Adventsserie

Zwischen Besenkammer und Wohlfühlklima

Auch im Kreis ist Moritz Petereit gelegentlich aktiv, hier beim Pokalspiel zwischen dem FC Hemer Erciyes und Borussia Dröschede.

Foto: Michael May

Auch im Kreis ist Moritz Petereit gelegentlich aktiv, hier beim Pokalspiel zwischen dem FC Hemer Erciyes und Borussia Dröschede. Foto: Michael May

Iserlohn.   Der Hemeraner Moritz Petereit gewährt einen Blick in die Kabine eines Fußballschiedsrichters

Unsere Adventsserie „Türchen auf“ richtet den Blick auf besondere Dinge, die oft im Verborgenen bleiben. Ein Adventskalender voller Geschichten – vom Lokalteil bis zum Sport. Heute öffnen wir die Tür zu einer Schiedsrichterkabine auf dem Fußballplatz.

Wer sich wie er hochgearbeitet hat – vom Nachwuchsbereich über Kreis- und Bezirksliga bei den Senioren bis hin zur Westfalenliga – kennt die Fußballplätze der Region. Er kennt die Vereine und deren Mitarbeiter, die sich explizit um die Mitglieder seiner Zunft kümmern. Moritz Petereit ist Fußball-Schiedsrichter, und zu einem Einsatz gehört nicht nur die Spielleitung selbst, sondern auch die Vor- und Nachbereitung des Geschehens auf dem Feld. Und das geschieht in der Schiedsrichterkabine. Aber wie sieht es dort aus?

Ohne Internetanschluss geht heute fast nichts mehr

Der 24-jährige Hemeraner sagt von sich, keine hohen Ansprüche zu stellen. „Ich brauche da bestimmt keinen Polstersessel, aber sauber sollte es schon sein.“ Reichten früher Stühle und ein Schreibtisch, damit der Unparteiische seinen Spielbericht ordnungsgemäß ausfüllen konnte, so sind heute Laptop oder fester PC und Internetanschluss unerlässlich. Schließlich gibt es den elektronischen Spielbericht, der Papierkram gehört der Vergangenheit an. „Aber es kann natürlich irgendwo auf dem Dorf mal Probleme mit der Internetverbindung geben. Dann muss man anschließend mit dem Smartphone die Regularien abwickeln“, sagt der für den ASSV Letmathe pfeifende Petereit. Denn der Spielbericht auf Papier, der nach der Partie vom Schiedsrichter abgezeichnet und dann an den zuständigen Staffelleiter verschickt wird, hat ausgedient.

Heute geht es elektronisch. Die beteiligten Mannschaften klicken sich im Netz die vorgesehene Aufstellung aus ihrer Spielerliste zusammen, und der Schiedsrichter bekommt einen Ausdruck. An frühere Zeiten erinnert jedoch die Passkontrolle, die von der Landesliga an abwärts immer noch obligatorisch ist. „Weshalb man in den Klassen darüber darauf verzichtet, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass die Spieler sowieso bekannt und keine Unregelmäßigkeiten zu befürchten sind.“

Moritz Petereit, der als Westfalenligaschiedsrichter auch noch Spiele auf Kreisebene leitet und überdies in der Oberliga an der Linie steht, müsste also eigentlich das ganze Spektrum an denkbaren Schiedsrichterkabinen im Amateurbereich erlebt haben. Hat er auch. Und kommt zu folgendem Ergebnis: „Die Qualität der Kabine ist ligenunabhängig. Ich habe in der Oberliga schon bessere Besenkammern erlebt mit einer kalten Dusche, in der Kreisliga dagegen moderne Räume und eine zuvorkommende Betreuung durch den gastgebenden Verein.“ Zwei krasse Fälle sind ihm in Erinnerung geblieben: Spielvorbereitung und Umziehen auf der Toilette, weil niemand den Schlüssel zur Schiedsrichterkabine hatte, und bei 35 Grad Außentemperatur eine kleine Wasserflasche für ein Schiedsrichtergespann.

Stichwort Gespann: Wenn ihm Linienrichter zur Seite stehen, plant Petereit generell den früheren Dienstantritt. „Eine Stunde vor Spielbeginn ist man spätestens am Platz, weil man sich abstimmt und die Erfahrungen aus vorherigen Spielen austauscht.“ Gibt es, wie in der Kreisliga, keinen Assistenten, kann man etwas später am Platz sein. Mit wem soll man schließlich die Spielleitung vorbereiten?

Der Hemeraner, der in Dortmund bei einer Unternehmerberatung arbeitet, bezeichnet sich als Schiedsrichter aus Leidenschaft. Konstant gute Leistungen haben ihm die Qualifikation für die Westfalenliga beschert, und wenn es weiter gut läuft, darf er zur nächsten Saison auf die Beförderung in die Oberliga hoffen. Und dann? „Man sagt ja, dass man Oberliga allein durch gute Leistung schaffen kann. Bei allem darüber spielen viele andere Faktoren eine Rolle. Und ich würde gern noch etwas höher kommen.“

Mit 24 Jahren, man vernimmt es mit Staunen, ist er fast schon zu alt, um noch richtig durchstarten zu können. Er hat nie in der Junioren-Bundesliga gepfiffen, was bei Jungschiedsrichtern mit Ambitionen schon fast vorausgesetzt wird. So lässt es Moritz Petereit auf sich zukommen und wirkt ganz zufrieden, genau dieses Hobby zu haben. Denn mehr ist es nicht. Wenn er beispielsweise ein Kreisligaspiel pfeift, liegt das Honorar bei 22 Euro, in der Landesliga sind es 36. Dazu kommen 30 Cent pro Kilometer an Fahrtkosten. „Finanziell interessant wird es erst ab der dritten Liga,“ weiß Petereit.

Ausgeprägte Vorfreude auf die Hallensaison

Doch dass eine gute Portion Idealismus im Spiel sein muss, bereitet ihm keine Probleme. Er ist gern Schiedsrichter, und er freut sich schon auf die Hallensaison. „Die Spiele sind extrem intensiv, und ich mag das,“ sagt Moritz Petereit. In der Halle kann er im übrigen keine Tür zur Schiedsrichterkabine öffnen, denn die ist dort in der Regel nicht vorgesehen. Oft wird der Geräteraum zum Aufenthaltsraum zwischen den Spielen, und für die technische Abwicklung muss ohnehin die Turnierleitung sorgen. „Aber das ist eine schöne Abwechslung“, sagt der Hemeraner. Bis Mitte Februar wird er sie genießen, dann geht es auf dem Feld weiter. Auf vielen bekannten Fußballplätzen mit vielen bekannten Schiedsrichterkabinen.

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