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Frost beschert den Obstbauern am Niederrhein unruhige Nächte

Obstbauer Rolf Clostermann an seiner Wetterstation auf dem Neuhollandshof in Bislich.

Foto: Gerd Hermann

Obstbauer Rolf Clostermann an seiner Wetterstation auf dem Neuhollandshof in Bislich. Foto: Gerd Hermann

Wesel/Hamminkeln.   Kalt ist es. So kalt, dass sich die niederrheinischen Obstbauern um ihre Ernte im Herbst sorgen. Blüten vertragen nämlich keinen Frost.

Es sind unruhige Nächte für die Obstbauern am Niederrhein. Und so ist nicht nur Rolf Clostermann vom Bislicher Neuhollandshof hellwach, wenn es darum geht, seine 20 Hektar große Obstplantage am Jöckern vor Frost zu schützen. Noch hat er seine Beregnungsanlage nicht eingeschaltet, denn bis minus zwei Grad, sagt er, erfrieren die Apfelblüten nicht. Doch eine Stelle zuviel hinter dem Komma, und die Ernte im Herbst könnte deutlich geringer ausfallen.

Wie eine Kordel um den Apfel

Deshalb gilt momentan Clostermanns Blick vor allem den Daten seiner hofeigenen Wetterstation, aber auch dem Internet. Wetter.com hält er für die verlässlichste Adresse, die stundengenau vorhersagt, wie kalt es wird. „Drei, vier Grad minus wären kritisch“, sagt der Fachmann, der jahrzehntelange Erfahrung hat und sich deshalb meist auf sein Bauchgefühl verlässt.

Eigentlich müsste die Beregnung schon bei minus einem Grad laufen, denn sonst friert die Anlage ein. Doch Clostermann taktiert ein wenig, bevor er das Wasser aus dem See pumpt. Denn einmal eingeschaltet, muss der künstliche Regen quasi während der gesamten Froststunden auf die Blüten niederrieseln. Unter dem dadurch entstandenen Eispanzer wird Wärme frei, die die Blüte schützt. Die Gefahr besteht allerdings später in Frostringen auf etwa zehn Prozent der Früchte. „Das ist wie eine Kordel um den Apfel“, erklärt Clostermann. Dann wäre das Obst nicht mehr der Klasse eins zuzuordnen, sondern nur noch als Klasse drei zu verkaufen.

Auch Heinz-Wilhelm Hecheltjen aus Brünen macht der Nachtfrost Kummer. Mittwochfrüh unternahm er deshalb erst einmal einen Spaziergang durch einige der Baumreihen. Vor allem um seine etwa 600 Kirsch- und 250 Pflaumenbäume sorgt er sich, weil sie sehr früh blühen. Und je mehr die Blüte geöffnet ist, desto größer die Gefahr, dass sie Schaden nimmt. Aber auch über seine vielen Apfelbäume macht sich der Landwirt Gedanken, denn eine Frostberegnung hat er nicht. „Das rentiert sich nicht“, sagt er, der am Mittag extra losfährt, um noch mehr Vlies zu kaufen. Einen Teil seiner Erdbeerfelder hat er damit bereits abgedeckt, nun sollen die restlichen Flächen folgen.

Das viele Wasser im Sommer 2016 hat den Pflanzen ohnehin sehr zugesetzt, so dass es mehrere Fehlstellen gibt. „Aber so ist das eben“, sagt Hecheltjen gelassen. Und wenn es ganz dicke komme, brauche er keine Erntehelfer.

Gefahr für die Spargelköpfe

Es stehe schließlich schon in der Bibel, dass sieben fetten Jahren sieben magere folgen. Und da sei durchaus etwas dran. Im vergangenen Jahr das Hochwasser und der Dauerregen, diesmal die Nachtfröste im April. Sie können übrigens auch dem Spargel Schaden zufügen, nämlich dann, wenn bereits die Köpfe rausschauen und die Stangen nicht schnell genug geerntet werden. Die Spitzen werden matschig, der Spargel ist dann nur noch als Bruchspargel zu verkaufen. „Denn Spargel ohne Kopf ist kein Spargel“, sagt Heinz-Wilhelm Hecheltjen, der sich - wie seine Kollegen auch - nun endlich wärmere Tage und Nächte wünscht. Doch verrückt machen, möchte er sich nicht, sondern lieber in die Zukunft schauen. Denn in vier Wochen, so schätzt er, könnte es bei ihm die ersten Freilanderdbeeren der Saison geben.

INFOS: AUSDÜNNEN MUSS SEIN

  • Für eine in etwa mengenmäßig gleich bleibende Ernte fahren die Mitarbeiter auf dem Neuhollandshof mit einer Maschine durch die Baumreihen, um die Blüten gleichmäßig auszudünnen. Auch am Mittwoch wurden sie mit einer rotierenden Walze einfach abgeschlagen, wie Rolf Clostermann erläutert.

  • Warum ist das nötig? Man hätte ansonsten in einem Jahr vielleicht eine ganz hervorragende Ernte und im nächsten Jahr so gut wie keinen Ertrag.

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