Aus Schwarz-Gelb 07 und Blau-Weiß 08 wurde im Juli 1970 Rot-Weiß Unna - Jetzt wird der 100. Geburtstag gefeiert

Die Farbenlehre des Fußballs auf den Kopf gestellt

Foto: Rot-Weiß Unna

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Schwarz-Gelb und Blau-Weiß geht ja gar nicht zusammen. Nicht in der Farbenlehre, erst recht nicht im Fußball. Ausnahme: Der Spiel- und Sportverein Schwarz-Gelb 07 und der blau-weiße Unnaer Sportclub 08 fusionierten am 1. Juli 1970 zum „SV 07/08 Rot-Weiß Unna”. Die Clubs feiern jetzt 100. Geburtstag.

Wenn die beiden Clubs vor Jahrzehnten im Ortsderby aufeinander trafen, dann fieberten 2 000 Fans live mit. An Bundesliga war noch längst nicht zu denken, Borussia Dortmund beispielsweise gab es in den Anfängen der Unnaer Vereine noch gar nicht.

Die Schwarzgelben aus Unna können auf eine ungleich längere Tradition verweisen, da sie aus dem TV Unna 1861 hervorgegangen sind. Einige jüngere Mitglieder hätten sich anno 1906 „lieber an frischer Luft tummeln wollen”, schreibt die Chronik. Das „erste eigene Wettspiel” trugen die Ex-Turner am 16. Februar 1908 gegen die Union in Dortmund aus und kehrten mit einem klaren 6:0 zurück.

Bei den „Blauen” waren es ausgerechnet Brieftaubenfreunde, die zunächst auf der Wiese des Gastwirtes Hoselmann an der „Bellevue” (Massener Straße/Tennishalle) in rot-gelben Kluften kickten. Bis 1920, dann mutierte der Sportclub 08 zu Blau und Weiß „Blau ist die Himmelsfarbe und weiß die Unschuld lacht” (Vereinslied).

Die Kaufholds, Lohrmanns, Keitlings, Pohls und Hennings spielten nach einem Intermezzo auf der Wiese des Gastwirtes Neckenbürger an der Iserlohner Straße ab 1910 am Kissenkamp, später am Schützenhof, und ab 26. Juli 1942 auf dem vereinseigenen Platz (von der Stadt) am Hertinger Tor. Gefeiert mit einem Spiel gegen den damaligen Westfalenmeister Borussia Dortmund. Im April 1947 begründen noch 88 Mitglieder die Nachkriegsgeschichte des reinen Fußballklubs.

Die Schwarzgelben spielten indes nicht ausschließlich Fußball, sondern waren ab 1926 auch im Handball und 1931 in der Leichtathletik erfolgreich. „Fritz Hanning wurde 1950 Deutscher Jugendmeister über 400 Meter”, erinnert sich Hermann Bremmer, selbst Leichtathlet. Die erfolgreichen Zeiten der Handballer datieren von 1958, als noch auf dem Feld in der Landesliga gespielt wurde. In der Halle reichte es 1971 bis in die Nordwestfalenliga. 1980 folgte die Fusion mit der HSG Unna Lünern.

Es war am 1. Juli 1970, als aus Schwarz-Gelb und Blau-Weiß Rot-Weiß wurde. Zuvor hatten Karl Lohrmann, Otto Mehrke und Fred Sturm für 07 sowie Dr. Müller (Stahlwerk), Ernst Dresselhaus und Rechtsanwalt Rolf Schenkmann im Hinterzimmer des Hotels Hansa mehrfach verhandelt, was Hermann Bremmer protokollierte. „Wir sind dabei Freunde geworden”, sagt Mehrke heute. Freunde, die auf ihre Vereinsfarben verzichteten und „nach außen nur noch die Farben der Stadt trugen, nämlich Rot und Weiß”, so Mehrke.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben