Mr. Dax

Dirk Müller im Interview: „Geld war mir noch nie wichtig“

Dirk Müller

Dirk Müller

Foto: Marvin Stroeter

Von der Anzeigentafel auf die Bühne: „Mr. Dax“ Dirk Müller erklärt in seinem Live-Programm „Vom Sparer zum Aktionär“ die Welt der Finanzen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Geld ist etwas, da redet der Deutsche nicht drüber – Dirk Müller tut’s trotzdem. Und das gleich vor großem Publikum. Als beliebtes Fotomotiv, um die Börsenentwicklung zu verbildlichen, machte sich der 50-Jährige einen Namen, jetzt übersetzt „Mr. Dax“ komplizierte Börsensprache auf anschauliche Weise in Alltagssprache – nach vier Buchveröffentlichungen nun auch live auf der Bühne. Wie wichtig der richtige Umgang mit dem eigenen Geld ist, erklärte der Börsenmakler Maxi Strauch schon mal vorab.

Finanzen und Unterhaltung – wie passt das zusammen? Bei Geld hört doch bekanntlich der Spaß auf …

Dirk Müller: Ganz im Gegenteil. Mit dem Geld geht der Spaß doch erst richtig los. Es geht eben nicht um ernste Themen wie Liebe, Freundschaft oder Gesundheit, sondern nur ums Geld. Ein wunderschönes Mittel zum Zweck, aber auch nicht mehr. Geld ausgeben, macht Spaß. Geld verdienen, sollte Spaß machen. Und Geld anlegen, darf erst recht Spaß machen. Besonders die Welt der Börse war schon immer eine bunte Welt der Emotionen und spannender Geschichten. Wenn man das Fachchinesisch gegen eine normale Sprache tauscht, dann ist sie plötzlich auch sehr einfach verständlich.

Aber bei Themen wie Börse, Aktien, Fonds kräuseln sich bei vielen die Nackenhaare. Warum sich trotzdem damit befassen?

Nur denen, die sich noch nie damit beschäftigt haben. Es ist wie beim „Formel 1“-Rennen. Wer das erste Rennen sieht und keine Ahnung davon hat, langweilt sich zu Tode. Erst wenn man ein paar Regeln, Fahrernamen und Strategien kennt, fängt es an, spannend zu werden. So ist es mit der Börse auch. Diese ersten Regeln und Grundlagen möchte ich den Zuschauern auf spannende und unterhaltsame Art vermitteln. Wir arbeiten hart für unser Geld, dann sollten wir uns auch darum kümmern, wie wir es erfolgreich anlegen, statt es durch Unwissen zu vergeuden.

Was ist denn falsch am altbewährten Sparbuch?

Das Sparbuch hat sich noch nie gelohnt. Selbst wenn man mal vier Prozent Zinsen bekommen hat, war die Inflation bei fünf Prozent. Am Ende des Jahres hatte man weniger Kaufkraft als zuvor. Man hat es nur nicht so direkt gesehen wie jetzt, wo da so eine hässliche Null steht. Wer sein Geld nicht vermehren möchte, sondern es nur eine Weile aufheben will und bereit ist, dafür auch noch ein Lagergebühr zu bezahlen, der darf gerne weiter das Sparbuch verwenden.

Hätten Sie je damit gerechnet, dass Sie eine Karriere mit Ihrem Konterfei starten?

Sowas passiert einfach. Am Anfang ging mir das so wie jedem anderen Menschen auch, der sein Gesicht in der Zeitung sieht: „Guck mal, ich bin in der Zeitung!“ Doch auch das wird sehr schnell zur Normalität. Ich sehe darin heute nichts Besonderes mehr. Mein Job ist nicht besser als der jedes anderen Menschen auch und ich bin der Meinung, dass jede Pflegekraft einen wichtigeren Job macht als ich. Meiner findet zufälligerweise mehr in der Öffentlichkeit statt.

Und beschert Ihnen einen vollen Terminkalender – hat man denn so was als Finanzexperte überhaupt noch nötig?

