Corona NRW

Corona in NRW: Inzidenzwert von Herne steigt auf 152,8

Virologe Dittmer hält nichts von Beherbergungsverbot

Hilft ein Beherbergungsverbot dabei, das Infektionsgeschehen zu kontrollieren? Virologe Ulf Dittmer beantwortet aktuelle Fragen zur Coronakrise.

Beschreibung anzeigen

Essen.  Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in NRW steigt weiter. Acht Städte und Kreise reißen die 100er-Marke – das ganze Ruhrgebiet ist Risikogebiet.

  • 97.507 Corona-Fälle (Stand: Donnerstag, 21. Oktober, 0 Uhr) hat das Robert Koch-Institut (RKI) seit Beginn der Pandemie für NRW registriert, im Vergleich zum Vortag kamen am Mittwoch 2623 Neuinfektionen dazu – in ganz Deutschland waren es 11.287 neue Fälle. Landesweit beträgt der Inzidenzwert 70,77.
  • Solingen hat mit 154,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in NRW (Vortag: 137,5). Darinter liegt Herne mit einer Inzidenz von 152,8 (Vortag 133,6). Auch Gelsenkirchen steigt mit 123,6 weiter an (Vortag 113,2). Die 100er-Marke gerissen haben außerdem Duisburg mit 105,7 (Vortag 100,1), Köln mit 111,7 (Vortag 104,5), die Städteregion Aachen 100,5 und Wuppertal 105,9. Neu dazugekommen ist am Donnerstag der Kreis Düren (117,1).
  • Das Ruhrgebiet ist auf der RKI-Karte flächendeckend rot gefärbt.
  • Immer mehr Städte führen eine Maskenpflicht in den Innenstädten und Fußgängerzonen ein.
  • 255 Covid-19-Patienten in NRW werden (Stand: Donnerstag, 22. Oktober, 5 Uhr) auf einer Intensivstation behandelt. Am 4. Oktober waren es mit 115 weniger als halb so viele.
  • Neue Risikogebiete in NRW sind seit Donnerstag etwa der Kreis Kleve (53,4) oder der Märkische Kreis (ebenfalls 53,4).

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in NRW steigt weiter an. Inzwischen wohnen zwei Drittel der Bevölkerung in einem Risikogebiet. Rund 12 Millionen Einwohner leben in Städten oder Kreisen, die über der kritischen Schwelle von 50 Neuinfektionen liegen, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Acht Städte und Kreise im Land haben die 100er-Marke überschritten - sichtbar als tiefrote Flecken auf der RKI-Karte: Neben Herne, Gelsenkirchen, Solingen und der Städteregion Aachen haben nun auch Duisburg, Köln und der Kreis Düren einen Inzidenzwert über 100, auch Wuppertal liegt nach einer kurzen Senkung wieder darüber (Stand Donnerstag, 0 Uhr).

[Hier können Sie sich für unseren täglichen Corona-Newsletter anmelden]

Das gesamte Ruhrgebiet ist rotes Risikogebiet: Inzwischen gelten im gesamten Revier verschärfte Maßnahmen zum Coronaschutz. Das Robert-Koch-Institut meldete für Mittwoch 2623 neue Fälle für Nordrhein-Westfalen. Damit gibt es in NRW bundesweit die meisten Covid-19-Fälle, das RKI meldet 97.507 seit Beginn der Pandemie.

Corona in NRW: Mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstation

Die Zahl der schweren Verläufe nimmt tendenziell wieder zu, blieb am Donnerstag aber im Vergleich zum Vortag stabil: 255 Covid-19-Patienten in NRW werden nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) auf einer Intensivstation behandelt. Diese Zahl hat sich seit dem 4. Oktober, also innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen, von 115 mehr als verdoppelt.

Von Juli bis September schwankte die Zahl meist zwischen 60 und 80. Der Höchststand an Intensiv-Patienten war am 10. April mit 657 gemeldet worden. Aktuell sind DIVI und RKI zufolge 73 Prozent der rund 7000 Intensivbetten in NRW belegt.

Corona in NRW: 70.000 Menschen in Quarantäne

Die Ausbreitung des Virus zeigt sich auch an der hohen Anzahl derer, die wegen Corona in häuslicher Quarantäne sind: Nach Angaben von NRW-Gesundheitsminister Laumann betrifft dies aktuell 70.000 Menschen in ganz NRW. Trotz Personallücken in den Gesundheitsämtern seien die nötigen Tests und Nachverfolgungen der Infektionsketten grundsätzlich aber gewährleistet, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk.

Rund 350.000 Corona-Tests pro Woche in NRW

NRW teste rund 350.000 Menschen pro Woche auf eine Infizierung mit dem Coronavirus - möglich seien derzeit sogar 400.000 pro Woche. Das Gesundheitssystem habe noch „sehr viele Kapazitäten“ zur Versorgung Infizierter - auch in der Intensivmedizin.

Laumann bekräftigte, dass das Land finanzielle Mittel bereitstellen werde, um rund 1000 zusätzliche Leute für die Nachverfolgung von Infektionsketten zu mobilisieren. Am Freitag hatte er eingeräumt, dass es derzeit in NRW rund 2300 Beschäftigte dafür gebe, allerdings etwa 4500 Leute nötig wären.

Maskenpflicht in Innenstädten

In vielen Städten gilt jetzt eine Maskenpflicht in Innenstädten und Fußgängerzonen. Dazu zählen zum Beispiel Bochum , Duisburg (mehr dazu hier), Mülheim , Gelsenkirchen, Witten , Bottrop , Wuppertal und Schwelm (mehr dazu hier).

