Mensch am Mittwoch

Jürgen Bleisteiner: Geschichte, Kultur, Kellen

Jürgen Bleisteiner aus Kellen.

Jürgen Bleisteiner aus Kellen.

Foto: Andreas Daams

Kleve-Kellen.   Der „Mensch am Mittwoch“ ist „eher ein Mensch von Montag bis Freitag.“ Mundart für Klever und Deutschunterricht für Flüchtlinge und indischen Priester

Heimat. Man kann endlose Gespräche darüber führen, was Heimat eigentlich ist. Und dann trifft man Menschen, bei denen irgendwie alles zusammenpasst: ihr Wesen, ihr Beruf, ihre Bindungen, Neigungen und der Ort, an dem sie leben. Jürgen Bleisteiner ist ein Ur-Kellener. In allen Vereinen Mitglied, Mitbegründer des Kellener Heimat- und Kulturvereins Cellina, bis heute Redakteur der Cellina-Zeitschrift und aktiv im Arbeitskreis Mundart.

In Kellen ist er aufgewachsen, hier hat er geheiratet, gearbeitet, hier lebt er bis heute. Mit wenigen Ausnahmen waren seine Karrierestufen fußläufig erreichbar: das Konrad-Adenauer-Gymnasium, an dem er unterrichtete, das Studienseminar Kleve für die Lehrerausbildung, an dem er seit 1975 Fachleiter für Geschichte war und das er von 2008 bis zu seiner Pensionierung 2012 leitete.

Beim Unterrichten mich auch selbst verwirklicht

Dabei hätte er den Absprung in die Großstadt leicht bewerkstelligen können. Denn Bleisteiner, 1946 geboren, zog mit seinen Eltern als 16-jähriger nach Köln. Hier studierte er auch, Latein und Geschichte auf Lehramt. Warum wollte er Lehrer werden? „Ich habe als Schüler schon gerne Nachhilfe gegeben, mir ein Taschengeld damit verdient, und irgendwie habe ich mich C.“

Aber 1969 taucht er schon wieder in Kellen auf. Da heiratet er eine Kellenerin, noch als Student. Auch das Referendariat in Duisburg übersteht er. Und dann unterrichtet der Kellener wieder daheim, in Kellen. Wo ihn, nebenbei bemerkt, seine Profession als Historiker gerade für die Geschichten, Personen und Begebenheiten aus dem alten Kellen sensibilisiert.

Die Cellina-Zeitschrift, die es inzwischen auf stolze 62 Nummern bringt, ist hierfür ein Paradebeispiel. Aber auch die Mundartgruppe. Die hat gerade zusammen mit Jagdhornbläsern eine Mundart-Messe in St. Willibrord gestaltet, zu der 400 Besucher kamen. Und am 11. Dezember um 16 Uhr findet im Kellener Pfarrheim ein Adventsbeisammensein mit Mundart statt. „Auf Platt klingen ja selbst Beleidigungen lieblich“, schmunzelt Bleisteiner.

Die Familie darf nicht zu kurz kommen

Mit der Pensionierung hat er nicht aufgehört zu unterrichten. Im Gegenteil. An jedem Werktag um 9 Uhr geht er mit einem indischen Kirchen-Praktikanten Messtexte und Erzählsituationen durch, manchmal unterstützt er außerdem noch einen befreundeten indischen Priester in Sachen Deutsch. Und dann sind da noch zwei syrische Flüchtlingskinder, mit denen er an einem Nachmittag drei Stunden intensiv Deutsch paukt. „Das ist wirklich anstrengend“, sagt er. Aber er macht es gerne, freut sich sogar drauf.

Und so hat er auf die Frage, ob er nicht mal als „Mensch am Mittwoch“ in der NRZ erscheinen wolle, schlagfertig geantwortet: „Ich bin eher ein Mensch von Montag bis Freitag.“

Nicht zu kurz kommen darf bei alledem seine Familie. Vier Enkelkinder hat er inzwischen, und die wohnen alle in der näheren Umgebung. Neben den zwei Söhnen haben seine Frau und er eine Pflegetochter mit einer geistigen Behinderung großgezogen. „Sie gehört zur Familie“, sagt Bleisteiner. Während er das erzählt, ist sie nebenan in der Küche gerade mit seiner Frau und einem Enkel eifrig beim Backen. So geht es zu im Hause Bleisteiner. Von Langeweile keine Spur.

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