Veranstaltung erinnert an den „heißesten” Tag des Jahres 1968 in Siegen – NPD-Landesparteitag:

Wasserwerfer vor der Siegerlandhalle

Foto: WR

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Siegen. Es war genau der 16. November 1968, als die politische Protestbewegung die Stadt Siegen erreichte. Anlass war ein NPD-Landesparteitag in der Siegerlandhalle: Demonstrationen, Polizeieinsatz inklusive Wasserwerfern, ein mit Stacheldraht eingezäunter Veranstaltungsort.

Am Sonntag erinnert ab 17 Uhr eine Veranstaltung an die 40 Jahre zurückliegenden Ereignisse. Beginn: 17 Uhr im Hüttensaal der Siegerlandhalle.

Mehrere hundert engagierte Schüler, Studenten und Gewerkschaftsmitglieder demonstrierten gegen den Landesparteitag der NPD. Der Bismarckplatz in Weidenau war Schauplatz einer genehmigten Protestkundgebung der IG Metall und des DGB. Eugen Loderer, damals stellvertretender Bundesvorsitzender der IG Metall, erläuterte den antifaschistischen Standpunkt der Gewerkschaftsbewegung und warnte vor den rechtsradikalen Scharfmachern der NPD.

800 Polizisten standen bereit, um den behördlich genehmigten NPD-Parteitag vor einer nicht genehmigten Demonstration zu schützen. Noch zwei Tage vorher hatte die Stadt Siegen in einem Telegramm den NRW-Ministerpräsidenten gebeten, den Landesparteitag wegen der befürchteten Gefährdung von Sicherheit und Ordnung zu verbieten. Die Antwort aus Düsseldorf: Angesichts der bestehenden Rechtslage sei ein Verbot nicht möglich.

Die Einsatzleitung der Polizei setzte auf Deeskalation. Bei der Polizei hatte kurz zuvor ein Umdenken stattgefunden. Nicht zuletzt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im DGB hatte diesen Reformprozess vorangetrieben. Es wurde nicht mehr mit aller Härte gegen jede Form von Demonstration durchgegriffen, sondern das Demonstrationsrecht wurde als Grundrecht anerkannt. In Siegen kamen keine Schlagstöcke zum Einsatz, junge Polizisten diskutierten mit demonstrierenden Jugendlichen.

Polizeilehrfilm im Mittelpunkt

Hunderte Demonstranten, die durch die Stadt marschierten, Tränengas und Wasserwerfereinsatz vor der Siegerlandhalle – das hatte es in Siegen noch nicht gegeben.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung am Sonntag steht ein 17-minütiger Dokumentarfilm über die Proteste, der seinerzeit im Auftrag der Polizei gedreht und später als Polizeilehrfilm eingesetzt worden ist. Außerdem werden Filmausschnitte aus WDR-Archiven sowie ein kurzer Nachrichtenfilm des DDR-Fernsehens gezeigt. Eine Einführung in die zeitgeschicht- lichen Hintergründe geben Raimund Hellwig und Dieter Pfau. Zwei Zeitzeugen, ein Siegener Gewerkschafter und ein Vertreter der Polizei, berichten über ihre Erinnerungen an die Proteste.

Anschließend besteht Gelegenheit zur Diskussion, an der sich sicherlich weitere Zeitzeugen der Ereignisse beteiligen werden.

Veranstalter: DGB Region Siegen-Wittgenstein-Olpe, der Förderkreis Geschichte der Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften im Kreis Siegen-Wittgenstein

Der Historiker Dieter Pfau führt am Sonntag in das Thema ein. Mit ihm sprach Christiane Luke.

Was waren die Ziele der Demonstration 1968?

Dieter Pfau: Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus und mit der nationalsozialistischen Vergangenheit waren wichtige Ziele der Studentenbewegung und der Gewerkschaftsbewegung. Die Demonstranten wollten den NPD-Landesparteitag in der Siegerlandhalle verhindern. Die Demonstration reiht sich in die Protestbewegung des Jahres 1968 ein und war in Siegen deren Höhepunkt.

Was ist das besondere der Veranstaltung am Sonntag?

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Dokumentarfilm, der von der Polizei gedreht worden ist. Im Film sind die Aktionen der Demonstranten und die Reaktionsweise der Polizei zu sehen. Trotz des Einsatzes von Tränengas und Wasserwerfern wird deutlich, dass die Polizei eine neue Strategie einsetzte.

Werden am Sonntag auch Zeitzeugen zu Wort kommen?

Zwei Zeitzeugen, ein Gewerkschafter und ein Siegener Student, werden ihre Eindrücke schildern. Wir rechnen damit, dass unter den Besuchern der Veranstaltung viele weitere Zeitzeugen sind, die auch zu Wort kommen sollen.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die NPD heute in Siegen?

Die NPD hat Ende der 1960er Jahre bei den Wahlen größere Erfolge erzielen können. Heute hat die NPD in Siegen keine politische Bedeutung. Trotzdem muss man die rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Parolen entlarven und sich mit dieser Partei energisch auseinandersetzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben