So kämpfen Südwestfalens Dörfer gegen den Leerstand

Immer gefragter ist Leerstandsmanagement, um wieder Leben in verwaiste Räume zu bekommen. In Bad Laasphe versucht man negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Immer gefragter ist Leerstandsmanagement, um wieder Leben in verwaiste Räume zu bekommen. In Bad Laasphe versucht man negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Hagen.   Junge Familien erhalten oft finanzielle Unterstützung beim Kauf von älteren Immobilien. Aber dort enden die Förderprogramme noch nicht.

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Leerstand. Das Wort sagt alles. Keine Menschen, kein Leben. Der Puls der Zeit schlägt woanders. Gespenstisch, trostlos, trist. Der Ort hat in Teilen keine Seele mehr. Das muss nicht sein. Kommunen in der Region zeigen, diese Entwicklung ist kein Naturgesetz. Burbach im Siegerland ist so ein Beispiel.

„Es ist nicht sinnvoll, Neubaugebiete auszuweisen“, sagt Christoph Ewers. „Seit 2006 handhaben wir das so. Sicher ist nicht jeder damit glücklich.“ Der Bürgermeister, seit 2003 im Amt und damit dienstältester Bürgermeister im Kreis Siegen-Wittgenstein, will keine Ortskerne, die schleichend verwaisen.

„Seit vielen Jahren legt die Gemeinde“, so der Christdemokrat, „ein eigenes Förderprogramm auf, um den Kauf und die Sanierung von Häusern im Ort zu fördern.“ Unter dem Motto „Lebenswerte Dörfer“ macht die Gemeinde in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Architekten den Anstoß. „Der Interessent bekommt von ihnen eine kostenlose Beratung. Uns ist auch unsere Baukultur wichtig. Es muss ins Ortsbild passen.“

Zukünftiger Leerstand schon jetzt bekannt

Dass am Ende 80 Prozent der Arbeiten von örtlichen Handwerksbetrieben übernommen werden, findet der Bürgermeister nicht verkehrt. „50 000 bis 70 000 Euro geben wir jedes Jahr für diese Maßnahme aus. Und wenn man sagt, für 1 Euro Förderung werden 38 Euro investiert, ist das ein schöner Mitnahmeeffekt.“

Der 54-Jährige weiß, nicht nur Burbach steht am Anfang der Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs in den nächsten Jahrzehnten. „Wir wissen schon heute, wo in den Häusern aus den 1960er und 1970er Jahren bald niemand mehr lebt und Leerstand wahrscheinlich wird.“

„Jung kauft Alt“ ist gefragt

Burbach steuert gegen, will nicht weiter die Landschaft zersiedeln und die Kosten für den Erhalt der Infrastruktur, vom Abwasser bis zur Müllentsorgung, in die Höhe treiben. Menden im Märkischen Kreis setzt auf das kommunale Förderprogramm „Jung kauft Alt“. „Die Nachfrage ist hoch“, sagt Sprecher Johannes Ehrlich. „Im Jahr sind es 110 Anträge, die kommen. Die Warteliste ist lang.“

Jungen Familien werden beim Kauf von mindestens 25 Jahre alten Immobilien unterstützt. Die maximale Förderung beträgt 9000 Euro, auch wird die Erstellung eines Altbaugutachtens mit höchstens 1500 Euro unterstützt. Die Summen klingen überschaubar und zeigen Wirkung. „Wer etwas kaufen will“, sagt Ehrlich, „für den zählt in der Regel jeder Euro.“ Vorteil für Menden: Die gewachsenen Viertel bleiben am Leben, und die Auslastung vorhandener Einrichtungen wird verbessert.

Zukunftsweisend ist auch das Leerstandsmanagement in Bad Laasphe im Wittgensteiner Land, das die Kommune seit 2009 betreibt. „Wir erkennen frühzeitig, wo Leerstand entsteht“, sagt Bürgermeister Torsten Spillmann (parteilos), „und wo sich einschneidende Entwicklungen abzeichnen.“

Eigenheimzulage für Familien

Der 43-Jährige freut sich, dass das letzte leerstehende Haus der Kommune, eine ehemalige Hauptschule, abgegeben werden kann. „Hier plant ein Investor ein Pflegeheim.“ Er spürt auch, dass der Immobilienmarkt in einzelnen Segmenten boomt. „Einfamilienhäuser werden gut verkauft, wenn es denn keine Schrottimmobilie ist.“

Auf einem ganz anderen Weg, um junge Familien in die Kommune zu locken, befindet sich Breckerfeld im Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Kommune zahlt für jedes Kind 4000 Euro Eigenheimzulage, die maximale Fördersumme liegt bei 16 000 Euro. „Noch sind 20 Grundstücke im Neubaugebiet ‘Heider Kopf’ zu bekommen“, sagt Kämmerin Sandra Schüler. Das werde auch für das nächste geplante Neubaugebiet beibehalten.

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