen, Männer laufen mit Knüppeln durch das Neubaugebiet Am Wehberg.

Nach langen Verhören gesteht der festgenommene Schmidt schließlich die Tat. Nach einer Zechtour habe er das Kind genommen und sei mit ihm in den Keller seines Wohnhauses am Olpendahl gegangen, wo er sich an Sylke verging und sie erwürgte.

Schmidt wird zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der tote Wahrsager

In einer Blutlache findet ein Nachbar am Morgen des 23. April 1975 die Leiche des 71-jährigen Franz Faltus. Der Wäschereibesitzer und Hemdenbügler ist erschlagen worden – mit einem Bügeleisen. Der Fall ist mysteriös, da sich der Ermordete auch als Wahrsager von Prominenten verdingte. Die Polizei fahndet im Stricher-Milieu und überführt den 24-jährigen Heinz Meißner, der eine Beziehung mit dem Ermordeten führte. In der Tatnacht sorgt sich der Wäschereibesitzer aber um seinen Ruf und untersagt Meißner, bei ihm zu übernachten. Es kommt zum Streit, bei dem der junge Mann Faltus erschlägt. Nach der Tat flieht der 24-Jährige, kehrt aber noch einmal zum Tatort zurück, wo er dem Opfer die Kehle durchschneidet und ihm 300 Mark sowie eine Taschenuhr stiehlt.

Wegen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem Mord wird Meißner zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Die Geiselnahme

Die Erinnerungen an das Drama von Gladbeck sind noch frisch, als sich in der Bergstadt eine spektakuläre Geiselnahme ereignet. Während eines Hafturlaubs überfällt der bewaffnete Roland Henschel am 8. November 1991 die Lüdenscheider Commerzbank, nimmt 20 Geiseln und droht diese zu erschießen. Um 19 Uhr schickt der Gangster eine fast unbekleidete männliche Geisel vor die Bank und fordert eine absolute Nachrichtensperre. Später verlangt Henschel zehn Millionen Mark Lösegeld und einen Fluchtwagen. Um 23.12 Uhr fallen Schüsse in der Bank: Henschel schießt einen Mann mit einem Gummigeschoss an; das blutbefleckte Hemd wird vor die Tür geworfen. In den frühen Morgenstunden des 9. November kommen das Lösegeld und ein Fluchtfahrzeug an; zudem werden Sprengstoffpakete rund um die Bank installiert. Um 13 Uhr macht die Polizei dem Drama ein Ende: Die Commerzbank wird gestürmt, der Geiselnehmer mit einem Kopfschuss getötet.

Der Taxi-Mord

Ein junger Mann randaliert am frühen Morgen des 9. Juni 1994 in der Nähe des Lüdenscheider Bahnhofs und will ein Taxi haben. Trotz der Warnungen ihrer Kollegen lässt die 44-jährige Taxifahrerin Waltraud Timm den 17-jährigen Andre H. in ihr Auto steigen – ein tödlicher Fehler. Zunächst fährt sie H. nach Hagen, um danach mit ihm den Rückweg anzutreten. Oberhalb „Zum Hohle” lässt der Mann die zweifache Mutter in ein Waldstück fahren, wo er die Frau missbraucht, mit einem Stein erschlägt und beraubt. H. flüchtet mit dem Taxi, prallt aber vor einen Baum und läuft zu Fuß weiter. An der Brockhauser Ebene nimmt ihn die Polizei fest.

Das brutale Verbrechen sorgt bundesweit für Aufsehen. Zur Beerdigung des Opfers kommen 400 Taxifahrer aus ganz Deutschland nach Lüdenscheid; 150 von ihnen bilden einen anderthalb Kilometer langen Autokorso.

Wegen Übermüdung und Alkoholeinflusses erkennt das Hagener Landgericht auf verminderte Schuldfähigkeit und verurteilt H. zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe.

Unbekannte Tote

Ein Verbrechen, das an Grausamkeit seinesgleichen sucht, wartet bis heute auf Aufklärung. In einem Waldstück am Bergfeld zwischen Lüdenscheid und Altena findet ein Krad-Fahrer am 2. Juni 1997 eine verkohlte, unbekleidete Frauenleiche mit einer Schlinge um den Hals. Die Frau wurde vergewaltigt, stranguliert und mit Brandbeschleuniger übergossen. Im Zuge der Ermittlungen kommt eine schreckliche Entdeckung ans Tageslicht: Bei dem Vergewaltiger, so ergibt ein DNA-Vergleich, muss es sich um einen sehr nahen Verwandten handeln. Doch wer ist das Opfer? Um das Gesicht der Ermordeten rekonstruieren zu können, wird ihr Rumpf bestattet und der Kopf nach Glasgow gebracht, wo Spezialisten Computerbilder der 18- bis 20-Jährigen erstellen. Die Polizei geht Hunderten von Hinweisen nach, auf 21 000 Plakaten und in „Aktenzeichen XY” wird um Hinweise gebeten. Doch die Ermittlungen verlaufen im Sande. Die Identität der Frau bleibt ebenso ungeklärt wie die ihres Mörders.

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