In der Tat ist diese Bühnenshow für mich kein wirtschaftlicher Faktor. Im Gegenteil. Bei einer reinen Aufwands-Ertrags-Betrachtung dürfte ich es gar nicht machen. Aber ich liebe das, was ich tue und ich liebe es, neue Dinge zu machen, die ich noch nicht gemacht habe. Und wann hat ein Börsenmann schon einmal die Chance auf Tournee zu gehen!?

Müssen Sie nicht um Ihren Job fürchten, wenn Sie nun alle zum Aktionär oder Börsen-Profi formen?

Die Sorge habe ich ganz sicher nicht. Auch wenn viele ihr Auto selbst reparieren, haben die Werkstätten doch genug zu tun. Es geht auch gar nicht darum, die Besucher zu Börsenprofis zu machen. Die Menschen sollen das tun, was sie lieben und was ihnen am meisten liegt. Aber ich würde mich freuen, wenn ich noch mehr Begegnungen jener Art erfahren darf, wie vor einigen Jahren mit einer türkischen Dame mittleren Alters, die mir sagte „Herr Müller, ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Ich habe einen Vortrag von Ihnen gehört, der hat mich zum ersten Mal für Geld-Dinge interessiert. Seitdem kümmere ich mich jede Woche eine Stunde um meine Finanzen und habe sie seitdem endlich selbst im Griff.“

Kann denn jeder zum Börsen-Profi aufsteigen?

Das soll gar nicht das Ziel sein. Wer dafür großes Interesse hat, für den kann das ein wundervoller Berufsweg sein. Aber auch wer nicht zum Profi werden will, sollte die Grundkenntnisse für sein eigenes Geld haben. Auch wer nicht Medizin studiert, sollte eine Erkältung von einem Herzinfarkt unterscheiden können.

Sie sprechen immer wieder davon, dass es irgendwann gewaltig kracht an der Börse. Warum sollten also Ihre Zuschauer trotzdem an die Börse gehen?

Ich empfehle den Zuschauern gar nicht, jetzt sofort einzusteigen. Im Gegenteil. Ich erkläre ihnen die wichtigsten Dinge auf die sie achten müssen. Wenn es an der Börse dann eines Tages mal wieder deutlich nach unten geht, was immer mal wieder passiert und dazugehört, dann ist der Moment gekommen, dieses Wissen und die Pläne, die man zuvor gemacht hat, umzusetzen. Wenn es die tolle Fotokamera zum halben Preis gibt, rennen alle hin. So muss es auch an der Börse sein. Wenn es die besten Unternehmen der Welt für einen kurzen Zeitraum zum halben Preis gibt, dann muss man zuschlagen. Wie man diese findet und wie man das am besten plant und umsetzt, genau darum geht es in der Show.

Geld allein macht nicht glücklich – Was ist wichtiger?

Es gibt fast nichts, was unwichtiger wäre als Geld. Geld ist immer nur das Mittel, um das eigentlich Wichtige zu unterstützen oder zu ermöglichen.

Und was ist Ihnen wichtiger?

Geld war mir noch nie wichtig. Ein selbstbestimmtes Leben sehr wohl. Ich verzichte auch gerne mal auf einen Auftrag, um dadurch Lebenszeit für Freunde, Familie oder mich selbst zu gewinnen. Ein erfolgreiches Leben ist in meinen Augen kein Leben, das auf maximalen Profit ausgerichtet ist. Ein erfolgreiches Leben zeichnet sich durch eine ausgeglichene Bilanz zwischen Beruf, Familie, Freunden und den eigenen persönlichen Wünschen aus. Geld kann dabei bestenfalls ein Hilfsmittel sein.

Wie spare ich denn nun richtig?

Ein Haushaltsbuch führen, um sich über die eigenen – oft sinnlosen – kleinen und großen Ausgaben klar zu werden. Wer jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit einen Cappuccino bei Starbucks trinkt, hat in 20 Jahren 16.000 Euro für Milchschaum im Pappbecher ausgegeben. Sich darüber klar zu werden und bewusster zu entscheiden, ist die einfachste Möglichkeit, ein kleines Vermögen aufzubauen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben