Übertragung

Live-Übertragung aus der Fußball-Kreisliga

Solch eine Kamera hängt auch bereits in Dröschede und bei der Iserlohner Turnerschaft. Sie überträgt völlig automatisch die Spiele auf den jeweiligen Fußballplätzen.

Foto: soccerwatch

Solch eine Kamera hängt auch bereits in Dröschede und bei der Iserlohner Turnerschaft. Sie überträgt völlig automatisch die Spiele auf den jeweiligen Fußballplätzen.

Iserlohn.   Heimische Vereine wie Borussia Dröschede und die ITS setzen auf die Streaming-Plattform soccerwatch.tv

Anpfiff für eine neue Ära der Live-Übertragung von Amateurfußballspielen: Das Essener Start-up „soccerwatch.tv“ ist mit seiner Streaming- und Fan-Plattform online gegangen. Bis Ende 2018 sollen 1000 Vereine in ganz Deutschland mit dem eigens entwickelten, vollautomatischen, mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kamerasystem ausgerüstet sein. Schon jetzt in der Beta-Phase testen einige NRW-Vereine den neuen Dienst – darunter auch die heimischen Fußballklubs Borussia Dröschede, Iserlohner TS, ASSV Letmathe und SG Hemer.

Während die Bundesliga, der DFB-Pokal und die Champions League im Fernsehen und im Internet übertragen werden, schauen tausende Kreisliga-Interessierte in die Röhre – Fußballamateurspiele werden zu 99 Prozent nicht übertragen. Das soll sich nun ändern. Das Start-up „soccerwatch.tv“ möchte nämlich Traumtore, Zuckerpässe und Jubelszenen bis in die tiefste Kreisliga sichtbar werden lassen – und das in feinstem HD.

Dafür hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit den Investoren Vodafone und adesso ein Kamerasystem entwickelt, das, einmal installiert, völlig automatisch alle Spiele auf der jeweiligen Anlage – von der F-Jugend bis zu den alten Herren – streamt. Die Software ist in der Lage, dem Spielgeschehen automatisch zu folgen und sogar Highlights zu filtern, aus denen sie nach Abpfiff ein Video schneidet, das ebenfalls auf die Online-Plattform www.soccerwatch.tv hochgeladen wird. „Das geht alles über eine künstliche Intelligenz“, erklärt Georg Moser von „soccerwatch.tv“. Anhand des offiziellen Spielplans des DFB, der in einer Datenbank hinterlegt ist, erkennt die Kamera außerdem, wann sie sich an- und wieder abschalten muss.

Die Installationskosten und die LTE-Kosten sowie die Wartung werden von „soccerwatch.tv“ getragen, in der derzeitigen Pilotphase ist auch die Nutzung der Kamera für die Vereine noch kostenfrei. Ab 2018 sollen dann pro Monat 8,90 Euro erhoben werden. Der Rest soll durch Werbung während der Übertragungen generiert werden – sowohl von überregionalen als auch lokalen Anbietern. „Die Einnahmen durch lokale Sponsoren gehen dann zu fünfzig Prozent an uns und zu fünfzig Prozent an die Vereine“, erklärt Georg Moser.

Beta-Version ist seit einigen Wochen online

Seit Mitte November ist nun die Beta-Version der Streaming-Plattform online, erste Spiele – auch von heimischen Vereinen wie Borussia Dröschede – können angesehen werden. „Momentan streamen wir hauptsächlich Spiele der A- und B-Junioren sowie von den Herren und stellen auch nur vereinzelt Videos online“, berichtet Moser den Stand der Dinge. Wichtig sei es in der jetzigen Phase, so viele Spiele wie möglich zu filmen. „Denn je mehr Spiele die Kamera verfolgt, umso schlauer wird die künstliche Intelligenz“, erklärt der Gründer.

Einer der ersten Vereine, der das Kamerasystem bei sich an der Anlage hat anbringen lassen, ist Borussia Dröschede. Für Guido Knitter, Teamchef der Dröscheder Fußball-Frauen, bietet die Plattform nämlich viele Vorteile: „So können wir auch Spiele von uns selbst analysieren. Das könnte vor allem für Trainer sehr hilfreich sein.“

Seit 1. Dezember hat auch die Iserlohner Turnerschaft am mittleren Flutlichtmasten ihres Stadions eine Kamera von soccerwatch.tv hängen. „Der Aufwand ist sehr gering, und die Kosten sind überschaubar“, sagt Thomas Schreiber von der ITS, der schon in der Vergangenheit versucht hat, den Verein marketingtechnisch nach vorne zu bringen. „soccerwatch.tv“ sei nun eine weitere Möglichkeit, den Verein zu vermarkten. „Wir sind auf Social Media sehr aktiv und posten Spielberichte und Bilder. Die größte Reichweite erreichen aber bewegte Bilder“, nennt der stellvertretende ITS-Geschäftsführer Tobias Hellmich einen weiteren Grund für die Anschaffung.

Schild am Eingang weist auf die Kameraübertragung hin

Nun müssen noch ein paar Stromkabel verlegt werden und die Kamera anschließend von den Experten entsprechend kalibriert werden. Dann steht auch einer Übertragung aus dem LionBSS-Stadion nichts im Wege, genauso wenig wie der von Spielen des ASSV Letmathe und der SG Hemer, die ebenfalls auf das System setzen. Bleibt die Frage nach dem Persönlichkeitsrecht. Schließlich werden die Videoaufnahmen gespeichert und veröffentlicht. „Wir filmen ausschließlich das Spielfeld, sodass nur die Spieler und Personen, die sehr nah am Spielfeld stehen, zu sehen sind“, erklärt Georg Moser. Außerdem weist ein gut sichtbares Schild am Eingang der Fußballplätze auf die Kameraübertragung hin – wie bei den Bundesligaspielen, wo die Fernsehübertragung ganz normal ist. Bald ja vielleicht auch bei den Amateuren.

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