Kohle

Warum Steag und Co. auf Kohle aus Kolumbien setzen

Franz-Josef Wodopia ist Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure

Foto: Volker Hartmann

Franz-Josef Wodopia ist Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure Foto: Volker Hartmann

Essen.   Franz-Josef Wodopia vom Verein der Kohlenimporteure erklärt, warum Steag, RWE, Uniper und Co. auf Kohle aus dem Ausland angewiesen sind.

Ende nächsten Jahres stellen die deutschen Steinkohlenbergwerke ihren Betrieb ein. Dann kommt die Kohle für Kraftwerkskonzerne wie RWE, Uniper, Steag und EnBW nur noch aus dem Ausland. Franz-Josef Wodopia, der Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure, spricht über Löhne, Menschenrechte und Strompreise.

Es gibt Bananen und Kaffee, die fair gehandelten werden. Warum gibt es eigentlich keine faire Kohle?

Wodopia: Sie können faire Kohle bekommen. Viele Unternehmen aus Deutschland, die Importkohle beziehen, kennen den direkten Weg bis zum Bergwerk. Als Verband haben wir schon seit einiger Zeit einen Verhaltenskodex, der Standards bei den Menschenrechten, Arbeitsnormen und Umweltschutz vorsieht. Wir erwarten von allen Lieferanten, dass sie sich daran halten.

Ende nächsten Jahres stellen die deutschen Steinkohlenbergwerke ihren Betrieb ein. Dann kommt die Kohle für Kraftwerksbetreiber wie RWE, Uniper, Steag und EnBW nur noch aus dem Ausland. Von den Löhnen und Arbeitsbedingungen der Kumpel in Bottrop oder Ibbenbüren können die Arbeiter in Kolumbien aber nur träumen.

Wodopia: Deutschland ist Spitzenreiter, was die Arbeitsbedingungen angeht. Das ist richtig. Es gibt nur wenige Länder mit ähnlich hohen Standards. Aber weltweit sind Bergleute im Vergleich zu anderen Beschäftigten in den jeweiligen Ländern vergleichsweise gut bezahlt. Das gilt auch für ein Land wie Kolumbien. Durch den Friedensprozess im Land hat sich ebenfalls einiges verbessert. Dass Präsident Santos den Friedensnobelpreis erhalten hat, spricht für sich.

In Kolumbien ist auch der Essener Stromerzeuger Steag aktiv – ein Unternehmen, das zu 100 Prozent Kommunen aus dem Ruhrgebiet gehört. Menschenrechtsaktivisten kritisieren, bei der Kohlebeschaffung werde weggeschaut, während es in den Rathäusern fair gehandelten Kaffee gibt.

Wodopia: Wegschauen ist das Gegenteil von dem, was passiert. Ich weiß, wie ernst das Thema bei der Steag genommen wird. Die Vorstände sind oft vor Ort und schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Es ist gut, dass Unternehmen aus Deutschland in Ländern wie Kolumbien aktiv sind. Wenn wir unsere Verantwortung ernst nehmen, können wir positive Anstöße geben.

Bergbaukonzernen wurde vorgeworfen, in Kolumbien paramilitärische Einheiten finanziert zu haben und gegen Gewerkschafter vorgegangen zu sein.

Wodopia: Die Vorwürfe reichen bis ins Jahr 2000 zurück. Das ist Geschichte.

Sind die Energiekonzerne in Deutschland auf Kohle aus Kolumbien angewiesen?

Wodopia: Ja. Das ist auch eine Frage des weltweiten Wettbewerbs. Derzeit ist Russland der wichtigste Kohlelieferant für Unternehmen in Deutschland. Wie es aussieht, wird Kolumbien die USA als zweitwichtigste Liefernation überflügeln und deutlich vor Ländern wie Australien, Polen und Südafrika liegen. Natürlich können die Kolumbianer entscheiden, ihre Frachtschiffe nach Asien oder Europa zu lenken. Deutschland steht in Konkurrenz zu riesigen Abnehmern wie China und Indien.

Bei der Kohlebeschaffung ist Deutschland nun abhängig von Ländern wie Russland oder Kolumbien. War es trotzdem richtig, die Zechen im Ruhrgebiet zu schließen?

Wodopia: Natürlich ist mit dem Abschied von der deutschen Kohle Wehmut verbunden, aber die Entscheidung bleibt richtig. Das hat nicht nur mit den im weltweiten Vergleich hohen Kosten bei der Förderung und entsprechenden Subventionen zu tun. Beim Ausstiegsbeschluss ging es auch darum, verantwortungsvoll mit den Altlasten des Bergbaus umzugehen. Das ist nun möglich.

Wie wirken sich die Preise für Importkohle auf den deutschen Strompreis aus?

Wodopia: Die Kohle bestimmt den Strompreis. In den vergangenen Monaten hatte dies eher positive Effekte für die Verbraucher in Deutschland. Zuletzt sind die Preise wieder gestiegen. Das dürfte sich auch bei den Rechnungen der Endkunden auswirken.

Wie lange braucht Deutschland noch Kohlekraftwerke – und damit auch Importkohle?

Wodopia: Solange es keine kostengünstigen Energiespeicher gibt, die einspringen, wenn aus Wind und Sonne nicht genug Strom produziert wird, sind konventionelle Kraftwerke erforderlich. Insofern wird die Kohle in Deutschland noch viele Jahre lang gebraucht.

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