„Ich gebe die Route vor“

Hagen.  Harald Fichtl (54) ist seit September Geschäftsführer der Papierfabrik Kabel Premium Pulp & Paper. Das neu gegründete Unternehmen kaufte das Werk im vergangenen Jahr dem finnisch-schwedischen Konzern Stora Enso ab, zu dem es seit 1990 gehörte. Die Tradition der Papierproduktion in Kabel ist aber viel älter, gegründet wurde die Fabrik bereits 1896. Das Unternehmen setzt heute im Jahr 250 Millionen Euro um und produziert vornehmlich Papiere für hochwertige Kataloge, Zeitschriften, Broschüren und Faltblätter.

Harald Fichtl (54) ist seit September Geschäftsführer der Papierfabrik Kabel Premium Pulp & Paper. Das neu gegründete Unternehmen kaufte das Werk im vergangenen Jahr dem finnisch-schwedischen Konzern Stora Enso ab, zu dem es seit 1990 gehörte. Die Tradition der Papierproduktion in Kabel ist aber viel älter, gegründet wurde die Fabrik bereits 1896. Das Unternehmen setzt heute im Jahr 250 Millionen Euro um und produziert vornehmlich Papiere für hochwertige Kataloge, Zeitschriften, Broschüren und Faltblätter.

Der Besitzerwechsel war von einer deutlichen Aufbruchstimmung geprägt. Hat sich die gehalten?

Harald Fichtl: Nach meinem Eindruck: ja. Die neuen Eigentümer haben die Fabrik in Form eines Asset-Deals aus dem Stora-Enso-Konzern herausgekauft. Das bedeutet, dass wir das Grundstück, die Maschinen und die Menschen, die diese Maschinen bedienen, ebenso wie Kunden- und Lieferantenbeziehungen „erworben“ haben, aber vieles andere nicht. Es war eben keine Komplettübernahme.

Können Sie das erläutern?

Es existierten nach wie vor Dienstleistungsvereinbarungen mit dem Stora-Enso-Konzern, es gelten Übergangsvereinbarungen. So hat der Konzern bis Ende Oktober noch Güter für uns verkauft, der zentrale Holzeinkauf war formaljuristisch sogar bis 31. Dezember für uns tätig. Das hatte natürlich Konsequenzen, nicht zuletzt für die wettbewerbsrechtliche Seite.

Haben Sie sich inzwischen vollständig von Stora Enso gelöst?

Ja, und das war ein spannender, intensiver Prozess. Um auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Wir sind frisch, wir sind neu, uns gibt es ja erst seit sechs Monaten, und das spürt man im Team. Und wir haben in den ersten 60 Tagen 60 neue Mitarbeiter rekrutiert. Im Werk sind jetzt 560 Menschen beschäftigt.

Jetzt steht Kabel Premium buchhalterisch auf eigenen Beinen?

Noch nicht vollständig, wir sind dabei, eine eigene IT-Welt zu schaffen. Im Stora-Konzern war ja alles durch Vorgaben aus der Zentrale gesteuert. Vor Ort in Kabel gab es zwar eine Rumpfbuchhaltung und ein Controlling, aber alles andere war über Konzernfunktionen abgebildet. Die komplette Verselbstständigung unserer Unternehmenssoftware ist eine der großen Herausforderungen im Jahr 2017.

Ist es mühsam, den neuen Namen am Markt zu etablieren?

Der Name Hagen-Kabel geht ja viel weiter zurück als in die Stora-Enso-Zeit, er ist ein Begriff in der Papierindustrie. Kabel Premium ist wie ein neues Messingschild an einem Haus, in dem mit gleichbleibend hoher Qualität produziert wird. Außerdem haben wir intensives Marketing betrieben, die Corporate Identity stimmt einfach. Nebenbei gesagt: Den Schriftzug an Fabrik und Eingangsbereich hatten wir nach zehn Tagen umgestaltet.

Die Papierherstellung ist energieintensiv. Welche Rolle spielt die Ökologie?

Ökologie ist ein wichtiges Thema. Wir verfolgen täglich unsere Umweltwerte. Was das Thema Energie angeht, hängen wir stark von den Entscheidungen im politischen Berlin ab. Die Energiepreisentwicklung ist für uns überlebenswichtig. Wenn wir die Energiekosten in Europa vergleichen, so gibt es deutliche Unterschiede – wir in Deutschland haben relativ hohe Kosten. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, sonst hat ein deutscher Standort keine Chance.

Denken Sie nicht darüber nach, Altpapier als Rohstoff einzusetzen?

Es ist ein Irrglaube, dass für uns die Wälder abgeholzt werden. Ich bin froh, dass wir Durchforstungsholz verwenden, vor allem Baumstämme zwischen sieben und 25 Zentimetern Durchmesser. Was das Altpapieraufkommen angeht, so droht ein Verknappungsszenario. Die Rohstoffpreise werden steigen, die Qualität sinken. Gott sei Dank ist unsere Exposition auf diesem Marktsegment gering.

Würden Sie sagen, Premium Kabel hat eine neue Firmenphilosophie an die Lenne gebracht?

Was den Vergleich mit den vorherigen Konzernstrukturen angeht: auf jeden Fall. Vorher wurde hier ein vorgefertigtes Kantinenmenü hergestellt, das für alle gleich war. Jetzt lernen wir selber zu kochen – mit allen Konsequenzen.

Es kann auch mal nicht so gut schmecken?

Durchaus. Aber der entscheidende Unterschied ist doch, dass es lokal beinahe keine Entscheidungskompetenz gab, alles, was über den operativen Bereich hinausging, wurde anderswo entschieden. Jetzt sind die Entscheidungswege kurz. Ich bin der alleinige Geschäftsführer. Das bedeutet freilich nicht, dass ich einsame Entscheidungen treffe. Ich gebe die Route vor, aber wir entscheiden im Team. Der Zusammenhalt in der Belegschaft ist groß.

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