Seit Samstag (17. Oktober) gelten in NRW einheitliche Regeln für Risikoregionen mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche:

  • Ab 23 Uhr bis 6 Uhr gilt in der Gastronomie eine Sperrstunde.
  • Auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist in dieser Zeit untersagt.
  • Feste aus herausragendem Anlass sind auf zehn Personen beschränkt.
  • Veranstaltungen sind - innen und außen - auf maximal 100 Personen beschränkt. Veranstaltungen sind allerdings bis zu maximal 250 Personen möglich, wenn die zuständige Gesundheitsbehörde ein vorgelegtes Hygienekonzept akzeptiert.
  • Zudem dürfen nur noch 5 Personen oder maximal zwei Hausstände in der Öffentlichkeit zusammenkommen.

Dehoga und Gastronom wollen NRW-weite Sperrstunde kippen

Die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffenen Gastwirte und Hoteliers in Nordrhein-Westfalen haben mit erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Landesamts. Bereinigt um Preiseffekte sank der Umsatz der Branche im vergangenen August um 26,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat, wie Statistiker am Montag in Düsseldorf mitteilten. Sehr deutlich war das Minus mit 39 Prozent etwa im Hotelgewerbe.

Ein Düsseldorfer Gastronom will mit Hilfe des Branchenverbands Dehoga vor dem Oberverwaltungsgericht Münster die NRW-weite Sperrstunde in besonders von Corona betroffenen Regionen kippen.

Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte am Dienstag den Eingang von zwei Eilanträgen gegen die Sperrstunde: Demnach stammt ein Eilantrag von einem Gastwirt aus Bochum. Hinter dem zweiten Eilantrag steckt demnach ein Zusammenschluss von 18 Wirten aus Köln, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.

Der Bar-Besitzer Walid El Sheikh hatte vergangene Woche bereits einen Eilantrag gegen die Düsseldorfer Sperrstunde vor dem dortigen Verwaltungsgericht eingereicht. Dort werde man „99,9 Prozent“ gar nicht mehr über diesen Antrag entscheiden, so ein Gerichtssprecher am Montag. Schließlich gebe es jetzt die NRW-weite Regelung, die die Düsseldorfer Sperrstunde - die noch bei 1 Uhr lag - obsolet gemacht habe. Statt der städtischen Verfügung nimmt El Sheikh jetzt die Coronaschutz-Verordnung des Landes ins Visier.

Für den Gastronomen ist die Sperrstunde unverhältnismäßig. Ob sich Menschen wirklich in Bars anstecken könnnten, die unter Coronaschutz-Bedingungen betrieben werden, ist für den Gastronomen wie auch die Dehoga fraglich. Gleichzeitig macht El Sheikh nach eignen Angaben einen guten Teil seines Umsatzes nach 23 Uhr.

Hohe Fallzahl in Solingen "wegen vieler kleiner Treffen"

Der starke Anstieg der Corona-Zahlen in Solingen ist nach Angaben des Oberbürgermeisters nicht auf ein einziges zentrales Ereignis zurückzuführen. „Richtig passiert ist - ja fast leider - nichts“, sagt Tim Kurzbach (SPD) am Montag dem Radiosender WDR2. Es wäre viel leichter, wenn man sagen könne, es handle sich um eine betroffene Firma oder eine einzelne Begebenheit. In Solingen seien es aber „viele kleine Zusammenkünfte“ gewesen - etwa ein paar Jungs, die zusammen in einer Halle Fußball gespielt hätten. „Die sind jetzt alle infiziert.“

Kurzbach sagte, Solingen müsse nun den Überblick über die Infektionen behalten. Bislang seien im Gesundheitsamt mehr als 50 Mitarbeiter gewesen, am Montag sollten 30 weitere dazukommen. Mit Blick auf den nahenden Schulstart nach den Ferien erwarte er sich auch eine Antwort der Landesregierung, wie es weitergehe. Auf die Frage, ob Schule überhaupt stattfinden könne, sagte der OB: „Ich glaube, die Frage stellen sich gerade ziemlich viele. Nicht nur Oberbürgermeister.“

Nur noch neun Regionen in NRW unter der Vorwarnstufe 35

Es gibt nur noch acht Regionen im Land, die noch unter der Vorwarnstufe von 35 liegen, darunter der Hochsauerlandkreis (31,6), der Kreis Soest (30,5) und Münster (32,0).

Bereits zu Beginn der Woche hatte die Bundesregierung zugesichert, dass die Bundeswehr und das Robert-Koch-Institut ab einem Inzidenzwert von 35 ihre Experten in Corona-Hotspots schicken. Das ist seit Dienstag etwa in Herne der Fall (mehr dazu hier).

+++ Aktuelle Fallzahlen aus Ihrer Stadt, neue Verordnungen, neue Erkenntnisse der Impfstoff-Forschung: Das Corona-Update hält Sie auf dem Laufenden. Hier kostenlos für den Newsletter anmelden! +++

Hier gibt es die Corona-Regeln für NRW in der Übersicht.

NRW lehnt Grenzschließungen ab

Nordrhein-Westfalen will seine Grenzen zu den Nachbarländern trotz der Corona-Pandemie weiterhin offen halten. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wirbt stattdessen für gemeinsamen Gesundheitsschutz.

Lesen Sie dazu: Zeeland ist Risikogebiet: Was heißt das für Urlauber vor Ort?

Sie sehen keine Tabelle? Dann klicken Sie hier.

Leserkommentare (100) Kommentar schreiben