Volker W. Weidner verlässt die Union

Bürgermeister a.D. tritt aus CDU aus

Foto: WR

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Unna. Volker W. Weidner, ehemaliger Bürgermeister der CDU, tritt aus der Partei aus. Das teilte er gestern dem Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes, Hubert Hüppe, mit. Weidner war 39 Jahre lang in der Union.

Fast exakt zwei Jahre nachdem Volker Weidner öffentlich die Arbeit der Unnaer CDU in einem großen Interview mit unserer Zeitung kritisiert hatte, zieht der erste hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Unna (1999 bis 2004) nun einen Schlussstrich. In dem Brief an Hüppe, der auch Bundestagsabgeordneter ist, heißt es: „Eins hat die Union in den zurückliegenden Jahren ausgezeichnet, sie war ein politisch engagierter Verein, in dem politische Fragen diskutiert und ausgefochten und in der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt wurden. Seit einigen Jahren stelle ich zunehmend eine gegenteilige Entwicklung fest. Meinungsaustausch über, Beteiligung an der Meinungs- und Willensbildung, Kritik an der aktuellen Politik aller Ebenen ist in der CDU Unna in Parteiversammlungen nicht mehr möglich.”

Das Fass zum Überlaufen habe nun endgültig der heutige Neujahrsempfang gebracht, zu dem weder Volker W. Weidner („dass man mich nicht eingeladen hat, kann ich noch verstehen”), noch seine Mutter, die CDU-Ehrenvorsitzende Dorothea Weidner sowie Weidners Frau und CDU-Kreistagsabgeordnete Christa Weidner eingeladen wurden. „Aus alldem ziehe ich für mich den Schluss, dass die CDU nicht mehr meine politische Heimat ist”, beschließt der ehemalige Bürgermeister seinen Brief an Hüppe.

Weidner ist inzwischen zum stärksten Kritiker der CDU-Führung geworden. Einige aus der Partei werfen ihm gekränkte Eitelkeit vor, weil er 2004 nicht wiedergewählt wurde. Weidner zog sich aus der aktiven Politik zurück. Eine Aufarbeitung der Wahl hat es in der Union nie gegeben.

Am 6. Januar 2007 bemängelte Weidner im Interview, dass die CDU in Unna nicht mehr stattfinde. In seinem Austrittsbrief schreibt er, dass die Partei „nicht mehr den politischen Willensbildungsprozess” wahrnehme. Noch am Nominierungsparteitag von Werner Porzybot zum Bürgermeisterkandidaten schrieb Weidner einen Leserbrief, der mit den Worten endete: „Es ist schwer vorstellbar eine solche Partei zu wählen.” Seit gestern muss er es nicht mehr.

Auszüge aus dem Weidner-Brief

„Kritik an der aktuellen Politik ist in der CDU Unna in Parteiversammlungen nicht mehr möglich.”

„Feiern, Empfänge und gesellige Fahrten bilden das Gros der Veranstaltungen. Wenn auch gesellige Veranstaltungen in einer politischen Organisation per se nicht ausgeschlossen sein sollen, so darf sich die Aktivität im Wesentlichen nicht darauf beschränken.”

„Wie zu lesen ist, kostete der Neujahrsempfang 2008 etwa 8 000 Euro. Die Angemessenheit der Kosten dieser Veranstaltung sind m.E. nur dann nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass dies die einzige relevante öffentlichkeitswirksame Veranstaltung der CDU im Jahr 2008 war.”

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