Zu spät im Büro - wer zahlt?

Ein heftiger Wintereinbruch verwandelt Straßen und Autobahnen in gefährliche Rutschbahnen. Busse und Straßenbahnen bleiben in den Depots. Was passiert, wenn ein Arbeitnehmer wegen solcher "Verkehrshindernisse" zu spät zur Arbeit kommt?

Unpünktliche öffentliche Verkehrsmittel sind oft Ursache dafür, dass die Firma erst nach Dienstbeginn erreicht wird. Muss für die dadurch ausfallende Arbeitszeit der Arbeitgeber gerade stehen?

Nein. Nach dem Gesetz haben die Betriebe nur dann das Arbeitsentgelt ohne Gegenleistung ihrer Mitarbeiter weiterzuzahlen, wenn sie aus einem "in ihrer Person liegenden Grund" nicht arbeiten können. Solche Gründe liegen zum Beispiel vor, wenn eine Krankheit oder ein Unfall zur Arbeitsunfähigkeit führen. Verstopfte Straßen durch Unfälle oder Nebel, Schnee und Eis, die ursächlich dafür sind, dass Beschäftigte nicht zur gewohnten Stunde mit der Arbeit beginnen können, gehören nicht zu den "persönlichen Gründen" einer Arbeitsverhinderung. Mit anderen Worten: Das "Zeit-Risiko" des Anfahrtweges zum Betrieb trägt der Arbeitnehmer.

Bezahlen manche Arbeitgeber nicht doch auch bei Verspätungen ihren Mitarbeitern die ausgefallene Zeit?

Natürlich ist kein Arbeitgeber daran gehindert, kulant zu verfahren - was oft auch geschieht. Außerdem sehen für kurzfristige Verspätungen wegen schlechter Straßenverhältnisse vielfach Tarifverträge beziehungsweise Betriebsvereinbarungen Regelungen zugunsten der Arbeitnehmer vor. Überdies gilt für einen Großteil der Arbeitnehmer die "gleitende Arbeitszeit", die einen Ausgleich über die Woche oder einen Monat zulässt, wenn es zu Verspätungen gekommen ist.

Was geschieht, wenn dies alles nicht der Fall ist - weder Vertrag, Betriebsvereinbarung, Gleitzeitmöglichkeit oder Großzügigkeit des Chefs?

Dann heißt es: Wer morgens im Schnee stecken bleibt, der muss abends oder zu einer anderen Zeit länger arbeiten oder hat, wenn das nicht möglich ist, in diesem Monat weniger Geld auf der Lohnabrechnung. Da kann nur empfohlen werden: "Wenn´s schneit: früher aufstehen!"

Wie sieht es aber aus, wenn der Betrieb nicht arbeiten kann, weil zum Beispiel die Heizung ausgefallen ist?

Der Arbeitgeber muss Lohn oder Gehalt weiterzahlen, wenn in seinem Betrieb nicht gearbeitet werden kann, etwa weil die Heizung ausgefallen ist. Das Bundesarbeitsgericht stellte vor Jahren fest, dass dieser Fall vom Betriebsrisiko der Firma erfasst werde (AZ: 4 AZR 301/80).

Keine Kündigung ohne Abmahnung

Kann einem Arbeitnehmer gekündigt werden, wenn er mehrfach zu spät zur Arbeit kommt, weil der Wettergott ihm nicht gut gesonnen war?

Hals über Kopf darf ihm deshalb nicht gekündigt werden, sondern allenfalls nach einer Abmahnung.

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